Drohung im Übernahme-Poker: UniCredit will Commerzbank ins Ausland verkaufen
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Drohung im Übernahme-Poker: UniCredit will Commerzbank ins Ausland verkaufen

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Carlo Schmid

Die wichtigsten Punkte

Die italienische Großbank UniCredit will die Commerzbank übernehmen und hat dafür bereits rund 26 Prozent der Aktien gekauft. Sobald UniCredit die gesetzliche Schwelle von 30 Prozent überschreitet, muss sie laut deutschem Recht allen anderen Aktionären ein Kaufangebot machen – das wäre der nächste Schritt in Richtung Übernahme. Doch Vorstand und Betriebsrat der Commerzbank lehnen den Plan entschieden ab und setzen auf Eigenständigkeit mit eigenen Gewinn- und Dividendenzielen. Auch die Bundesregierung, die noch rund 12 Prozent der Bank hält, stellt sich klar gegen die Übernahme der Italiener und fordert eine starke, unabhängige Commerzbank. UniCredit-Chef Andrea Orcel wiederum macht Druck: Er will die Fusion – und droht damit, den Anteil notfalls auch an eine Bank außerhalb Europas zu verkaufen.

UniCredit erhöht den Druck

UniCredit hat ihren Anteil an der Commerzbank inzwischen auf rund 26 Prozent ausgebaut. Zusätzlich hält die Bank Finanzinstrumente, also Verträge, die später in Aktien umgewandelt werden können. Damit könnte UniCredit bald fast 30 Prozent erreichen. Diese Schwelle ist entscheidend: Nach deutschem Recht muss ein Investor ab 30 Prozent allen anderen Aktionären ein offizielles Kaufangebot machen.

Für UniCredit-Chef Andrea Orcel ist das kein unerwünschter Zwang, sondern der nächste geplante Schritt – er verfolgt das Ziel einer Fusion, also einer echten Zusammenlegung beider Banken. Dabei würde die Commerzbank nicht länger eigenständig bleiben, sondern in Strukturen, Filialnetz und Geschäftsmodell in UniCredit integriert. Sollte es dazu nicht kommen, droht Orcel, den Anteil mit Gewinn auch an Käufer außerhalb Europas weiterzuverkaufen.

Widerstand aus Frankfurt und Berlin

Die Commerzbank selbst lehnt die Übernahme ab. Vorstand und Betriebsrat sprechen von einer „feindlichen Übernahme“, also einem Versuch, die Bank ohne Zustimmung des Managements zu übernehmen. Auch die Bundesregierung stellt sich quer. Sie ist über den Bund weiterhin mit rund 12 Prozent an der Commerzbank beteiligt und sieht die Bank als wichtigen Teil der deutschen Finanzinfrastruktur. Kanzler Friedrich Merz erklärte in einem Schreiben, die Regierung wolle eine „starke und unabhängige Commerzbank“ erhalten.

Orcels Drohung: Verkauf ins Ausland

Orcel setzt die Gegenseite unter Druck. In einem Interview erklärte der UniCredit-Chef, UniCredit könne den Commerzbank-Anteil notfalls auch wieder verkaufen – sogar an eine Bank außerhalb Europas. Damit signalisiert er: Entweder kommt es zu einer Fusion mit UniCredit, oder der deutsche Bankensektor muss mit einem ausländischen Käufer rechnen. Für die Bundesregierung wäre das ein Szenario, das sie unbedingt vermeiden will.

Aufseher geben Spielraum

Das Bundeskartellamt und die Europäische Zentralbank haben UniCredit bereits erlaubt, den Anteil bis knapp unter 30 Prozent auszubauen. Wettbewerbshüter sehen darin keine Probleme, solange die Schwelle nicht überschritten wird. Damit kann UniCredit weiterhin Aktien einsammeln, ohne sofort ein Pflichtangebot abgeben zu müssen. Sobald die 30-Prozent-Marke fällt, greift aber automatisch das Gesetz.

Commerzbank setzt auf Eigenständigkeit

Die Commerzbank will eigenständig bleiben und verweist auf ihre eigenen Wachstumspläne. Nach einem Gewinn von 2.7 Milliarden Euro im Jahr 2024 will die Bank bis 2028 einen Überschuss von 4.2 Milliarden Euro erreichen. Auch die Eigenkapitalrendite – also der Gewinn im Verhältnis zum eingesetzten Eigenkapital – soll deutlich steigen. Zudem sind höhere Dividenden für Aktionäre geplant. Damit will die Bank zeigen, dass sie auch ohne Zusammenschluss mit UniCredit profitabel wachsen kann.

Historischer Kontext

Bankenzusammenschlüsse in Deutschland haben eine schwierige Geschichte. Die Übernahme der Dresdner Bank durch die Commerzbank 2008 dauerte Jahre. Auch die Integration der Postbank in die Deutsche Bank war langwierig. Ein Versuch der Bundesregierung, 2019 die Deutsche Bank und die Commerzbank zu fusionieren, scheiterte. Vor diesem Hintergrund ist auch das aktuelle Ringen zu sehen: Eine Übernahme durch UniCredit wäre der größte Bankendeal in Deutschland seit Langem.

Fazit: Machtkampf mit offenem Ausgang

Der Konflikt ist klar: UniCredit will die Commerzbank kaufen, während Management, Arbeitnehmer und Regierung das verhindern wollen. Orcel baut Druck auf, indem er den Verkauf an ausländische Banken ins Spiel bringt. Zugleich hat UniCredit durch die Genehmigung der Aufseher den Spielraum, ihren Anteil weiter auszubauen. Ob es tatsächlich zu einer Übernahme kommt, hängt davon ab, ob UniCredit die 30-Prozent-Schwelle überschreitet – und wie stark Politik und Commerzbank dagegenhalten.

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Carlo Schmid

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