Die goldene Umweltsau: Warum Bitcoin-Mining so viel Energie braucht
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Die goldene Umweltsau: Warum Bitcoin-Mining so viel Energie braucht

Author

Simeon Koch

Der Bitcoin ist eine Umweltsau. Zu diesem Schluss könnte man kommen, wenn man seinen ökologisch motivierten Kritikern zuhört. Greenpeace schießt seit Jahren gegen die größte Kryptowährung, angeblich soll das Mining im Jahr 2024 so viel Energie verschlingen, wie ganz Schweden im selben Zeitraum verbraucht. Das ist einiges, keine Frage. Und ob der ganze Aufwand notwendig ist, lässt sich zumindest aus Sicht des Fiat-Geldsystems hinterfragen. Denn aus Sicht großer Banken bräuchte man den Bitcoin eigentlich gar nicht – mehr noch: Vielen Vertretern des traditionellen Finanzsektors ist der Kryptomarkt auch ohne seine Umweltauswirkungen schon ein Dorn im Auge. Ist die Klima-Keule also nur ein Totschlagargument gegen den Blockchain-Space? Schließlich redet ja auch niemand darüber, wie viel Energie die Deutsche Bank oder das SWIFT-System verbrauchen. Wenn man den Bitcoin versteht, dann erkennt man auch, dass das Mining kein unglücklicher Nebeneffekt, sondern ein gut durchdachter und notwendiger Charakterzug ist, der das Netzwerk am Leben hält und seiner nativen Währung Wert verleiht. Dafür gibt es gleich mehrere Gründe – und eine ganze Reihe an Möglichkeiten, als Privatanleger vom Bitcoin-Mining zu profitieren. Auch ohne volatile Kryptowährungen kaufen zu müssen.

Warum braucht Bitcoin-Mining so viel Energie?

Das Bitcoin-Mining ist absichtlich so gestaltet, dass es erhebliche Mengen an Energie und Rechenleistung erfordert, um Transaktionen zu verifizieren und neue Blöcke zur Blockchain hinzuzufügen. Diese Schwierigkeit hat mehrere wichtige Gründe, die den intrinsischen Wert von Bitcoin stärken. Erstens trägt der hohe Ressourcenbedarf zur Sicherheit des Netzwerks bei. Die Proof-of-Work (PoW) Methode, die Bitcoin verwendet, macht es extrem schwierig und kostspielig, die Blockchain zu manipulieren. Ein potenzieller Angreifer müsste mehr Rechenleistung als die Hälfte des gesamten Netzwerks aufbringen, was bei der aktuellen Skalierung praktisch unmöglich ist. Diese Sicherheit gegen Manipulation und Angriffe ist ein fundamentaler Bestandteil des Wertes von Bitcoin, da sie Vertrauen in die Integrität des Systems schafft. Wäre das Bitcoin-Mining deutlich einfacher, würde das Netzwerk schnell in Ungleichgewicht geraten, weil Angriffe mit großer Rechenleistung sehr viel größeres Zerstörungspotenzial entfalten würden. Der Grund dafür liegt auch in der technischen Verwässerung, die dem Netzwerk drohen würde, wenn das Bitcoin-Mining wenig Energie und Rechenleistung beanspruchen würde.

Da die Belohnung für erfolgreiches Mining erheblich ist, motiviert dies eine große Anzahl von Minern weltweit, teilzunehmen und ihre Rechenleistung dem Netzwerk zur Verfügung zu stellen. Dabei handelt es sich um leistungsstarke Server, die kontinuierlich arbeiten. Der hohe Aufwand und Preis des Schürfens machen den intensiven Wettbewerb um den stark begrenzten Bitcoin erst möglich. Wäre das Mining einfach und mit normaler Hardware durchzuführen, wären entweder alle Bitcoins schnell im Umlauf oder der Anreiz gering, dauerhaft große Rechenpower zur Verfügung zu stellen: Könnte man mit einem normalen Laptop mal eben ein paar Satoshis schürfen, würde sich darum wohl kaum eine so umfangreiche und konstant arbeitende Industrie entwickeln. Dann würden zwar Hunderttausende Privatpersonen nebenbei Bitcoin schürfen, allerdings würden nicht-professionelle Miner in der deutlichen Überzahl ein erhebliches Risiko für das Bitcoin-Netzwerk darstellen. In so einem Fall müssten die Mining-Belohnungen so gering sein, dass viele gar nicht darauf achten würden, ob sie auch konstant am Netzwerk teilnehmen. Durch diese Verwässerung des Netzwerks könnte es schnell zu Ausfällen und Einbrüchen in der Rechenleistung kommen. Außerdem würde die Blockchain anfällig für die eingangs geschilderten Angriffe von außen.

