Zum Jahresende 2024 steht der deutsche Leitindex DAX vor einer markanten Veränderung: Der Kunststoffhersteller Covestro verabschiedet sich, während Fresenius Medical Care (FMC) nach knapp zwei Jahren Abwesenheit sein Comeback feiert. Grund für den Wechsel ist die Übernahme von Covestro durch die Abu Dhabi National Oil Company (ADNOC), die den Streubesitz des Unternehmens unter die entscheidende Schwelle von zehn Prozent gedrückt hat. Unter der neuen Führung soll Covestro künftig eine Schlüsselrolle im globalen Chemiegeschäft einnehmen. Für FMC bedeutet die Rückkehr in den DAX nicht nur ein Prestigegewinn, sondern auch eine strategische Chance, weiteres Wachstum zu realisieren. Die Anpassungen werden am 27. Dezember 2024 wirksam.
Übernahme von Covestro durch ADNOC
ADNOC hatte bereits im Sommer 2024 ein Übernahmeangebot von 62 Euro pro Aktie unterbreitet, was einem Transaktionsvolumen von bis zu 16 Milliarden Euro inklusive Schulden entspricht. Der staatliche Ölkonzern strebt mit dieser Übernahme an, seine Abhängigkeit vom reinen Ölgeschäft zu reduzieren und Covestro als strategische Plattform für die Expansion in der globalen Chemieindustrie zu nutzen.
ADNOC sichert 91 Prozent der Covestro-Aktien
für die Expansion in die Chemieindustrie
Im Oktober desselben Jahres einigten sich beide Parteien auf den Deal, wobei ADNOC über 91 Prozent der Covestro-Aktien erwarb. Die Übernahme wurde durch die ADNOC-Tochtergesellschaft XRG abgewickelt und soll bis Mitte 2025 abgeschlossen sein. Covestro, ehemals Bayer MaterialScience, wurde 2015 von Bayer abgespalten und ist einer der weltweit führenden Hersteller von Polyurethanen und Polycarbonaten. Diese Materialien finden vor allem Anwendung in der Automobil-, Bau-, Elektro- und Möbelindustrie.
Strategische Bedeutung der Übernahme
ADNOC plant, Covestro als zentrale Plattform für die globale Expansion im Chemiegeschäft zu etablieren, insbesondere durch die Förderung der Produktion nachhaltiger Materialien und die Erschließung neuer internationaler Märkte. Dabei bleibt der Standort Deutschland durch die Zusagen von ADNOC gesichert: Bis Ende 2028 sind keine wesentlichen Änderungen oder Schließungen geplant, bestehende Betriebsvereinbarungen und Tarifverträge werden eingehalten und betriebsbedingte Kündigungen für die etwa 7 000 Arbeitsplätze in Deutschland sind bis 2032 ausgeschlossen.
Covestro bleibt eine mitbestimmte Aktiengesellschaft, und der aktuelle Vorstand unter Markus Steilemann behält seine Position. Diese Transaktion, eine der größten in der europäischen Chemiebranche seit Jahren, bietet somit sowohl strategische Wachstumschancen als auch langfristige Stabilität für Covestro.
Nachhaltige Transformation durch grüne Technologien
Die Partnerschaft zwischen ADNOC und Covestro verspricht eine Beschleunigung der nachhaltigen Transformation. ADNOC plant, bis zu 8 Milliarden Euro in grüne Technologien zu investieren, während Covestro auf klimaneutrale Produktionsmethoden und die Entwicklung innovativer Materialien setzt. Gemeinsam wollen die Unternehmen den Wandel hin zu einer nachhaltigeren Chemieindustrie vorantreiben.
Die Übernahme von Covestro durch ADNOC und die damit verbundenen Veränderungen in den deutschen Indizes spiegeln die Dynamik der globalen Wirtschaft wider. Während Fresenius Medical Care von der Rückkehr in den DAX profitiert, unterstreicht die Integration von Covestro in das Portfolio von ADNOC die strategische Bedeutung internationaler Kooperationen für die grüne Transformation.
Resultierende Bewegungen im MDAX und SDAX
Aufgrund des geringen Streubesitzes, der unter die Mindestanforderung von zehn Prozent gefallen ist, scheidet Covestro aus dem DAX aus. Der Streubesitz gibt an, welcher Anteil der Aktien frei handelbar ist und nicht von Großaktionären gehalten wird. Ein geringer Streubesitz erschwert die Liquidität und Handelbarkeit der Aktie, was für die Aufnahme in den DAX von zentraler Bedeutung ist. Der Platz wird ab dem 27. Dezember 2024 von Fresenius Medical Care (FMC) eingenommen. Das Unternehmen mit Sitz in Hessen ist spezialisiert auf Dialyseprodukte und -dienstleistungen und kehrt nach einer Pause von fast zwei Jahren in den DAX zurück.
Covestro raus, Fresenius Medical Care zurück im DAX
Die Umstrukturierungen im DAX ziehen auch Veränderungen in anderen Indizes nach sich. So steigt der Immobilienkonzern Deutsche Wohnen vom SDAX in den MDAX auf, während der Laserspezialist LPKF in den SDAX aufgenommen wird. Auch im MDAX wird die Deutsche Wohnen SE aus dem SDAX aufgenommen und ersetzt die Fresenius Medical Care. Dafür kommt die LPKF-Laser & Electronics SE in den SDAX.



