DAX-Newsflash: Mercedes gibt Luxus auf, deutsche Insolvenzen steigen
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DAX-Newsflash: Mercedes gibt Luxus auf, deutsche Insolvenzen steigen

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Carlo Schmid

Mercedes verabschiedet sich vom Luxus-Image

Mercedes gibt laut eigenen Aussagen seine reine Luxusstrategie auf, nachdem der Gewinn im zweiten Quartal 2025 um fast 70 Prozent eingebrochen ist. Statt ausschließlich auf teure Modelle zu setzen, will der Autobauer künftig ein breiteres Angebot in allen Segmenten bieten. Dennoch bleiben die Preise vorerst hoch, das neue Einstiegsmodell CLA startet bei 56.000 Euro. Belastend wirken vor allem die schwache Nachfrage in China, sinkende Margen und hohe Umstrukturierungskosten.

Der Strategiewechsel markiert einen deutlichen Bruch mit der bisherigen Linie von Konzernchef Ola Källenius, der seit 2019 konsequent auf exklusive Fahrzeuge und hohe Margen gesetzt hat. Beobachter hatten diese Ausrichtung als „gierig“ kritisiert und vor Kundenverlust gewarnt. Externe Faktoren wie höhere Zölle, strengere Abgasvorgaben und schwächelnde E-Auto-Verkäufe verschärfen die Lage zusätzlich.

Tourismus boomt – Insolvenzen auch

Deutschland hat im ersten Halbjahr 2025 so viele Übernachtungen verzeichnet wie nie zuvor: 223.3 Millionen, ein Plus von 0.1 Prozent gegenüber dem bisherigen Rekord aus 2024. Besonders der innerdeutsche Tourismus sorgte mit 42.8 Millionen Übernachtungen im Juni für Zuwachs, während ausländische Gäste wegen des EM-Effekts im Vorjahr seltener kamen. Mit EM-Effekt ist gemeint, dass die Fußball-Europameisterschaft 2024 damals viele internationale Besucher nach Deutschland lockte, was die Vergleichszahlen ungewöhnlich hoch machte. Berlin erlebt gegen den Trend einen leichten Rückgang bei Besuchern und Übernachtungen.

Gleichzeitig trüben schlechte Nachrichten die Wirtschaftsstimmung: Im Juli stieg die Zahl der Firmeninsolvenzen um mehr als 19 Prozent, der höchste Anstieg seit Oktober 2024. Laut Deutscher Industrie- und Handelskammer steckt das Land weiter in einer anhaltenden Wirtschaftskrise und viele Betriebe kämpfen nach zwei Jahren Rezession mit knapper Liquidität. Insolvenzen gelten hier als Frühindikator für wirtschaftliche Probleme, da sie oft Monate vor ihrer offiziellen Erfassung beantragt werden.

Palantir verteidigt Einsatz bei deutscher Polizei

Die US-Firma Palantir hat Vorwürfe mangelnder Datensicherheit bei ihrer Polizeisoftware in Deutschland zurückgewiesen. Nach Unternehmensangaben bleiben alle Daten in Bayern, BW, NRW und Hessen ausschließlich auf polizeieigenen Servern, ohne Verbindung zum Internet. Die Software „Gotham“ dürfe nur zur Verhinderung von Straftaten genutzt werden. Kritiker befürchten dennoch, dass Daten an US-Behörden fließen könnten. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) prüft, ob die Technologie auch bundesweit eingesetzt werden könnte, während einige Bundesländer sie bereits abgelehnt haben.

Palantir betont, es gebe keine technische Möglichkeit für Datenabflüsse in die USA und verweist auf Prüfungen wie die des Fraunhofer-Instituts, die keine Hintertüren fanden.  Datenschützer warnen vor Abhängigkeiten von US-Unternehmen und möglicher Einflussnahme durch amerikanische Behörden. Das Bundesverfassungsgericht hatte den Einsatz bereits 2023 eingeschränkt, aber die Diskussion über Nutzen und Risiken der Technologie reißt nicht ab.

YouTube-Rivale Rumble will deutsche KI-Firma Northern Data

Der US-Videodienst Rumble prüft die Übernahme der deutschen KI-Cloud-Firma Northern Data für rund 1.17 Milliarden Dollar. Geplant ist ein Aktientausch von 2319 Rumble-Aktien pro Northern-Data-Anteil, was einem Wert von 18.30 Dollar je Aktie entspricht, etwa 32 Prozent unter dem letzten Frankfurter Börsenkurs. Mehrheitsaktionär Tether, Herausgeber des gleichnamigen Stablecoins, hat bereits Zustimmung signalisiert. Northern Data verfügt über große Cloud-Kapazitäten und Tausende Nvidia-Chips.

Rumble will sich mit dem Kauf das Cloud-Geschäft Taiga und die Rechenzentrumssparte Ardent sichern. Northern Data besitzt allein rund 20 480 Nvidia-H100- und mehr als 2000 H200-Chips – begehrte Hochleistungshardware für Künstliche Intelligenz. Bedingung für den Deal ist der Verkauf der Krypto-Mining-Sparte. Nach Abschluss könnte Tether ein wichtiger Rumble-Kunde werden. Die mögliche Übernahme reiht sich in den globalen Wettlauf um Rechenleistung für KI ein, der von steigender Nachfrage nach Cloud-Diensten getrieben wird.

Polen und Ukraine: Deutscher Handel mit Osteuropa wächst

Die deutsche Wirtschaft hat im ersten Halbjahr 2025 trotz insgesamt schwacher Exporte im Handel mit Osteuropa kräftig zugelegt. Besonders mit Polen wurden Rekorde erzielt: Das Handelsvolumen stieg um 4.6 Milliarden Euro auf über 90 Milliarden Euro, womit Polen erstmals China bei den deutschen Exporten überholte. Auch die Ukraine verzeichnete ein starkes Plus, deutsche Ausfuhren dorthin legten um 30 Prozent auf 4.6 Milliarden Euro zu. Neben Tschechien (+3.4 Prozent) litten dagegen die Geschäfte mit Ungarn.

Hintergrund: Der Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft sieht in den Märkten Mittel- und Osteuropas große Chancen, trotz geopolitischer Risiken. Polen ist seit der EU-Erweiterung 2004 zu einem der wichtigsten Handelspartner Deutschlands aufgestiegen. Während Exporte in die 29 Länder der Region um 2.2 Prozent wuchsen, sanken die deutschen Gesamtausfuhren leicht um 0.1 Prozent. Ein Zeichen, wie wichtig diese Wachstumsimpulse für die Konjunktur sind.

Das war's schon mit dem DAX-Newsflash. Der nächste erscheint, wie gewohnt, am kommenden Dienstag!

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