Das harte Leben der Bitcoin-Miner

Genau deshalb ist die Bitcoin-Blockchain so programmiert, dass der Schwierigkeitsgrad und damit die Ressourcenintensität des Minings direkt proportional zur Hashrate angepasst werden. Etwas einfacher formuliert heißt das: Je mehr Miner im Netzwerk sind und je höher die verfügbare Rechenleistung, desto schwieriger und teurer ist es, einen Bitcoin zu schürfen. Das schafft auch psychologische Anreize: Wenn bei einem Wettrennen alle Teilnehmer den ersten Platz belegen würden und Schnelligkeit keine Rolle spielen würde – warum sollten die besten Läufer dann überhaupt daran teilnehmen? Der Bitcoin braucht aber die besten Läufer, ergo die stärksten Miner, um sein Netzwerk aufrecht und resilient gegen Angriffe von außen zu halten. Zusätzlich verhindert die globale Verteilung der Mining-Aktivitäten, dass eine einzelne Entität die Kontrolle über das Netzwerk erlangen kann. Das stärkt Bitcoin als unabhängige und zensurresistente digitale Währung. Durch das aufwendige Mining werden die psychologische Attraktivität und die wirtschaftliche Begehrtheit des Bitcoins gefestigt, was sein Image als digitales Gold stärkt.

All diese Schwierigkeiten machen das Bitcoin-Mining zu einem harten Geschäft. Es ist keine Seltenheit, dass Miner defizitär arbeiten, also ihre Hardware- und Energiekosten gar nicht mit ihren Einnahmen decken können. Das passiert, wenn das Schürfen des Bitcoins mehr kostet als die Belohnungen des Netzwerks einbringen, was häufig in Bärenmärkten der Fall ist. Anfang November 2022, zum Zeitpunkt des letzten Bärenmarkttiefs bei gut $15 000 pro Bitcoin, kostete es knapp $24 000, um eine Einheit zu schürfen. Daraufhin wurden unprofitable Miner ohne ausreichende Rücklagen aus dem Markt gespült, wodurch das Mining wieder günstiger wurde. Schon wenige Wochen später, im Januar 2023, fielen die Mining-Kosten pro Bitcoin auf gut $20 000 zurück. In Bärenmärkten sind die Mining-Kosten ein beliebter Indikator, um Phasen zu identifizieren, in denen der Bitcoin unterbewertet ist. Die Theorie: Wenn der Bitcoin in der Produktion mehr kostet als auf dem Markt, ist er überverkauft und sollte bald wieder steigen, wobei dies einige Zeit dauern kann.

Über das Jahr 2023 hinweg korrelierte der Bitcoin ziemlich genau mit den Mining-Kosten und erst Ende Januar 2024 konnte sich der Preis dank seiner letzten großen Rallye wieder nach oben hin von den Mining-Kosten abheben. Mitte März stand der Bitcoin-Preis bei über $71 000, die Kosten für das Schürfen einer Einheit aber nur bei gut $40 000. Mit dem Halving am 20. April wendete sich das Blatt schlagartig: Anfang Mai war der Bitcoin knapp $64 000 wert, das Mining kostete aber fast $90 000. Wenig verwunderlich ist es deshalb, dass in den letzten Wochen zahlreiche Miner kapitulierten und damit den Bitcoin-Preis weiter nach unten drückten. Auch aktuell ist die negative Diskrepanz zwischen Mining- und Marktpreis des Bitcoins noch beträchtlich: Anfang Juli kostet ein Bitcoin auf dem Spot-Markt gut $62 000, Miner müssen dafür Rechenleistung und Energie im Wert von stattlichen $75 000 berappen. Das ist rund um das Bitcoin-Halving nichts Ungewöhnliches, führt aber stets zu anhaltenden Korrekturphasen. Diese Korrekturphasen kann man nicht nur nutzen, um eigene Positionen im Bitcoin selbst zu verbessern, sondern auch, um den Miner-Markt zu sondieren, um starke Player zu identifizieren – denn auch in börsennotierte Bitcoin-Mining-Unternehmen kann man als Privatanleger investieren. Und genau dafür bieten wir ab kommender Woche die passenden Analysen: Unser Minen-Paket wird um eine ganze Reihe von Aktien großer Bitcoin-Miner erweitert. Alle Infos dazu finden Sie in den nächsten Tagen auf unseren Socials und der HKCM News!

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