Das Wichtigste in Kürze:
- Bisher hat der Krypto-Bullrun enttäuscht, aber das könnte sich bald ändern
- Kupfer/Gold und US-PMI haben BTC-Bullenmärkte bisher exakt vorhergesagt
- Erstmals seit 2020 senden beide gemeinsam ein bullisches Signal
Ganz ehrlich? Der Krypto-Bullrun 2025 hat bitter enttäuscht. Klar, Bitcoin stieg auf 126 000 US-Dollar, satte 700 Prozent Plus seit dem Bärenmarkttief 2022. Wo aber blieb die breite Euphorie, so wie 2017 oder 2021? Warum gab es kein Blow-off-Top im Jahr nach dem Halving? Was ist mit der Altcoin-Season passiert? Mit chirurgischer Präzision hat der Kryptomarkt in den letzten Jahren so ziemlich alle zyklischen Erwartungen widerlegt – vor allem die bullischen.
Rund um den Iran-Krieg erwischten Bitcoin und Altcoins viele Anleger erneut auf dem falschen Fuß. Ausgerechnet seit der Eskalation im Mittleren Osten steigt der Kryptomarkt wieder. Das alles erscheint vollkommen widersprüchlich – bis man erkennt, dass gerade jetzt (und zum ersten Mal seit 2020) drei wichtige Bullrun-Signale für Bitcoin und Altcoins aufleuchten. Den ersten dieser drei Indikatoren schauen wir uns in diesem Artikel an.
Bitcoin-Bull und Altcoin-Season? Dieser Indikator lag nie falsch!
Seit der Kryptomarkt entstanden ist, begleitet ihn eine nahezu perfekte Korrelation. Warum hatte Bitcoin im vergangenen Jahr keinen steilen Anstieg wie in vorherigen Zyklen? Warum sind Altcoins chronisch schwach und haben gegenüber BTC seit 2022 kontinuierlich an Wert verloren? Warum sind Volumen, Aufmerksamkeit und Euphorie nie im Ausmaß von 2017 oder 2021 in den Kryptomarkt zurückgekehrt? Eine wichtige Antwort liefert das Preisverhältnis von Kupfer zu Gold.
Warum genau Kupfer und Gold? Die Antwort liegt sowohl in der Marktpsychologie als auch in der Konjunktur. Gold ist ein Krisen-Asset. Es gilt als sicherer Hafen und wird in unruhigen Zeiten bevorzugt nachgefragt. Wenn Gold steigt, haben Risikoanlagen wie der Kryptomarkt in der Regel nichts zu melden. In den vergangenen Monaten war genau das der Fall: Gold sprintete auf immer neue Allzeithochs, während Bitcoin immer tiefer fiel.
14 Monate war Bitcoin nun schwächer als Gold (oben: BTC/Gold). Der BTC-Bärenmarkt (relativ zu Gold) dürfte enden – auch dank Kupfer.
Ausgerechnet mit Beginn des Iran-Kriegs wendete sich das Blatt: Plötzlich war Bitcoin stärker als Gold (wofür es ein paar gute Gründe gibt) und ließ das bisherige Zyklustief in Relation zum Goldpreis hinter sich. Die jüngsten Bitcoin-Anstiege in Richtung 80 000 US-Dollar und der gleichzeitige Gold-Abverkauf sind von einem gemeinsamen Auslöser getrieben, nämlich von langsam aufkeimendem konjunkturellem Optimismus. Einfach gesagt: Der Markt stellt sich so langsam auf wirtschaftliche Erholung und geldpolitische Lockerung ein. Letztere soll der neue Fed-Chef Kevin Warsh bringen, der schon wegen seines eigenen Portfolios Interesse an einem starken Kryptomarkt hat.
Und genau hier kommt Kupfer ins Spiel. Kupfer ist ein industriell stark genutztes Metall und profitiert deshalb von einer gestärkten Konjunktur. Eine Wirtschaft, die wächst und viel produziert, benötigt Kupfer. In Fabriken, Maschinen oder (Konsum-)Technologie. Deshalb ist Kupfer in Zeiten von wirtschaftlichem Aufschwung und wachsendem Optimismus gefragt: Der Markt positioniert sich für bessere Zeiten. Und Kupfer ist ein Frühindikator für diesen Stimmungswechsel.
