Die Übernahme des Kunststoffherstellers Covestro durch den arabischen Ölkonzern Abu Dhabi National Oil Company (ADNOC) rückt in greifbare Nähe. Nachdem Adnoc bereits fast zehn Prozent der Covestro-Anteile für durchschnittlich 58.50€ je Aktie erworben hat, bietet der Konzern nun eine Offerte von 62€ pro Aktie und bewertet den DAX-Konzern damit auf rund 11.7€ Milliarden. Die übrigen Aktionäre haben bis zum 27. November Zeit, das Angebot anzunehmen und sich mit einem Gewinn gegenüber dem aktuellen Aktienkurs von 58.30€ zu verabschieden.
Ambitionen und Kapitaleinsatz
Adnoc strebt eine Mehrheit von über 50 Prozent an, um den Übernahmeprozess zu finalisieren. Für eine vollständige Übernahme und die damit verbundene Marktdominanz wäre jedoch ein Einsatz von etwa 16€ Milliarden nötig, einschließlich einer zugesagten Kapitalerhöhung um 1.17€ Milliarden und Covestros Schulden von rund 3€ Milliarden. In einer Zeit, in der viele Industrien durch die Energiewende Umbrüche erleben, zeigt Adnoc mit diesem strategischen Investment, wie gezielt die Golfstaaten sich in Zukunftsbranchen Europas engagieren.
Gremien unterstützen die Übernahme
Covestros Vorstand und Aufsichtsrat stehen geschlossen hinter dem Angebot und empfehlen den Aktionären, das Angebot anzunehmen, sofern Adnoc seine Zusagen einhält. Der Ölkonzern soll künftig vier der sechs Anteilseigner-Vertreter im Aufsichtsrat, darunter den Vorsitzenden, stellen – ein Zeichen der Kontrolle, auf das das Unternehmen aus Abu Dhabi im Sinne einer langfristigen Zusammenarbeit Wert legt. Der von dem Unternehmen bis Ende 2028 ausgeschlossene Beherrschungsvertrag garantiert zudem, dass Covestro seinen eigenen unternehmerischen Kurs zunächst fortsetzen kann, wenngleich ein Rückzug von der Börse nicht ausgeschlossen wird.
Dividendenstopp: Geduld für Aktionäre
Sollte der arabische Investor die Mehrheit von 50 Prozent bis Ende November erreichen, haben die restlichen Aktionäre vom 3. bis 16. Dezember die Gelegenheit, ihre Anteile ebenfalls zu den Konditionen anzudienen. Bevor jedoch das Kapital der Aktionäre ausgezahlt werden kann, müssen internationale Kartellbehörden und das deutsche Außenwirtschaftsgesetz den Deal genehmigen. Dieser Prozess könnte sich, insbesondere durch länderspezifische Prüfungen, bis spätestens 2. Dezember 2025 hinziehen.
Bis dahin bleibt die Geduld der Anteilsinhaber gefragt. Denn Covestro-Aktionäre müssen weiterhin auf Dividenden verzichten, da dies Teil des Übernahmeangebots ist. Nachdem bereits für die Jahre 2022 und 2023 keine Ausschüttungen erfolgt waren, müssen Investoren nun mit weiteren „mageren Jahren“ rechnen – eine Entscheidung, die bei Aktionären auf Verständnis, aber auch auf Kritik treffen könnte.
Beteiligungen anderer arabischer Unternehmen in Deutschland
Adnocs Strategie: Diversifikation und europäischer Fußabdruck
Mit dieser Akquisition setzt der Staatskonzern aus Abu Dhabi ein starkes Zeichen. Ein Erfolg der Übernahme könnte den Grundstein für weitere bedeutende Deals legen – und möglicherweise auch den Auftakt einer neuen Welle von Übernahmen in Europas Schlüsselbranchen markieren.
Außerdem skizziert die geplante Übernahme von Covestro den Ehrgeiz von Adnoc, sich nicht nur auf die Ölproduktion zu beschränken, sondern hier eine Diversifizierung nach Cashflows, nach Branchen und Industrien sowie nach Ländern vorzunehmen. Dieser Expansionsdrang lässt vielleicht auch etwas hinter die Karten schauen, wie die arabischen Länder zu ihren Einnahmen durch Öl in der Zukunft stehen. Und die Frage kommt auf: Dient die von Adnoc angestrebte Ausweitung der Geschäftsfelder und der geografischen Präsenz über die traditionelle Ölförderung hinaus in erster Linie der Portfolioerweiterung oder ist sie eine Absicherung gegen zukünftige Unsicherheiten auf dem Ölmarkt?
Wir beschäftigen uns täglich mit den Entwicklungen in unterschiedlichen Märkten. Unter anderem auch den deutschen Leitindex DAX, in dem sich unter anderem Covestro befindet. Außerdem betrachten wir täglich die Bewegungen des Öl-Marktes. Wenn sie diesbezüglich ebenfalls auf dem Laufenden bleiben wollen, schauen sie gerne in unseren Paketen nach, ob sie etwas anspricht.




