Das Wichtigste in Kürze:
- SpaceX hat den größten Börsengang der Geschichte vollzogen.
- Analysten warnen vor Kapitalabflüssen aus Bitcoin und anderen Kryptowährungen.
- KI-Boom, ETF-Abflüsse und hohe Zinsen erhöhen den Druck zusätzlich.
Der mit Spannung erwartete Börsengang von SpaceX hielt nicht nur die Wall Street in Atem, sondern dürfte auch erhebliche Auswirkungen auf den Kryptomarkt haben. Das Raumfahrt- und Satellitenunternehmen von Elon Musk ist am vergangenen Freitag an die Börse gegangen und kratzt an einer Bewertung von zwei Billionen Dollar. Mit einem Emissionsvolumen von 75 Milliarden US-Dollar wurde die Transaktion zum größten Initial Public Offering (IPO) aller Zeiten.
Während Anleger dem Handelsstart entgegenfieberten, ging der Kryptosektor auf Tauchgang. Bitocin fiel zurück in Richtung 60 000 Dollar, Ethereum fiel im Verhältnis zu BTC auf den tiefsten Stand seit Monaten. Und das kommt laut Marktbeobachtern nicht von ungefähr: Vielerorts wird bereits vor möglichen Auswirkungen auf Bitcoin und andere Kryptowährungen gewarnt. Denn viele Investoren dürften Kapital umschichten, um sich Anteile an einem der begehrtesten Börsendebüts der vergangenen Jahrzehnte zu sichern.
Warum SpaceX für Privatanleger so attraktiv ist
Besonders ungewöhnlich war die Zuteilung von bis zu 30 Prozent der angebotenen Aktien an Privatanleger. Damit wurde ein Volumen von rund 22.5 Milliarden Dollar direkt für Kleinanleger reserviert, während bei den meisten Groß-IPOs institutionelle Investoren den Vortritt erhalten. Kleinanleger profitieren so direkt von der Erstzuteilung, statt erst nach Handelsstart zu potenziell höheren Kursen einsteigen zu müssen.
Aus Sicht des Kryptomarktes sehen Analysten darin jedoch ein Problem: Da der Kryptosektor stark von privaten Investoren dominiert wird, trifft diese hohe Zuteilungsquote auf eine sensible Schnittstelle. Um sich am SpaceX-Börsengang zu beteiligen, könnten viele Anleger Kapital aus Bitcoin oder Ethereum abziehen. Erschwerend kommt hinzu, dass Krypto-Bestände technisch extrem schnell verfügbar und mit wenigen Klicks liquidierbar sind, was spontane Umschichtungen begünstigt. Dem Kryptomarkt droht dadurch ein erheblicher Liquiditätsentzug in einer ohnehin schwierigen Kursphase.
Dass SpaceX als Traum-IPO gilt, verschärft die Konkurrenz. Durch die enorme Strahlkraft von Elon Musk und der Verknüpfung von Raumfahrt, Satellitenkommunikation und KI gilt das Unternehmen als ultimative Zukunftswette. Diese Kombination aus disruptiver Technologie, hohen Wachstumsfantasien und einer starken Kult-Gründerpersönlichkeit bedient exakt dieselben psychologischen Mechanismen, die zuvor den Krypto-Hype angetrieben haben. Es entsteht somit eine direkte und hochattraktive Konkurrenz um das Kapital der Kleinanleger.
Konkurrenz für Bitcoin und Co.
Weil Anleger ihr Risikokapital nur einmal einsetzen können, verschärft sich der Verteilungskampf. Spencer Hallarn, Leiter des außerbörslichen Handels beim Krypto-Handelshaus GSR, beschrieb Kryptowährungen in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters sogar als eine Art Finanzierungsquelle für solche Börsengänge: Die benötigten Milliarden müssten irgendwoher kommen, weshalb Geld aus dem Kryptomarkt abgezogen werde.
