Deutschlands Energiewende läuft besser als gedacht: Das sind die Profiteure an der Börse
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Deutschlands Energiewende läuft besser als gedacht: Das sind die Profiteure an der Börse

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Igor Hirsch

Das Wichtigste in Kürze:

  • Erneuerbare liefern bereits 60 Prozent des Stroms.
  • Netzausbau und Stromhandel sichern Versorgung der Industrie.
  • Strombedarf steigt durch E-Autos, KI und neue Technologien.

Energiewende: Solarenergie im Kommen

Die Energiewende in Deutschland läuft besser als vielfach durch Meinungsmedien und durch einige Vertreter politischer Parteien kommuniziert. Deutschland ist bei seinen Klimaschutzzielen auf den letzten Metern und muss sich nur noch etwas sputen. Trotzdem fordern einige Politiker die Rückkehr zum Atomstrom, um Energiekosten zu senken und mehr Versorgungssicherheit im Netz herzustellen. Das ist richtig, doch rückwärtsgewandt. Wir sind im Zeitalter der erneuerbaren Energien!

Windenergie, Photovoltaik und Biogas speisten nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes im Jahr 2025 – wie bereits in den zwei Jahren zuvor – fast 60 Prozent des Stroms ins Netz. Besonders die Solarenergie erreichte dabei einen neuen Höchststand. Bis 2030 sollen mindestens 80 Prozent des Bruttostromverbrauchs aus erneuerbaren Quellen stammen. Um dieses Ziel zu erreichen, muss Deutschland auf der Zielgeraden durchaus noch etwas Gas geben, aber es ist machbar.

Energiewende braucht stabile Netze

Wenn das geschafft ist, bleibt trotzdem ein Problem, denn je mehr sich Strom aus wetterabhängigen Energiequellen wie Wind und Sonne speist, desto mehr schwankt auch dessen Einspeisung ins Stromnetz. Das ist definitiv ein Problem für die industrielastige deutsche Wirtschaft. Für Industrieunternehmen wie etwa BASF ist ein stabiles Stromnetz von zentraler Bedeutung: Es muss jederzeit sicherstellen, dass Erzeugung und Verbrauch im Gleichgewicht stehen und zudem genügend Kapazitäten bereitstehen, um auch bei Spitzenlasten eine ausreichende Versorgung für den Anlagenbetrieb zu gewährleisten. Anders ausgedrückt: Die Energieinfrastruktur muss kontinuierlich garantieren, dass die Industrie in Deutschland zuverlässig und ohne Unterbrechungen mit elektrischer Energie versorgt wird.


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Jenseits des 80-Prozent-Ziels für erneuerbare Energie sind andere Energieträger also sinnvoll. Und Deutschland besitzt die technischen und infrastrukturellen Voraussetzungen, um seinen Strombedarf weitgehend selbst zu decken. Dabei muss Atomenergie nicht mehr aus der Mottenkiste genommen werden. Die Stabilität der Versorgung kann durch leistungsfähigere Stromnetze sowie den europäischen Stromhandel gewährleistet werden.

Deutschland boomt: Kernfusion als neue Chance

Zudem muss Deutschland vielleicht gar nicht 100 Prozent seines Strombedarfs mit konventionellen erneuerbaren Energien decken. Bisher gewinnen nur Länder wie Island, Paraguay, Bhutan und Norwegen ihren Bedarf fast vollständig mit erneuerbaren Energien, aber hauptsächlich aufgrund der vorteilhaften Geografie für Wasserkraft. Langfristig könnten auch neue Technologien wie die Kernfusion zur Energieversorgung beitragen, da sie das Potenzial besitzen, große Mengen klimafreundlicher Energie bereitzustellen.

So soll bis Anfang der 2030er-Jahre soll in Garching bei München ein Forschungsreaktor für Kernfusion errichtet werden, für den Investitionen von rund zwei Milliarden Euro vorgesehen sind. Das Projekt gilt als Beispiel für die hohe Innovationskraft und Ingenieurskompetenz in Deutschland – Dem Ingenieur ist nichts zu schwör. Eine entsprechende Absichtserklärung wurde in München von Vertretern der bayerischen Staatsregierung, dem Münchner Start-up Proxima Fusion, dem Max-Planck-Institut für Plasmaphysik (IPP) sowie dem DAX-Konzern RWE unterzeichnet.

KI und E-Autos brauchen viel Strom

Also alles auf grün bei Energie? Eine vollständige energiepolitische Autarkie mag vor exogenen Schocks wie dem Ukraine- oder Iran-Krieg schützen, ist aber wirtschaftlich nicht gänzlich sinnvoll. Stattdessen ist der Austausch von Strom innerhalb des europäischen Energiemarktes ein zentraler Bestandteil, der dazu beiträgt, Versorgungssicherheit und Effizienz zu gewährleisten. Zumal der Strombedarf im kommenden Jahrzehnt steigen dürfte.

Die angestrebte Elektrifizierung von Verkehr und nicht zuletzt durch den wachsenden Einsatz energieintensiver Technologien wie Künstlicher Intelligenz und großer Rechenzentren sollten den Stromhunger steigern. Entsprechend muss die Energieinfrastruktur und die Vernetzung frühzeitig darauf ausgerichtet werden, diese zusätzliche Nachfrage zuverlässig zu decken. Steht die Energieinfrastruktur und sind die Kosten der Wende getragen, dann kann grüner Strom je nach verwendeter Technologie deutlich preiswerter produziert werden als Strom, der in konventionellen Kraftwerken gewonnen wird.

Fakt ist, dass wir uns in Deutschland längst im Zeitalter der erneuerbaren Energien befinden. Und wenn Atom, dann bitte Fusion statt Spaltung. Dies gilt auch für die Politik! Vom weiteren Ausbau der Erneuerbaren profitieren vor allem große Energieversorger wie RWE und E.ON, sowie spezialisierte Anlagenbauer und Projektentwickler wie Nordex oder Siemens Energy. Für Anleger bleibt die Energiewende damit nicht nur ein politisches Projekt, sondern vor allem ein langfristiger Wachstumstreiber für ausgewählte Energie- und Infrastrukturunternehmen. Die Siemens-Tochter ist in unserem Euro-Titans-Paket enthalten.

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FAQ

Was ist Kernfusion?

Kernfusion ist ein physikalischer Prozess, bei dem zwei leichte Atomkerne – meist Wasserstoff – miteinander verschmelzen und dabei einen schwereren Kern bilden, wobei enorme Energiemengen freigesetzt werden. Genau dieser Vorgang treibt auch die Sonne und andere Sterne an und gilt daher als potenzielle Quelle für nahezu unbegrenzte Energie auf der Erde.

Was ist das Problem bei Kernfusion?

Die große Herausforderung besteht darin, dass die Atomkerne sich aufgrund ihrer positiven Ladung gegenseitig abstoßen und deshalb nur unter extrem hohen Temperaturen und Drücken miteinander verschmelzen können. Diese Bedingungen – ähnlich wie im Inneren der Sonne – auf der Erde stabil zu erzeugen und dabei mehr Energie zu gewinnen als hineingesteckt wird, ist technisch bislang sehr schwierig.

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Igor Hirsch

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