Deutschland, Miner und Mt.Gox: Warum der Bitcoin einbricht
#Kryptowährungen

Deutschland, Miner und Mt.Gox: Warum der Bitcoin einbricht

Author

Simeon Koch

Was für ein Wochenstart für den Bitcoin. Erst geriet der Altcoin-Sektor in gefährliche Schieflage, jetzt zieht der Marktführer nach. In der Spitze korrigierte der Bitcoin am gestrigen Montag um rund acht Prozent, zwischenzeitlich unterschritt er die psychologisch wichtige $60 000-Marke. Begleitet wurde der Abverkauf von wachsender Verunsicherung unter den Anlegern, mehrere potenzielle Quellen starker Abverkäufe tauchten in den letzten Stunden auf: Während die Miner-Kapitulation anzuhalten scheint, schickt sich die deutsche Bundesregierung offenbar an, milliardenschwere Bitcoin-Bestände auf den Markt zu werfen. Gleichzeitig verzeichnen die Bitcoin-ETFs in den Vereinigten Staaten seit nunmehr sechs Handelstagen stetige Abflüsse. Und als wäre das nicht schon genug, will die ehemals größte und mittlerweile insolvente Kryptobörse Mt. Gox ausgerechnet jetzt mit der Auszahlung ihrer Gläubiger beginnen. Dadurch könnten Zehntausende Bitcoin auf den freien Markt gelangen. Die Situation ist angespannt – dabei ist das alles auf den zweiten Blick nur halb so wild.


Miner kapitulieren – mal wieder

Eigentlich ist das alles nichts Neues. Schon nach den letzten Halving-Events ging der Bitcoin in zähe Seitwärts- oder sogar Korrekturphasen. Als Reaccumulation wird dieses Phänomen im Krypto-Markt bezeichnet – eine Zeitspanne von einigen Wochen, die in der Vergangenheit von erfolgreichen Anlegern zur Aufstockung der eigenen Bitcoin-Bestände genutzt wurde, bevor die Bullenmärkte so richtig Fahrt aufnahmen. Gehemmt wurde der Bitcoin in diesen Phasen stets durch wachsenden Verkaufsdruck seiner Miner, die wegen der plötzlichen Halbierung ihrer Einnahmen in finanzielle Bredouille kamen oder ihre Infrastruktur aufrüsten mussten. Nach jedem Bitcoin-Halving werden weniger profitable Miner aus dem Netzwerk gespült – Bitcoin-Bestände werden liquidiert, um entweder den Markt zu verlassen oder weiter in die eigene Rechenpower zu investieren und damit die Profitabilitätsgrenze zu verringern. Aktuell halten Bitcoin-Miner kumuliert rund 700 000 BTC, also mehr als die zwei größten Bitcoin-Spot-ETFs von BlackRock und Grayscale zusammen. Entsprechend groß ist der mögliche Einfluss auf den Preis durch Verkaufswellen aus diesen Beständen.

Allein seit Oktober 2023 verkauften Bitcoin-Miner mehr als 30 000 Bitcoin im aktuellen Gegenwert von fast $2 Milliarden. Über diese Summe kann die Bundesrepublik Deutschland nur müde lächeln. Schließlich sind die heimischen Behörden seit der Beschlagnahmung von ganzen 50 000 Bitcoin der ehemaligen Video-Plattform Movie2k einer der größten Bitcoin-Wale überhaupt. Schnell fanden Onchain-Analysten heraus, auf welchen Wallets die Bundesrepublik ihren digitalen Schatz geparkt hatte – und beobachteten die Adressen mit Argusaugen. Vergangene Woche dann schickte das Bundeskriminalamt (BKA), das die Coins konfisziert hatte, kleine Test-Transaktionen an mehrere Börsen, darunter Coinbase und Kraken. Kurz darauf folgten Tranchen zu je 500 BTC, also rund $30 Millionen, an die zuvor ausgewählten Handelsplattformen. Vor wenigen Stunden flossen dann noch einmal 1000 BTC von den “deutschen” Wallets an die Börsen, aktuell hält die Bundesrepublik noch rund 47 000 Bitcoin selbst. Verkauft wurden demnach offenbar bereits knapp 3000 BTC im Gegenwert von etwa $150 Millionen.

Warum die ganze Panik um Mt. Gox?

