Das Wichtigste in Kürze:
- Große Adressen kauften 270.000 BTC.
- US-Spot-ETFs verzeichnen wieder Zuflüsse.
- Steigende Kurse könnten Short-Squeezes auslösen.
Der Kryptomarkt ist so still wie seit Oktober 2024 nicht mehr. Der Marktstimmung zeigende Fear and Greed Index steht bei 26, die Handelsvolumina liegen auf einem Zweijahrestief. Bitcoin notiert rund 49 Prozent unter dem Rekordhoch vom Oktober 2025. Genau in dieser Stille schlagen die Großen zu: Wallets mit zehn bis 10 000 BTC sammelten binnen einer Woche netto rund 11 000 Coins ein. Gleichzeitig drehten die US-Spot-ETFs nach acht Verlustwochen wieder ins Plus, und in Washington entscheidet sich der CLARITY Act. Drei Kräfte prägen diesen Sommer. Eine davon hat einen Haken.
Wale sammeln, während die Börsenbestände auf ein Siebenjahrestief fallen
Die Zahlen der Analyseplattform CryptoQuant sind eindeutig. In zwei Wochen kauften Wale rund 270 000 BTC im Wert von etwa 16.7 Milliarden US-Dollar, die meisten nahe 59 000 US-Dollar. Parallel sanken die Bitcoin-Bestände diverser Handelsplätze auf rund 2.21 Millionen Coins, der tiefste Stand seit sieben Jahren. Das sind nur noch 6.6 Prozent des zirkulierenden Angebots. Auch Konzerne greifen zu: Das japanische Unternehmen Metaplanet hält nach einem Zukauf von 2823 Coins nun 43 000 BTC.
Wale kaufen, Privatanleger zögern
Doch die Profis sind keine geschlossene Front. Strategy verkaufte Anfang Juli 3588 BTC für rund 216 Millionen US-Dollar, um Dividenden zu bedienen. Michael Saylor hatte noch im Oktober 2025 gesagt, dass man seine Bitcoin nicht verkaufe. Ältere Wal-Adressen trennten sich zuletzt an einem einzigen Tag von 67 000 Coins. Das Angebot rotiert also von alten zu neuen Großanlegern, nicht schlicht von Privat zu Institution.
ETF-Gelder kehren zurück, Washington liefert den nächsten Auslöser
Die Wende bei den ETF-Flüssen kam leise. In der Handelswoche bis zum 10. Juli sammelten die US-Spot-Bitcoin-ETFs netto rund 197 Millionen US-Dollar ein und beendeten acht Wochen mit Abflüssen. Allein BlackRocks IBIT zog am 6. Juli 209 Millionen US-Dollar an. Das wirkt klein gegen die 4.5 Milliarden US-Dollar, die im Juni abflossen. Studien schätzen jedoch, dass Fondsflüsse rund 45 Prozent der wöchentlichen Kursbewegung erklären.
Erste ETF-Zuflüsse seit acht Wochen
Der zweite Hebel liegt im Senat. Präsident Donald Trump traf am Donnerstag Senatoren im Weißen Haus, um die Ethik-Klausel des CLARITY Act zu klären. Das Gesetz würde die Zuständigkeiten von SEC und CFTC trennen und Bitcoin klar als digitalen Rohstoff einordnen. Mehrheitsführer John Thune will noch im Juli abstimmen lassen. Der Prognosemarkt Polymarket taxiert die Chance auf eine Verabschiedung 2026 auf 72 bis 75 Prozent.
Leerverkäufer zahlen die Zeche, die Fed bleibt das größte Risiko
Am Terminmarkt liegt der eigentliche Zündstoff. Von 37.3 Millionen US-Dollar an Liquidationen binnen 24 Stunden entfielen 84.8 Prozent auf Short-Positionen, also Wetten gegen den Kurs. Am 7. Juli traf es Leerverkäufer den sechsten Tag in Folge, mehr als 500 Millionen US-Dollar wurden zwangsgeschlossen. Die Finanzierungsraten bleiben mit 0.0043 Prozent je vier Stunden neutral. Die Erholung ist bislang mehr erzwungene Eindeckung als frische Überzeugung.
Der Gegenwind bleibt handfest. Die Fed hält den Leitzins bei 3.50 bis 3.75 Prozent und entscheidet am 28. und 29. Juli erneut. Immerhin fiel die Jahresteuerung im Juni von 4.2 auf 3.5 Prozent. Charttechnisch droht eine Schulter-Kopf-Schulter-Formation: Ein Schlusskurs unter 55 298 US-Dollar öffnet den Weg Richtung 42 000 US-Dollar. Nach oben liegt die Hürde bei rund 65 500 US-Dollar.
Die Kluft schließt sich, aber nicht geräuschlos
Die Spannweite der Prognosen zeigt, wie offen die Lage ist. Die Investmentbank Citigroup senkte ihr Zwölf-Monats-Ziel Anfang Juli von 112 000 auf 82 000 US-Dollar. Bernstein hält dagegen an 150 000 US-Dollar zum Jahresende fest. Es sei jedoch gesagt: Knappes Börsenangebot, zurückkehrende ETF-Gelder und gedrängte Shorts können für steigenden Kaufdruck sprechen, sobald ein Auslöser kommt.
Entscheidend ist eine Frage, die kaum jemand stellt. Nicht ob Wale kaufen, sondern ob die neuen Wal-Adressen das Angebot der alten aufsaugen. Gelingt das, während die ETF-Zuflüsse mehrere Wochen positiv bleiben, rücken die 72 200 US-Dollar der Kurzfrist-Halter in Reichweite. Scheitert es, war die Juli-Erholung nur ein Short-Squeeze mit gutem Timing.
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