Die wichtigsten Punkte
Die Bundesländer wollen die ständigen Preisschwankungen an deutschen Tankstellen eindämmen: Künftig sollen Spritpreise nur noch einmal am Tag steigen dürfen, nach österreichischem Vorbild. Der Vorstoß, angeführt von Baden-Württemberg, reagiert auf Daten des Bundeskartellamts, wonach sich die Preise im Schnitt 22-mal täglich ändern. Ziel ist mehr Transparenz und Entlastung für Autofahrer, während Preissenkungen weiterhin jederzeit erlaubt wären. Tankstellenbetreiber begrüßen den Plan als Stabilisierung, die Mineralölwirtschaft warnt hingegen vor einem Eingriff in den freien Wettbewerb. Der Bundesrat will dem Vorschlag voraussichtlich zustimmen.
Wenn Tanken zum Glücksspiel wird
An Deutschlands Tankstellen herrscht Preischaos. Laut dem Bundeskartellamt ändern sich die Spritpreise im Schnitt bis zu 22 Mal am Tag – an einzelnen Stationen sogar noch häufiger. Für Autofahrer ist das ein unübersichtliches Wettrennen um den günstigsten Moment. Die Preistäler, also jene kurzen Phasen niedriger Preise, sind kaum vorhersehbar. Nun wollen die Bundesländer dieser Unruhe ein Ende setzen. Ihr Plan: Eine Preisbegrenzung nach österreichischem Vorbild, die erlaubt, den Preis für Benzin und Diesel nur einmal täglich zu erhöhen, während Preissenkungen weiterhin jederzeit möglich bleiben.
Ziel ist es, mehr Transparenz zu schaffen und das Vertrauen der Verbraucher zurückzugewinnen. Besonders Baden-Württemberg treibt den Vorstoß im Bundesrat voran – und verweist auf den gestiegenen Handlungsdruck, denn die Zahl der Preisänderungen habe sich in den vergangenen Jahren vervielfacht.
Vorbild Österreich und alte Ideen in neuem Gewand
Das Modell ist sogar bereits erprobt: In Österreich dürfen Tankstellen die Preise nur einmal täglich um 12 Uhr mittags anheben. Das habe, so Befürworter, nicht nur Vorteile für Autofahrer, sondern auch für Betreiber, die weniger häufig Preisdaten an die Markttransparenzstelle für Kraftstoffe weitergeben müssen. Die Bundesländer sehen darin eine Chance, das tägliche Auf und Ab an den Zapfsäulen zu bremsen und wieder Planbarkeit zu schaffen.
Der Gedanke ist nicht neu – bereits 2012 gab es einen ähnlichen Vorschlag, der damals jedoch in Berlin versandete. Heute ist der Druck größer: Die Zahl der Preisänderungen hat sich von durchschnittlich fünf auf über 20 pro Tag gesteigert. Der sogenannte Rakete-und-Feder-Effekt, den das Kartellamt kritisiert, verschärft die Situation zusätzlich: Steigen die Ölpreise, schnellen die Spritpreise nach oben wie eine Rakete; sinken sie, trudeln sie langsam und widerwillig zurück – wie eine Feder.
Zwischen Wettbewerb und Vertrauen
Während Verbraucherverbände und Tankstellenbetreiber den Vorschlag begrüßen, kommt heftige Kritik von der Mineralölwirtschaft. Der Branchenverband en2x – Fuels und Energie warnt vor einem Eingriff in den freien Markt. „Die Tankstellen stehen in harter Konkurrenz um jeden Kunden“, so Sprecher Alexander von Gersdorff. Preis-Apps und sichtbare Preistafeln sorgten bereits für größtmögliche Transparenz. Eine starre Regelung könne diesen Wettbewerb einschränken.
Tankstellenbetreiber hingegen sehen die Sache pragmatischer: Viele litten unter der Preispolitik der Konzerne und dem Ärger verunsicherter Kunden. Eine tägliche Preisobergrenze könne hier Stabilität bringen – und das Vertrauen der Autofahrer stärken. Ob der Bundesrat den Plan umsetzt, ist offen. Doch der öffentliche Druck wächst: Immer mehr Verbraucher wünschen sich ein Ende des nervenaufreibenden Preispokers an der Zapfsäule.