Auch Thomas Puech, CEO des in Miami ansässigen Krypto-Handelsunternehmens INDIGO, sieht eine direkte Konkurrenz, da Krypto und spekulative KI-Aktien um denselben Pool an Risikokapital kämpfen. Dass der Kapitalabfluss vor allem Krypto trifft, liegt an dessen technologischer Natur: Durch den globalen 24/7-Handel ist Krypto-Kapital jederzeit sekundenschnell liquidierbar und fungiert somit als perfekte Cash-Reserve für spontane Umschichtungen.
Wie fließend dieser Übergang ist, zeigt sich bereits auf dezentralen Handelsplattformen wie Hyperliquid: Hier existieren schon seit Wochen Proxy-Token und synthetische Abbilder der SpaceX-Aktie. Krypto-Anleger können ihr Kapital also direkt auf der Blockchain in die neuen Musk-Vehikel umschichten, ohne den Markt überhaupt zu verlassen. Das verschärft den Verkaufsdruck auf etablierte Kryptowährungen wie Bitcoin zusätzlich.
KI-Euphorie trifft auf schwächelnde Kryptomärkte
Zusätzlichen Druck erzeugt die enge Verbindung zwischen SpaceX und dem KI-Sektor. Das Unternehmen fusionierte Anfang des Jahres mit Musks KI-Unternehmen xAI und positioniert sich zunehmend als Anbieter von KI-Infrastruktur und KI-Anwendungen.
Die Unternehmensunterlagen zeigen gleichzeitig, dass SpaceX derzeit noch nicht profitabel arbeitet. Die hohe Bewertung basiert daher maßgeblich auf Erwartungen an zukünftiges Wachstum. Anleger setzen darauf, dass das Unternehmen seine ehrgeizigen Pläne von KI-Lösungen für Unternehmen bis hin zu langfristigen Visionen wie Datenzentren im Weltraum und Missionen zum Mars umsetzen kann.
Mit xAI baut SpaceX seine Position im wachstumsstarken KI-Sektor weiter aus.
Kein Wunder, dass sich beide Märkte ein fast identisches, risikoaffines Publikum teilen. Wie tief die Verstrickung ist, zeigen die IPO-Unterlagen: SpaceX hält selbst knapp 19 000 Bitcoin auf der Bilanz und rangiert damit unter den weltweit größten Unternehmenshaltern auf Platz acht. Für Krypto-Kleinanleger wird die SpaceX-Aktie damit zum perfekten Hybrid-Investment: sie bietet Zukunftstechnologie und massives Krypto-Exposure zugleich. Genau das stärkt die Anziehungskraft auf das gemeinsame Publikum und beschleunigt das Risiko, dass Kapital direkt aus Krypto-Wallets in die SpaceX-Aktie umschichtet.
Bitcoin erlebt schwierige Monate
Der Zeitpunkt des Börsengangs könnte für Kryptowährungen kaum ungünstiger sein. Bitcoin notiert aktuell nur noch knapp über der Marke von 60 000 Dollar und ist vor wenigen Tagen sogar erstmals seit Oktober 2024 daruntergefallen. Gegenüber seinem Rekordhoch von 126 223 Dollar aus dem vergangenen Oktober entspricht das einem Rückgang von knapp 50 Prozent. Allein in der vergangenen Woche verlor die größte Kryptowährung der Welt rund 15 Prozent und verzeichnete damit den stärksten Wochenverlust seit dem Zusammenbruch der Kryptobörse FTX im Jahr 2022.
Zusätzlich sorgte eine Meldung von Michael Saylors Unternehmen Strategy für Verunsicherung. Das Unternehmen gilt als größter börsennotierter Bitcoin-Halter der Welt und hatte jahrelang konsequent auf steigende Bitcoin-Kurse gesetzt. Nun bestätigte Strategy erstmals seit 2022 den Verkauf eines Teils seiner Bitcoin-Bestände (wir haben berichtet). Für viele Anleger war dies ein weiteres Warnsignal, dass selbst überzeugte Bitcoin-Befürworter aktuell vorsichtiger agieren.