Dieser Indikator lag nie daneben: Jedes Bitcoin-Bullrun-Top seit 2013 ging mit einem Top bei Kupfer/Gold einher. Wiederholt sich dieses Muster jetzt?
Letztendlich ist die Gleichung einfach: Wenn der Markt unsicher ist (schlecht für Risiko-Anlagen), dann steigt Gold (sicherer Hafen), während Kupfer schwächelt (kein Optimismus). Wächst allerdings die Zuversicht – getrieben durch gelockerte Geldpolitik, die den nötigen Konjunktur-Schwung bringt –, dreht sich diese Logik um. Plötzlich ist Kupfer stärker als Gold und signalisiert bullische Makro-Bedingungen für Risiko-Assets. Genau das hat in den letzten vier Jahren gefehlt.
Die übergeordnete Entwicklung des Kupferkurses im Verhältnis zu Gold (Kupfer/Gold) überlappt nahezu perfekt mit den Bitcoin-Zyklen. Auf den ersten Blick erscheint der Kupfer/Gold-Kurs aktuell aber nicht besonders bullisch. Schließlich ist er zuletzt auf den tiefsten Stand seit Bitcoins Entstehung gefallen und erlebt den längsten Abstieg der letzten 16 Jahre. Was spricht also dafür, dass sich die zyklischen Muster von 2013, 2017 und 2021 ausgerechnet jetzt wiederholen?
Kupfer vor der Wende: Krypto so bullisch wie zuletzt 2020?
Bisher folgte der Kupfer/Gold-Kurs einem strengen Vierjahreszyklus. Dieser Zyklus wurde diesmal gebrochen. Die vermutlichen Ursachen dafür liegen u.a. in einer veränderten Liquiditätspolitik der US-Notenbank Fed und würden die Kapazitäten dieses Artikels übersteigen. Deshalb widmen wir uns hier ausschließlich dem Chartbild. Und mit Blick auf den Kursverlauf wird klar: Nach vierjährigen Abständen zwischen den Boom-Phasen 2013, 2017 und 2021 fiel die Kupfer-Outperformance gegen Gold im vergangenen Jahr 2025 erstmals aus. Analog zum Bitcoin-Vierjahreszyklus.
Der MACD von Kupfer steht kurz vor einem bullischen Ausbruch. Kommt ein Fakeout wie Ende 2024 oder ein nachhaltiger Aufschwung wie zuletzt 2020?
Um mögliche Trendwenden frühzeitig zu erkennen, wird in der technischen Analyse gerne auf den Moving-Average-Convergence-Divergence-Indikator (MACD) zurückgegriffen. Er bildet das Momentum einer Preiskurve ab und zeigt positive und negative Phasen durch grüne und rote Momentumsbalken. Hinzu kommen gleitende Durchschnittslinien, wobei die blaue als Leitlinie und die orange als Signallinie fungiert. Fällt die blaue Linie unter die orange, ist das ein bärisches Signal. Schneidet die blaue jedoch die orange Linie nach oben, signalisiert das aufkommende Stärke.
Beim Kupfer/Gold-Kurs zeigt sich auf Monatsebene ein klares Bild: Immer wenn der MACD ein nachhaltig bullisches Signal geliefert hat (blaue Linie schneidet orange nach oben; gelb markiert), folgte darauf ein Bitcoin-Bullrun. Im vergangenen Monat hat der MACD von Kupfer/Gold nun den ersten grünen Balken eines möglichen bullischen Momentumswechsels gesetzt. Bestätigt sich dieses Signal in den kommenden Monaten, könnte eine ähnliche Entwicklung wie 2021 bevorstehen.
Von Kupfer zur Konjunktur: Kommt jetzt der ‚richtige‘ Krypto-Bullrun?
Das vorläufig bullische Signal im MACD des Kupfer/Gold-Kurses ist freilich noch keine sichere Bestätigung für eine Wiederholung der Bullrun-Muster von 2013, 2017 und 2021. Schließlich lieferte der Indikator schon Ende 2024 ein Fakeout, also einen einzelnen grünen Momentumsbalken, auf den kein nachhaltiger Ausbruch der blauen Leitlinie über die orange Signallinie folgte. Der MACD fiel zurück in den bärischen Trend (rote Momentumsbalken, blaue unter oranger Linie).