Schnell wurde Kritik in der Krypto-Community laut, da die deutschen Behörden offenbar auf dem Spot-Markt verkaufen und keine OTC-Deals nutzen. Bei diesen sogenannten Over The Counter-Transaktionen können große Bitcoin-Halter ihre Bestände quasi im Hintergrund direkt an große Handelsplattformen oder andere Interessenten verkaufen, ohne starke Volatilität im Preis auszulösen. Der reguläre Markt wird auf diese Weise umgangen, was sowohl Kleinanlegern als auch den großen Verkäufern Vorteile bietet: Bitcoin-Verkäufe in Milliardenhöhe würden den Preis sukzessive drücken, weil der Markt nicht so viel auf einmal aufnehmen kann. Darunter leiden nicht nur Retail-Käufer und deren Portfolios, sondern auch die Verkäufer selbst, die ihre Bitcoin dann günstiger abstoßen müssen. Aus genau diesen Gründen stießen die augenscheinlichen Verkäufe der Bundesregierung über den regulären Markt auf Unverständnis. Zwar dürften die mittlerweile liquidierten rund 3000 Bitcoin kaum Einfluss auf den Preis genommen haben – dennoch sorge dieser behördliche Umgang gemeinsam mit dem offenkundigen Verkaufsinteresse bei derart großen Beständen für spürbare Verunsicherung auf dem Markt. Und das war ja noch gar nicht alles.

Die nächste Hiobsbotschaft folgte nämlich auf dem Fuß – wobei sie eigentlich schon länger bekannt war: Bereits Ende Mai teilte die ehemals weltgrößte Krypto-Börse Mt. Gox mit, nach jahrelangem Insolvenzverfahren endlich seine Gläubiger auszuzahlen. Mt. Gox war 2014 gehackt worden, wobei rund 850 000 Bitcoin gestohlen wurden. Damals belief sich der Gesamtwert der entwendeten Coins auf rund $450 Millionen, heute sind es fast $60 Milliarden. Auszahlen kann Mt. Gox zwar nur gut 140 000 Bitcoin (der Rest bleibt verschollen) – da es sich dabei aber um gute $8 Milliarden handelt, witterten Crash-Propheten in den letzten Tagen gleich den nächsten großen Dump. Dabei ist die Mt. Gox-Thematik, die seit Jahren wie ein Damokles-Schwert über dem Krypto-Markt zu schweben schien, auf den zweiten Blick gar nicht so alarmierend, schließlich werden die besagten $8 Milliarden nicht so ohne weiteres liquidiert. Mt. Gox stellte es seinen Gläubigern schon lange im Vorfeld frei, ihre Ansprüche in Bitcoin oder US-Dollar auszuzahlen. Ob und wieviel initial abgestoßen wird, ist also noch völlig unklar. Zudem wurden große Teile der Verbindlichkeiten von privaten Gläubigern an institutionelle Anleger und Fonds verkauft, deren Anteile aus rechtlichen Gründen noch länger gesperrt bleiben – zumal um einige dieser Bestände auch noch Gerichtsverfahren geführt werden.

Mit der Angst kommen die größten Chancen

Ein beträchtlicher Teil der auszuschüttenden Rückzahlungen wird vorerst also gar nicht in den öffentlichen Markt gelangen. Während die Sorge um einen möglichen Mt. Gox-Dump also aus mehreren Gründen überzogen scheint, bleiben sowohl die weitere Entwicklung der Miner-Kapitulation als auch das Verkaufsverhalten der Bundesregierung eine Unbekannte. Besonders mit Blick auf die Miner ergibt sich ein Dilemma: Wenn der Preis nicht steigt, bleiben viele Miner mit den gekürzten Blockchain-Belohnungen unprofitabel und müssen umso mehr Bitcoin-Bestände abstoßen. Das wiederum drückt den Preis und setzt die Miner weiter unter Druck. Hinzu kommt die labile Marktsituation im aktuellen Sommerloch, wodurch hohe Volatilität begünstigt wird – und die spielt sich wegen der aktuellen Unsicherheit im Krypto-Markt vornehmlich nach unten hin aus. Hoffnungslos ist die Situation trotzdem nicht, ganz im Gegenteil. Schließlich haben frühere Zyklen gezeigt, dass es sich lohnt, während der Reaccumulation-Phase dranzubleiben – und dass die langfristigen Profitchancen am größten sind, wenn die Angst im Markt ihren Höhepunkt erreicht.

Für uns kommen die jüngsten Abverkäufe alles andere als überraschend, haben wir doch bereits seit geraumer Zeit eine Zielzone auf dem Bitcoin-Chart, welche gestern auch schon kurz angetestet wurde. Wie tief der Krypto-Krösus und auch der Altcoin-König Ether laut technischer Analyse noch abverkaufen sollten, erfahren unsere Kunden in den täglichen Updates.

Author

Simeon Koch

Schlagzeilen

Es wurde noch keine Einwilligung erteilt.

Du musst zuerst zustimmen, um Inhalte von TradingView zu sehen.