China plant übereinstimmenden Berichten zufolge die Ausgabe spezieller Staatsanleihen zur Finanzierung von Konjunkturhilfen. Innerhalb von drei Jahren könnten zusätzliche Schulden in Höhe von sechs Billionen Yuan (etwa $850 Milliarden) aufgenommen werden, wie mehrere lokale Medien am Dienstag berichteten. Unter anderem verwies der chinesische Caixin Global Report, der sich auf Insider-Quellen stützt, auf diese Pläne.
Die Berichte folgen einer Ankündigung des chinesischen Finanzministers Lan Foan am Samstag, in der er erklärte, dass China seine Schulden „signifikant erhöhen“ werde, jedoch ohne konkrete Details zu nennen. Die Höhe des geplanten Konjunkturpakets war in den letzten Wochen Gegenstand intensiver Spekulationen an den Finanzmärkten. Angesichts schwächerer Wirtschaftsdaten in den vergangenen Monaten wurden Zweifel laut, ob China sein Wachstumsziel von fünf Prozent ohne zusätzliche fiskalpolitische Maßnahmen erreichen kann. Das neue Konjunkturpaket soll vor allem Menschen mit niedrigem Einkommen entlasten, den angeschlagenen Immobiliensektor stabilisieren und die staatlichen Banken stärken. Außerdem plant die Regierung, die Regionalregierungen bei der Bewältigung ihrer Schuldenprobleme zu unterstützen.
„Das entspricht unseren Erwartungen“, kommentierte Xing Zhaopeng, leitender China-Experte der australischen Bank ANZ, die neuen fiskalpolitischen Maßnahmen. „Für das kommende Jahr halten wir ein Wachstumsziel von etwa fünf Prozent weiterhin für realistisch. Bei einer Wachstumsrate von fünf Prozent sollte dieses Maßnahmenpaket ausreichen, um die wirtschaftlichen Ziele zu erreichen.“ Das Fünf-Prozent-Ziel ist das von China selbst festgelegte Ziel des Wirtschaftswachstums in diesem Jahr. Chinas Wirtschaft kommt nach der Corona-Krise nicht wie erhofft in Schwung. Bereits Ende September hatten chinesische Autoritäten daher ein großes Konjukturpaket und Maßnahmen, die den Immobiliensektor stabilisieren sollten, vorgestellt, was zunächst für Euphorie unter den Investoren sorgte. Mit Blick auf die jüngsten Wirtschaftsdaten machte sich allerdings wieder die Befürchtung breit, dass China sein diesjähriges Wachstumsziel möglicherweise nicht erreichen und Schwierigkeiten haben könnte, den Deflationsdruck abzuwehren.
Wirtschaftsdaten unter den Erwartungen
Am vergangenen Montag legte China seine Handels- und Kreditzahlen für September vor. Das Exportwachstum verlangsamte sich dabei erheblich, während auch die Importe unerwartet zurückgingen. Die Exporte der zweitgrößten Volkswirtschaft stiegen im September nur um 2.4 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, was laut Zolldaten das schwächste Wachstum seit April darstellt. Damit blieb der Anstieg deutlich hinter den Erwartungen zurück – Analysten hatten ein Plus von sechs Prozent prognostiziert, nachdem die Exporte im August noch um 8.7 Prozent gewachsen waren. Auch die Importe entwickelten sich schwächer als erwartet. Sie legten lediglich um 0.3 Prozent zu, während ein Zuwachs von 0.9 Prozent antizipiert worden war. Diese schwachen Handelszahlen deuten auf mögliche Herausforderungen für die chinesischen Exporte in den kommenden Monaten hin. Ein wesentlicher Grund dafür ist, dass ein erheblicher Anteil der chinesischen Importe – etwa ein Drittel – aus Komponenten besteht, die für den Reexport bestimmt sind, insbesondere im Elektroniksektor. Diese importierten Teile werden in China weiterverarbeitet oder zusammengebaut und dann wieder exportiert.
Der chinesische Aktienmarkt präsentierte sich in den vergangenen Wochen extrem volatil. Wir analysieren täglich den chinesischen Massenindex Hang Seng Index auf Basis der Elliott-Wellen-Theorie. Darüber hinaus bietet unser China Titans-Paket Analysen zu zwanzig ausgewählten Top-Unternehmen aus dem Reich der Mitte – unter anderem zählen hierzu Alibaba, Tencent, JD.com, BYD, Nio und Xpeng.



