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China, Chips und Zölle: Nvidia-Panik wegen Handelskrieg

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Simeon Koch

Paukenschläge hört man kaum noch, wenn schon der Lärm drumherum ohrenbetäubend ist. So in etwa fühlte sich der Aktienmarkt in den letzten Wochen an: Immer wieder bombardierte Donald Trump die Börsen mit zunehmend absurden Zollvorschriften, die noch vor Monaten zu spontanen Kapitulationen geführt hätten. Nach zwei Wochen steiler Korrektur ist der Markt aber kaum noch zu beeindrucken. Da braucht es schon einen direkten Angriff auf eines der größten Börsenunternehmen der Welt, um die Panik wieder hochkochen zu lassen. Und genau das passierte vor wenigen Stunden.

In der Nacht auf Freitag meldete der Halbleiter-Gigant Nvidia, mit rund 2.7 Billionen Dollar Marktkapitalisierung die drittgrößte Aktie der Welt, dass die US-Regierung Exporte des hauseigenen H20-Chips nach China „auf unbestimmte Zeit“ beschränke. Schon die Biden-Regierung hatte Nvidia verboten, seine besten Prozessoren ins Reich der Mitte zu liefern. Nvidia entwickelte den H20-Chip damals als abgespeckte Version mit geringerer Leistung, um China weiter beliefern zu dürfen. Nun will Trump auch die Ausfuhren dieses Modells beschneiden. In einer ersten Schätzung rechnet Nvidia für das erste Quartal mit Kosten von 5.5 Milliarden Dollar. Der erzwungene Rückzug vom wichtigen Absatzmarkt China könnte den Chip-Marktführer aber noch deutlich teurer zu stehen kommen.


Nvidia vor Milliardenverlust


Die Stimmung könnte so gut sein im Hause Nvidia. Vor wenigen Stunden gab der Chip-Gigant bekannt, 500 Milliarden Dollar in US-amerikanische Halbleiter-Infrastruktur investieren zu wollen – sehr zum Gefallen von Donald Trump, der mit seiner aggressiven Zollpolitik genau dieses Ziel verfolgt: Unternehmen und Arbeitsplätze zurück in die Vereinigten Staaten zu holen. Nvidia-Chef Jensen Huang erklärte sogar, KI-Chips würden künftig „erstmals in den Vereinigten Staaten hergestellt“. Kurz nach Nvidias Bekanntgabe postete Trump auf seiner Plattform Truth Social: „Nividia wird KI, Supercomputer und mehr in den USA bauen“ und versicherte: „Alle notwendigen Genehmigungen werden beschleunigt und schnell an Nvidia weitergeleitet“.


Nach Umsatz und Gewinn schrieb Nvidia in den letzten Quartalen regelmäßig Rekorde. Jetzt drohen Milliardenverluste durch Exportbeschränkungen.
Regulatorische Begünstigungen also für Nvidia aus dem Weißen Haus? Denkste. Denn wenige Stunden später grätschte Trump mit dem nächsten Zoll-Paukenschlag in den vorsichtig aufkeimenden Optimismus. In der Nacht auf Mittwoch erhöhte das Weiße Haus nicht nur die Zölle auf chinesische Importwaren auf mittlerweile astronomische 245 Prozent, sondern kündigte auch an, Exporte von Nvidias H20-Chips nach China zu beschränken. Den H20 hatte Nvidia vergangenes Jahr extra für den chinesischen Markt entwickelt, als die Biden-Regierung die Ausfuhr der Flaggschiff-Prozessoren untersagt hatte. Grund dafür waren Sorgen über den Einsatz US-amerikanischer Chip-Technologie in chinesischen Waffensystemen.

Nvidia aber wollte den wichtigen chinesischen Absatzmarkt, der vergangenes Jahr satte 17 Milliarden Dollar in die Unternehmenskasse spülte, nicht so einfach aufgeben und baute mit H20 einen leistungsschwächeren Chip, dessen Export nach China mit den US-Sanktionen konform war. Der Export des H20 wird nun zwar nicht vollständig verboten, durch strenge Exportkontrollen aber faktisch ausgesetzt, bis neue Lizenzen verhandelt sind. In einem ersten Statement teilte Nvidia mit, allein für das erste Quartal eine Belastung von 5.5 Milliarden Dollar wegen verzögerter oder verhinderter Auslieferungen zu erwarten. Der Aktienkurs gab nachbörslich um rund sechs Prozent nach.


ASML und AMD zittern

Verwunderlich ist das nicht – schließlich war China im letzten Jahr für 13 Prozent von Nvidias globalen Verkäufen verantwortlich. Und das trotz der bereits bestehenden Handelsbeschränkungen. Ähnlich hart wie Nvidia traf es im nachbörslichen Handel auch den kalifornischen Chiphersteller AMD, für dessen MI308-Prozessor die US-Regierung ähnliche Beschränkungen verhängte. Aus dem Weißen Haus hieß es dazu: „Das Handelsministerium ist entschlossen, auf die Direktive des Präsidenten zu reagieren, um unsere nationale und wirtschaftliche Sicherheit zu schützen“. China ist AMDs zweitwichtigster Absatzmarkt, die Verkäufe leiden aber schon länger unter den Exportbeschränkungen.



