Deutsche haben wenig Ahnung von Geldanlage
Gut ein Drittel der Menschen in Deutschland hat sich nach eigenen Angaben nur wenig oder gar nicht mit Geldanlage ausgekannt. Das ergab eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Postbank unter 2001 Erwachsenen. Demnach schätzten 34.6 Prozent ihren Wissensstand zu Finanzthemen höchstens als mangelhaft ein oder gaben an, keinerlei Kenntnisse zu besitzen. Mehr als ein Viertel der Befragten (26.7 Prozent) informierte sich demnach überhaupt nicht über Finanzfragen, andere setzten vor allem auf Tipps aus dem Familien- oder Freundeskreis.
Vor allem junge Menschen greifen laut Umfrage verstärkt auf Finfluencer zurück – also Social-Media-Persönlichkeiten, die Inhalte zu Geldanlage und Investments veröffentlichen. Während fast 30 Prozent der 18- bis 24-Jährigen diese als wichtige Quelle ansehen, liegt der Anteil bei den über 55-Jährigen nur bei gut drei Prozent. Verbraucherschützer und die Finanzaufsicht Bafin warnen jedoch, dass im Netz viele fehlerhafte oder einseitige Ratschläge kursieren. Postbank-Manager Thomas Brosch betonte: „Likes und Follower sind keine Gütesiegel.“
Heimische Autozulieferer verlieren weltweit an Boden
Deutsche Autozulieferer haben zuletzt deutlich Marktanteile an internationale Wettbewerber eingebüßt. Laut einer Studie der Strategieberatung Strategy& sank der globale Anteil deutscher Firmen im vergangenen Jahr auf das Niveau von 2005, während chinesische Anbieter deutlich aufholen. 2015 lag der Anteil deutscher Unternehmen noch drei Prozentpunkte höher als heute. Gründe sind laut Experten vor allem der steigende internationale Wettbewerbsdruck, die schleppende Transformation zur Elektromobilität und hohe Kosten am Standort Deutschland. Hinzu kommt, dass Firmen oft parallel in alte und neue Technologien investieren müssen.
Chinesische Zulieferer profitieren laut der Untersuchung von niedrigen Produktionskosten, staatlicher Förderung und einer langfristigen Industriepolitik. „Die chinesische Zulieferindustrie ist heute kein Billiganbieter mehr“, sagte Beatrix Keim vom Bochumer Center Automotive Research. In Deutschland leiden Unternehmen dagegen unter Stellenabbau: Seit 2018 sind fast 45 000 Jobs weggefallen. Gleichzeitig gelten viele Mittelständler weiter als Hidden Champions, also kaum bekannte Weltmarktführer in ihrer jeweiligen Sparte. Keim betonte, die Ausbildungsqualität und Ingenieurskunst blieben zentrale Standortvorteile.
Bayer scheitert mit Herzmittel-Studie – Aktie unter Druck
Der Pharmakonzern Bayer hat mit einer wichtigen Herzinsuffizienz-Studie sein Ziel verfehlt und seine Anleger damit enttäuscht. Auf dem Kardiologenkongress ESC 2025 stellte das Unternehmen Ergebnisse der Phase-III-Studie VICTOR zu Vericiguat vor. Das Mittel konnte den primären Endpunkt – eine Verringerung kardiovaskulärer Todesfälle oder Krankenhausaufenthalte wegen Herzinsuffizienz – nicht erreichen. An der Börse reagierte die Bayer-Aktie mit einem Minus von rund 1.5 Prozent und gehörte damit zu den schwächsten Werten im DAX.
Obwohl die Vericiguat-Testgruppe in der Studie weniger Todesfälle verzeichnete, werteten Experten das Ergebnis als Rückschlag für die Forschungs-Pipeline der Leverkusener. Investoren sorgen sich, dass wiederholte Rückschläge in der Forschung und Belastungen durch laufende Glyphosat-Klagen die Perspektiven von Bayer weiter eintrüben könnten. Gute Nachrichten kamen derweil aus Washington. Angeblich soll US-Gesundheitsminister von seiner harten Linie gegen Glyphosat abweichen, weil Landwirte – eine wichtige Wählergruppe – darauf angewiesen sind. Glyphosat ist ein Unkrautvernichter vom Chemie-Konzern Monsanto, den Bayer 2018 geschluckt hatte. Seitdem muss sich der deutsche Pharma-Riese mit milliardenschwere Klagen wegen Gesundheitsschäden ehemaliger Kunden herumschlagen.
Deutsche Bank und Siemens Energy steigen in Euro Stoxx 50 auf
Die Deutsche Bank und Siemens Energy haben den Sprung in den Euro Stoxx 50 geschafft. Das teilte der Indexanbieter Stoxx Ltd am Montag mit. Neu aufgenommen wird zudem das belgische Biotech-Unternehmen Argenx. Dafür scheiden Nokia, Stellantis und Pernod Ricard aus dem Auswahlindex aus. Für die Deutsche Bank bedeutet die Aufnahme eine Rückkehr nach sieben Jahren: Sie gehörte bereits seit 1998, dem Startjahr des Euro Stoxx 50, bis 2018 ununterbrochen dazu. Die Änderungen werden am 22. September wirksam.
Der Euro Stoxx 50 umfasst die 50 größten börsennotierten Unternehmen der Eurozone und gilt als wichtiger Gradmesser für die europäische Wirtschaft. Für Unternehmen ist die Mitgliedschaft attraktiv, weil sie in Standard-Portfolios und Fonds automatisch stärker vertreten sind, was Handel und Liquidität fördert. Zu den deutschen Konzernen im Index zählen neben den Neueinsteigern auch Allianz, Airbus, DHL und die Deutsche Telekom.
Adidas steigt aus Tarifbindung aus
Der Sportartikelhersteller Adidas hat am Montag seine Tarifbindung in Deutschland beendet. Damit folgt der Konzern einem seit Jahren zunehmenden Trend, bei dem immer mehr Unternehmen eigene Vergütungsmodelle bevorzugen. Gewerkschaften wie die IG BCE reagierten empört: Der Schritt sei „grob unsportlich“ und ein Bruch mit der Tradition der Sozialpartnerschaft. Adidas rechtfertigte den Ausstieg mit dem Hinweis, tarifliche Strukturen behinderten flexible Gehaltsmodelle. „Unsere Mitarbeitenden sind die besten der Branche“, erklärte das Unternehmen in einer Mitteilung, und dafür brauche es mehr Spielraum bei Löhnen und Entwicklungsmöglichkeiten.
Die Debatte entzündet sich vor allem an der Bezahlung hochqualifizierter Fachkräfte, für die Gewerkschaften klare Regeln etwa zu Überstunden oder Sonderzahlungen fordern. Experten sind uneins: Während Malte Lübker vom arbeitnehmernahen WSI darin Vorteile für Beschäftigte sieht, warnt Hagen Lesch vom arbeitgebernahen IW vor einem Verlust an Bonus- und Flexibilitätsmodellen. Adidas betont, vereinbarte Tariferhöhungen dennoch an seine Beschäftigten weiterzugeben – allerdings ohne rechtliche Verpflichtung. Hintergrund: Seit den 1990er-Jahren ist die Tarifbindung in Deutschland von über 70 auf knapp 50 Prozent gefallen, selbst in großen Dax-Konzernen gibt es zunehmend Ausnahmen.
Das war's schon mit dem DAX-Newsflash. Der nächste erscheint, wie gewohnt, am kommenden Dienstag.