Es gibt aber Grund zur Annahme, dass es diesmal anders laufen könnte – und dass das bullische Signal tatsächlich bestätigt wird. Denn anders als noch Ende 2024 bekommt der Kupferkurs diesmal Schützenhilfe vom Einkaufsmanagerindex (PMI), dem vielleicht wichtigsten Konjunkturindikator der USA. Der PMI bildet als groß angelegte Umfrage im produzierenden Gewerbe die aktuelle Stimmung ab: Sind Unternehmer zuversichtlich? Investieren sie oder halten sie sich eher zurück? PMI-Werte über 50 signalisieren Expansion (positiv), Werte unter 50 Kontraktion (negativ).
Was spricht für einen bullischen Ausbruch? Zum ersten Mal seit 2020 erhält Kupfer/Gold Schützenhilfe vom PMI. Das war beim Fakeout Ende 2024 nicht der Fall.
Der PMI hält ebenfalls eine enge Korrelation mit dem Kupfer/Gold-Kurs. Das ist für jeden, der den Artikel bis hierher aufmerksam gelesen hat, keine Überraschung. Schließlich bildet der PMI die Stimmung in der US-Wirtschaft ab. Steigt er, so wächst die Zuversicht. Wenn er sinkt, liegt das an zunehmender Unsicherheit. Damit folgt der PMI derselben Dynamik wie das Preisverhältnis zwischen Kupfer und Gold: Bei Optimismus geht es aufwärts, bei anhaltender Unsicherheit bergab.
Interessant ist die Divergenz: Während Kupfer/Gold seit Ende 2021 kontinuierlich fällt, erreichte der PMI bereits 2023 seinen bisherigen Zyklusboden und stand in den letzten drei Monaten konstant über der Wachstumsschwelle von 50 Punkten (zuletzt 52.7) – der erste nachhaltige PMI-Ausbruch in den Expansionsbereich seit dem letzten Bitcoin-Bullrun (und dem letzten großen Anstieg bei Kupfer/Gold).
Behält der 100-Prozent-Bullrun-Indikator recht?
Der US-Einkaufsmanagerindex PMI korreliert nicht nur eng mit dem Kupfer/Gold-Kurs, sondern folglich auch mit Bitcoin. In der Regel geht erst der PMI in Expansion (Stimmung im Markt hellt sich auf), bevor Kupfer/Gold folgt (positive Konjunktur-Erwartung übersetzt sich in steigende Nachfrage nach Industriemetallen, während das Interesse am Krisen-Asset Gold sinkt). Der Kryptomarkt steht für gewöhnlich am Ende der Kapitalrotation durch den breiten Finanzmarkt, steigt dafür aber umso stärker.
100 Prozent Trefferquote auch hier: Jede nachhaltige Expansion im PMI ging (bisher) mit parabolischen Bitcoin-Anstiegen einher. Wie sieht es diesmal aus?
Auch der PMI hat eine 100-prozentige Trefferquote seit Bitcoins Entstehung: Jedes Mal, wenn er nachhaltig in die Expansion ging (Ausbruch über 50 Punkte), folgte ein parabolischer Bitcoin-Anstieg. Zum ersten Mal in diesem Zyklus stärken sich die bullischen Signale bei PMI und Kupfer/Gold gegenseitig. Absolute Gewissheit über die künftige Entwicklung des Kryptomarktes gibt es zwar nie, die zyklischen Muster der vergangenen Bullenmärkte könnten sich aber wiederholen. Die Kombination aus PMI und Kupfer/Gold spricht dafür.
Diese beiden Metriken ergeben zusammen nur den ersten unserer drei Krypto-Indikatoren, die aktuell bullische Signale senden. Denn hinter der Expansion bei PMI und Kupfer/Gold steht ein weiterer wichtiger Makro-Faktor, der in der Einleitung bereits erwähnt wurde: die Entwicklung der (Zentralbank-)Liquidität. Darum wird es im zweiten Teil dieser Miniserie gehen. Also dranbleiben, weiterlesen und Wecker stellen – der nächste Teil erscheint am Freitag. Und nicht vergessen: Unsere Analyse ist keine Anlageberatung.
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