Das Wichtigste in Kürze
- Stripe und Advent bieten 60.50 US-Dollar je Aktie für PayPal, insgesamt mehr als 53 Milliarden US-Dollar.
- Banken decken rund 50 Milliarden, beide Bieter wollen PayPal je zur Hälfte halten.
- PayPal schweigt bislang, die Aktie sprang vorbörslich um rund 16 Prozent.
Vor fünf Jahren war PayPal an der Börse rund 360 Milliarden US-Dollar wert. Heute genügen 53 Milliarden, um den Zahlungspionier komplett zu übernehmen. Genau das versuchen Stripe und der Finanzinvestor Advent International. Ihr Vorstoß trifft ein Unternehmen mitten im Umbau, mit neuem Chef und frischem Sparprogramm. Warum ausgerechnet Stripe zugreift, welche Rolle Stablecoins spielen und welche Hürden bleiben, entscheidet über den größten Payment-Deal des Jahres.
Ein Aufschlag von 28 Prozent und 50 Milliarden US-Dollar von den Banken
Das Angebot ging Anfang Juli bei PayPal ein, wie Reuters unter Berufung auf zwei Insider berichtet. Die 60.50 US-Dollar je Aktie entsprechen einem Aufschlag von rund 28 Prozent auf den Schlusskurs vom Dienstag von 47.37 US-Dollar. Insgesamt bewertet die Offerte PayPal mit mehr als 53 Milliarden US-Dollar. Rund 50 Milliarden davon sind über zugesagte Bankkredite gedeckt. Eine erste Kontaktaufnahme gab es bereits Anfang April.
Die Offerte: 60.50 US-Dollar je PayPal-Aktie, 28% Aufschlag
Stripe und Advent wollen PayPal gemeinsam und zu gleichen Teilen halten, eine Zerschlagung ist ausdrücklich nicht geplant. Eine Antwort aus San Jose haben die Bieter bislang nicht erhalten. Advent lehnte eine Stellungnahme ab, PayPal und Stripe äußerten sich zunächst nicht. Beide Bieter wollen die Gespräche in den kommenden Wochen vorantreiben.
Warum Stripe den alten Rivalen ausgerechnet jetzt kaufen will
Die Kräfteverhältnisse haben sich gedreht. Stripe ist nicht börsennotiert, wurde im Februar bei einem Tender Offer aber mit 159 Milliarden US-Dollar bewertet. Ein Tender Offer ist ein öffentliches Angebot an alle Aktionäre, ihre Aktien zu einem bestimmten Preis (meist über dem Marktwert) und innerhalb einer festen Frist direkt an einen Käufer zu verkaufen. Das ist rund dreimal so viel, wie die Brüder Patrick und John Collison (die Gründer des Zahlungsdienstleisters Stripe) nun für PayPal bieten. Das Zahlungsvolumen stieg 2025 um 34 Prozent auf 1.9 Billionen US-Dollar, was etwa 1.6 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung entspricht.
PayPal liefert, was Stripe fehlt: eine Verbrauchermarke. Zum Konzern gehören 439 Millionen aktive Konten, die Bezahl-App Venmo und der Abwickler Braintree. Dazu kommt das Stablecoin-Geschäft. Stripe besitzt mit Bridge die Infrastruktur zur Ausgabe dollarbasierter Token und entwickelt die Payment-Blockchain Tempo mit. PayPal bringt mit PYUSD einen Stablecoin mit knapp 2.9 Milliarden US-Dollar Marktkapitalisierung und echte Endkunden ein.
Stripe ist heute dreimal so viel wert wie das Angebot für Paypal
An die Börse will Stripe trotzdem nicht. Ein Börsengang sei derzeit „eine Lösung auf der Suche nach einem Problem", sagte John Collison im Februar. Stattdessen kauft das Unternehmen zu: Bridge kostete 1.1 Milliarden US-Dollar, dazu kamen der Wallet-Anbieter Privy und der Billing-Spezialist Metronome. Mit Partnerschaften rund um OpenAI und Microsoft setzt Stripe früh auf KI-gesteuerten Handel.
PayPal im Umbau: neuer Chef, Sparprogramm und ein Kurssprung
Der Vorstoß trifft PayPal in einer Phase der Schwäche. Anfang Februar setzte der Verwaltungsrat CEO Alex Chriss ab, das Tempo der Umsetzung habe nicht den Erwartungen entsprochen. Seit dem 1. März führt Enrique Lores das Unternehmen, zuvor Chef von HP. Er hat den Konzern in drei Einheiten zerlegt und ein Sparprogramm über 1.5 Milliarden US-Dollar angekündigt.
Im ersten Quartal stieg der Umsatz um sieben Prozent auf 8.4 Milliarden US-Dollar, die Zahl der aktiven Konten wuchs erstmals seit zwei Jahren wieder. Venmo legte beim Volumen um 14 Prozent zu. Schwach bleibt das Geschäft an der Kasse, wo Apple Pay und Google Pay Anteile gewinnen. „Ich sehe die Chance, die Ausführung zu verbessern und PayPals Wachstum zu beschleunigen", sagte Lores.
Die Börse reagierte sofort. Vorbörslich sprang die PayPal-Aktie um rund 16 Prozent auf knapp 55 US-Dollar, in Europa lag das Plus zeitweise bei mehr als 15 Prozent. Seit Jahresbeginn steht der Titel dennoch im Minus. Vor fünf Jahren kostete ein Anteilsschein rund 300 US-Dollar, zuletzt waren es etwa 41 US-Dollar.
Konsolidierungswelle im Payment-Sektor: Was jetzt auf dem Spiel steht
Der Vorstoß passt ins Bild. Global Payments übernahm in diesem Jahr Worldpay für 24.25 Milliarden US-Dollar, Nuvei kaufte Payoneer für 2.75 Milliarden. Hinter Nuvei steht ausgerechnet Advent. Ein PayPal-Deal wäre der größte dieser Welle. Offen bleibt, ob die Kartellbehörden zwei der größten Zahlungsnetzwerke des Westens unter einem Dach dulden. Und ob ein Verwaltungsrat, der seinen Turnaround gerade erst begonnen hat, 60.50 US-Dollar akzeptiert. Bloomberg berichtete schon im Februar über Stripes Interesse. Damals blieb es still. Diesmal liegt eine Zahl auf dem Tisch.
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