Chinas Wirtschaft laut Premierminister "stark und resilient"
Chinas Premierminister Li Qiang hat sich diese Woche gleich bei zwei hochrangigen Veranstaltungen zur wirtschaftlichen Lage des Landes geäußert: beim World Economic Forum in Tianjin und beim Treffen der Asian Infrastructure Investment Bank (AIIB) in Peking. Dabei betonte er, dass Chinas Wirtschaft stark und widerstandsfähig sei. Im zweiten Quartal habe sie trotz globaler Herausforderungen Stabilität gezeigt, und Peking werde gezielt den Konsum stärken. Li erklärte außerdem, dass China eine treibende Kraft für die Weltwirtschaft bleibe und anderen Ländern wirtschaftliche Chancen eröffnen werde.
Chinas Regierung bemüht sich mit den Aussagen laut Beobachtern darum, Vertrauen zurückzugewinnen – auch international. Schon Anfang vergangenen Jahres hatte Premier Li Qiang für China geworben und gesagt: „China ist ein Land, dem vertraut werden kann“. Hintergrund ist ein zuletzt schleppendes Wachstum, vor allem im angeschlagenen Immobiliensektor. Die angekündigten „kraftvollen Maßnahmen zur Förderung des Konsums“ zeigen, dass Peking verstärkt auf Binnennachfrage setzt, um die Konjunktur zu stützen.
Peking will Tech-Wachstum durch neuen Plan boosten
Chinas Führung hat am Mittwoch ihren ersten offiziellen Fortschrittsbericht zum neuen wachstumsorientierten Wirtschaftsmodell vorgelegt. Ziel des Plans ist es, technologische Durchbrüche zu fördern und die Industrie zu modernisieren. Der Bericht wurde dem Ständigen Ausschuss des Nationalen Volkskongresses präsentiert und verspricht unter anderem mehr Investitionen in Künstliche Intelligenz sowie fairere Bedingungen für ausländische Unternehmen.
Das Konzept der „neuen produktiven Kräfte“ wurde Ende 2023 von Präsident Xi Jinping eingeführt und soll China unabhängiger und innovationsgetriebener machen. Gemeint ist damit ein wirtschaftlicher Wandel hin zu Hightech und Zukunftsindustrien – unter anderem durch eigene KI-Modelle (Large Language Models) und technologische Souveränität. Die National Development and Reform Commission betonte dabei, dass China vor „neuen Chancen“ stehe, die es aktiv nutzen wolle.
Shanghaier Goldbörse expandiert erstmals außerhalb Chinas
Die Shanghai Gold Exchange (SGE) hat laut einer Mitteilung der SGE selbst und der People’s Bank of China am Donnerstag offiziell bestätigt, dass sie erstmals außerhalb des chinesischen Festlands expandiert – mit zwei neuen Goldkontrakten und einem eigenen Tresor in Hongkong. Die Kontrakte werden in Yuan gehandelt und ermöglichen sowohl Barausgleich als auch physische Lieferung. Laut SGE soll dieser Schritt internationale Händler anziehen und Chinas Einfluss im globalen Goldhandel ausbauen.
In der offiziellen Mitteilung heißt es, die Expansion diene dazu, die Preisbildung am Goldmarkt zu stärken und den Yuan – fachlich Renminbi – internationaler im Handel einzusetzen. Die PBoC unterstützt demnach auch gebührenfreie Tresornutzung bis Jahresende, um Anreize für ausländische Investoren zu schaffen. Das ist laut SGE und PBoC Teil einer strategischen Initiative Pekings, um die Abhängigkeit vom US-Dollar zu reduzieren und den Yuan weiter global zu etablieren.
BYD und Nio senken Preise radikal
Die chinesischen Elektroautobauer BYD und Nio haben überraschend die Preise für mehrere Modelle deutlich gesenkt. Laut einem Medienbericht vom Mittwoch kostet ein BYD-Modell nun bis zu 5000 Euro weniger. Auch Nio zieht nach und bietet kräftige Rabatte. Ziel der E-Autobauer sei es laut demselben Bericht, sich in einem zunehmend gesättigten Markt Vorteile zu verschaffen und die stagnierenden Verkaufszahlen anzukurbeln. Eine Reaktion auf die wachsende Konkurrenz und sinkende Nachfrage in China.
Die Maßnahme unterstreicht, wie hart der Wettbewerb auf Chinas Automarkt inzwischen geworden ist. BYD, lange als Vorreiter gefeiert, treibt mit den Preiskämpfen kleinere Anbieter in die Enge – laut Experten könnte das sogar zu einer Marktbereinigung führen. Auch die schwächelnde Konjunktur in China verschärft den Druck. Analysten sprechen bereits von einem Preiskrieg, der das gesamte Ökosystem der chinesischen Autoindustrie ins Wanken bringen könnte.
Blood Message: NetEase bringt erstes AAA-Game
Der chinesische Spieleentwickler NetEase hat mit Blood Message sein erstes großes Einzelspieler-Actionspiel angekündigt. Es spielt in der Tang-Dynastie und erzählt die Geschichte eines Boten und seines Sohnes auf einer gefährlichen 1600-Kilometer-Reise durch das alte China. Laut Berichten aus der Gaming-Branche soll das Spiel bereits 2026 erscheinen und rund 70 US-Dollar kosten – ein Preisniveau, das sonst nur für hochwertige Titel internationaler Studios üblich ist.
Der Schritt ist deshalb besonders bemerkenswert, weil NetEase bislang vor allem für Online-Spiele wie Identity V oder Mobile-Hits wie Fantasy Westward Journey bekannt war – also für Games mit Mikrotransaktionen und Multiplayer-Fokus. Mit Blood Message wagt sich das Unternehmen erstmals an ein sogenanntes AAA-Spiel: ein aufwendig produziertes Einzelspieler-Erlebnis mit hohem Budget, filmischer Inszenierung und internationalem Anspruch. Damit positioniert sich NetEase erstmals gezielt als Konkurrent westlicher Studios wie Sony, Take2 oder Ubisoft.
Gas-Nachfrage steigt trotz Boom erneuerbarer Energien
Trotz eines Rekordzuwachses bei Wind- und Solarenergie ist der weltweite Erdgasverbrauch 2024 um 2.5 Prozent gestiegen. Das geht aus dem neuen Statistical Review of World Energy hervor, der am 26. Juni 2025 vom britischen Energy Institute veröffentlicht wurde. Besonders in Asien sowie in Süd- und Mittelamerika legte der Gasverbrauch deutlich zu – und auch Europa verzeichnete erstmals seit 2021 wieder ein Plus. Damit setzt sich Erdgas weiter im globalen Energiemix fest.
Der Bericht macht deutlich: Auch wenn erneuerbare Energien wie Wind und Sonne schneller wachsen als je zuvor, reicht das Tempo nicht aus, um den weltweit steigenden Energiehunger zu decken. Erdgas bleibt gefragt – auch weil Länder wie China immer mehr Energie brauchen und inzwischen 56 Prozent ihres Gasbedarfs selbst decken. Laut KPMG-Expertin Wafa Jafri erleben wir keine geordnete Energiewende, sondern eine „unübersichtliche“ – mit sehr unterschiedlichen Entwicklungen je nach Region.
Das war's schon mit dem China-Rohstoffe-Newsflash. Der nächste erscheint, wie gewohnt, am kommenden Donnerstag.