Nvidias mit Abstand wichtigste Geschäftszweig ist die Ausstattung von KI-Rechenzentren. Aus China kommen rund 30 Prozent des Jahresumsatzes.

Im vergangenen Geschäftsjahr nahm AMD mit Verkäufen nach China rund 3.4 Milliarden Dollar ein – gut 30 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Ähnlich wie Nvidia beugt sich AMD auch deshalb Trumps harter Zollpolitik und hat gestern angekündigt, seine wichtigsten Prozessorchips künftig im neuen Werk der Taiwan Semiconductor Manufacturing Company (TSMC) zu fertigen. Ähnlich wie bei Nvidia ist es auch für AMD das erste Mal, dass die eigenen Produkte innerhalb der USA hergestellt werden. Insgesamt will TSMC sechs Chipfabriken in Arizona bauen – ein Plan, der Trumps umstrittener KI-Offensive Stargate mehr als zupasskommt.

Nvidias und AMDs Export-Einnahmen im Handel mit China machen diese guten Nachrichten aus Arizona aber keineswegs vergessen. Und auch in Europa ist die Unsicherheit der Halbleiter-Industrie zu spüren. Der niederländische Chiphersteller ASML etwa hat mit rund 7.7 Milliarden Euro Umsatz und einem Nettogewinn von knapp 2.4 Milliarden Euro zwar das zweitbeste Quartal der Unternehmensgeschichte hinter sich, enttäuschte aber mit schwächelnden Auftragseingängen. Von Januar bis März gingen bei ASML Bestellungen in Höhe von insgesamt rund 3.9 Milliarden Euro ein – deutlich weniger als die von Analysten erwarteten 4.8 Milliarden Euro. Bereits im Vorfeld hatte ASML vor unvorhersehbaren Folgen der US-Zollpolitik gewarnt.



Nvidia-Aktie jetzt kaufen?


Seit Wochen rüttelt Donald Trumps Zollpolitik an den Weltmärkten. Bei der scharfen Korrektur des Tech-Sektors Anfang des Monats ließ Nvidia gehörig Federn, hat sich nach dem Tief vom 7. April aber tapfer aufgerappelt. Mit dem kurzen Eintreten in unsere mittlerweile ausgegraute Zielzone sollte die beige Welle Y der übergeordneten blauen Korrekturwelle (IV) abgeschlossen worden sein. Folgt der Kurs weiterhin unserem Primärszenario, so dürfte die blaue Impulswelle (V) bald Fahrt aufnehmen und den Widerstand bei $153.13 durchstoßen. Die besten Einstiegsmöglichkeiten haben sich folglich innerhalb der deaktivierten Zielzone geboten, die wir schon vor einiger Zeit an für unsere Abonnenten auf den Chart gebracht haben.


Nvidia hat unsere mittlerweile ausgegraute Zielzone schon wieder nach oben hin verlassen. Das Zeitfenster für Einstiege schließt sich.
Neuerliche Kaufchancen würden sich eröffnen, sofern der Kurs noch einmal unter die Unterstützung bei $81.98 fiele und damit das primär für diese Korrektur bestimmte Zielniveau unterschritte. In dieser zu 30% wahrscheinlichen Alternative würde die übergeordnete grüne Korrekturwelle alt.[2] ein neues Tief erreichen, bevor es wieder nachhaltig aufwärts gehen kann. Deutlichen Rückstand in der aktuellen Abwärtsbewegung hat im Vergleich zu Nvidia die Aktie von AMD. Hier dürfte sich der Abverkauf der blauen Korrekturwelle (II) nach den deutlichen Kursverlusten infolge des beigen Welle-b-Tops noch ein gutes Stück nach unten ausdehnen.


Einstiegschancen bei AMD? Abonnenten erhalten eine Zielzone für die nächste bullische Trendwende nach dem Tief der blauen Korrekturwelle (II).
Um bei der AMD-Aktie die optimalen Einstiegspreise zu erwischen, haben wir für unsere Abonnenten erneut eine konkrete Zielzone auf dem AMD-Chart hinterlegt. Gelingt dem Kurs – wie primär angenommen – innerhalb dieser Zielzone der nächste nachhaltig bullische Richtungswechsel, so kann AMD das Tief der blauen Korrekturwelle (II) hinter sich lassen und in den nächsten Anstieg der farbgleichen Impulswelle (III) übergehen. Diese Aufwärtsbewegung sollte mittelfristig den Widerstand bei $227.30 durchstoßen und neue Rekordstände erreichen. Während sich das Zeitfenster für lukrative Einstiege bei Nvidia also schließt, könnten sich bei AMD laut unserer Analyse bald Chancen bieten. Unsere Analyse kann dabei als Orientierung genutzt werden, ist allerdings nicht als Anlageberatung zu verstehen. Weitere Prognosen für die Aktien von Nvidia, AMD und einer ganzen Reihe weiterer Tech-Giganten finden Sie in unserem Tech33-Aktienpaket.

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Simeon Koch

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