Die wichtigsten Punkte
VW-Beschaffungsvorstand Dirk Große-Loheide verlässt den Konzern Ende Oktober im Rahmen einer Altersregelung, Karsten Schnake übernimmt ab November. Der Wechsel steht laut Volkswagen nicht im Zusammenhang mit der Chipkrise, die durch Lieferprobleme beim Hersteller Nexperia ausgelöst wurde. Parallel geht Ex-Konzernchef Herbert Diess endgültig in den Ruhestand. VW arbeitet unter Hochdruck an alternativen Chiplieferanten, um Produktionsausfälle zu verhindern.
Wechsel an der Spitze – VW stellt Beschaffung neu auf
Mitten in der angespannten Chipkrise kündigt Volkswagen den Wechsel seines Beschaffungsvorstands an. Dirk Große-Loheide, seit 2023 in dieser Funktion tätig, verlässt den Konzern zum Monatsende im Rahmen einer länger geplanten Altersregelung. Nachfolger wird Karsten Schnake, bisher Beschaffungsvorstand bei Škoda, der das Amt zum 1. November übernimmt. Laut VW stehe der Schritt in keinem Zusammenhang mit den aktuellen Lieferengpässen.
Der Zeitpunkt ist dennoch brisant: Der Konzern kämpft mit massiven Halbleiterproblemen, nachdem der Zulieferer Nexperia – ein Tochterunternehmen des chinesischen Wingtech-Konzerns – die Chiplieferungen unterbrechen musste. Große-Loheide, Jahrgang 1964, war seit 1990 bei VW und galt als erfahrener Stratege im Einkauf. Der Wechsel fällt in eine Phase, in der die Wolfsburger mit Hochdruck an der Sicherung ihrer Produktionsketten arbeiten. Schnake soll mit internationaler Erfahrung und enger Lieferantenbindung den Umbau im Einkauf fortsetzen und die Beschaffungsstrategie zukunftsfest machen.
Chipkrise im Hintergrund: VW sucht nach Alternativen
Die Personalnachricht überschneidet sich mit einer Krise, die die gesamte europäische Autoindustrie trifft. Durch den Lieferstopp von Nexperia-Chips drohten bei VW Produktionsstillstände, unter anderem im Werk Wolfsburg. Laut Markenproduktionsvorstand Christian Vollmer laufen derzeit Gespräche mit einem alternativen Zulieferer, um den Engpass abzufedern. Insidern zufolge soll die Produktion in der kommenden Woche normal weiterlaufen, dennoch bleibt die Lage angespannt.
Hintergrund ist ein geopolitischer Konflikt: Die niederländische Regierung hatte die Kontrolle über Nexperia übernommen, worauf China zeitweise den Export bestimmter Bauteile blockierte. Zwar dürfen chinesische Tochterwerke inzwischen wieder liefern – jedoch nur in Yuan statt US-Dollar –, doch das Risiko weiterer Verzögerungen bleibt bestehen. Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies warnte bereits, Europa müsse „sofort handeln“, um die Versorgungssicherheit zu sichern. Für VW ist die Stabilisierung der Lieferketten aktuell ebenso überlebenswichtig wie der interne Führungswechsel.
Abschied von zwei Führungspersönlichkeiten
Neben Große-Loheide verlässt auch Herbert Diess, der frühere Konzernchef, endgültig das Unternehmen. Drei Jahre nach seinem Abgang aus der Chefetage läuft sein Vertrag am 24. Oktober, seinem 67. Geburtstag, aus. Diess war zuletzt der bestbezahlte Manager des Konzerns – 2024 erhielt er inklusive variabler Vergütung rund 11.2 Millionen Euro, mehr als Nachfolger Oliver Blume mit 10.3 Millionen. Sein endgültiger Abschied beendet eine lange Übergangsphase, in der er trotz Ruhestandsbezug weiterhin Vorstandsgehälter erhielt.
Für VW bedeutet das nicht nur einen personellen, sondern auch einen finanziellen Neuanfang. Konzernchef Blume dankte Große-Loheide ausdrücklich für dessen „zukunftsweisende Einkaufsstrategie in herausfordernden Zeiten“. Markenchef Thomas Schäfer lobte Nachfolger Schnake für seine internationale Expertise und seinen Beitrag zur Transformation. Damit stellt sich VW an einem entscheidenden Wendepunkt – zwischen personellem Neustart und der Bewältigung einer globalen Versorgungskrise – strategisch neu auf.
FAQ
Was macht Nexperia?
Nexperia ist ein niederländischer Halbleiterhersteller, der auf die Produktion sogenannter Standardchips spezialisiert ist – darunter Dioden, Transistoren und Leistungsbauteile. Diese Bauteile sind essenziell für Automobile, Smartphones und industrielle Anwendungen. Das Unternehmen liefert weltweit an zahlreiche Elektronik- und Fahrzeughersteller. Produziert wird vor allem in Europa und Asien, wobei viele Chips in China weiterverarbeitet und verpackt werden.
Wer steckt hinter Nexperia?
Nexperia wurde 2017 aus der Halbleitersparte von NXP Semiconductors ausgegliedert und gehört seit 2019 vollständig zum chinesischen Technologiekonzern Wingtech Technology. Wegen dieser Eigentümerstruktur steht das Unternehmen seit Jahren unter genauer Beobachtung westlicher Regierungen. Ende September 2025 übernahm schließlich die niederländische Regierung die Kontrolle über Nexperia, um sicherheitskritische Technologien vor chinesischem Zugriff zu schützen und nationale Interessen im Halbleitersektor zu wahren.
Was hat Nexperia mit VW zu tun?
Volkswagen bezieht seit Jahren Halbleiter von Nexperia, die in zahlreichen Fahrzeugsteuerungen, Energiemanagementsystemen und E-Mobilitätskomponenten verbaut werden. Als Nexperia infolge der politischen Spannungen und Exportbeschränkungen zeitweise Lieferungen einstellte, geriet VWs Produktion in Gefahr. Der Konzern arbeitet seither an alternativen Lieferketten, um die Versorgung mit wichtigen Chips abzusichern und mögliche Produktionsstopps – etwa im Werk Wolfsburg – zu verhindern.