ETF-Abflüsse verstärken den Verkaufsdruck
Auch bei den Bitcoin-ETFs zeigt sich eine gedrückte Stimmung am Markt. Laut Daten von CF Benchmarks flossen allein im Mai mehr als 2 Milliarden US-Dollar aus Krypto-ETFs ab. Dabei galten diese Produkte nach ihrer Einführung im Jahr 2024 zunächst als wichtiger Kurstreiber, weil sie institutionellen Anlegern einen einfacheren Zugang zum Kryptomarkt ermöglichten.
Die aktuellen Mittelabflüsse deuten jedoch darauf hin, dass Investoren zunehmend Kapital aus dem Kryptosektor abziehen. Zwar lässt sich nicht eindeutig nachweisen, dass dieses Geld direkt in SpaceX-Aktien fließt, doch viele Marktbeobachter sehen einen Zusammenhang zwischen der wachsenden Begeisterung für KI-Aktien und der nachlassenden Nachfrage nach Kryptowährungen. Wie stark die ETF-Abflüsse den Bitcoin-Kurs aktuell zusätzlich belasten, lesen Sie in unserem Artikel: Bitcoin-Abverkauf: Warum ETF-Abflüsse jetzt so stark drücken.
Weitere IPOs könnten den Trend verstärken
Für Kryptoinvestoren könnte die Situation in den kommenden Monaten noch schwieriger werde, denn SpaceX dürfte nicht der einzige milliardenschwere Börsengang bleiben. Marktteilnehmer rechnen bereits damit, dass auch Unternehmen wie OpenAI oder Anthropic noch in diesem Jahr den Gang an die Börse wagen könnten.
Sollten diese IPOs tatsächlich folgen, würde sich der Wettbewerb um das verfügbare Risikokapital weiter verschärfen. Viele Anleger könnten sich gezwungen sehen, Positionen in Kryptowährungen oder anderen spekulativen Anlagen zu reduzieren, um an den neuen Börsendebüts teilnehmen zu können.
Steigende Zinsen als zusätzlicher Belastungsfaktor
Neben den IPOs belastet auch die Geldpolitik den Kryptomarkt. Starke US-Konjunkturdaten nähren die Sorge, dass die US-Notenbank Fed ihre Zinsen länger hoch halten könnte als bislang erwartet. Allein im Mai entstanden 172 000 neue Arbeitsplätze und damit erneut mehr als von Ökonomen prognostiziert. Im Fokus stehen nun die heute veröffentlichten US-Inflationsdaten für Mai sowie der Fed-Zinsentscheid am 17. Juni. Sollten Inflation und Wirtschaft weiterhin robust bleiben, könnten die Hoffnungen auf Zinssenkungen weiter schwinden.
Die Zinspolitik der Fed bleibt ein wichtiger Einflussfaktor für den Kryptomarkt.
Für Kryptowährungen wäre das eine zusätzliche Belastung. Höhere Zinsen erhöhen die Attraktivität sicherer Anlagen wie Staatsanleihen und erschweren es risikoreicheren Anlageklassen, frisches Kapital anzuziehen. Bitcoin und Co. stehen damit gleich doppelt unter Druck: Sie konkurrieren sowohl mit spektakulären Wachstumsunternehmen wie SpaceX als auch mit zunehmend attraktiven Zinsanlagen.
Warum SpaceX nicht zwangsläufig schlecht für Krypto sein muss
Die These eines Kapitalabflusses aus dem Kryptomarkt ist jedoch nicht unumstritten. In den vergangenen Jahren entwickelte sich Bitcoin zunehmend zu einem klassischen Risiko-Asset und bewegte sich phasenweise ähnlich wie Technologieaktien. Eine Analyse der Terminbörse CME zeigt, dass die Korrelation zwischen Bitcoin und dem Nasdaq 100 seit 2020 deutlich zugenommen hat. In Phasen steigender Risikobereitschaft profitierten daher häufig sowohl Wachstumsaktien als auch Kryptowährungen.
Vor diesem Hintergrund argumentieren einige Marktteilnehmer, dass ein erfolgreicher SpaceX-Börsengang nicht zwangsläufig zulasten von Bitcoin gehen muss. Sollte das IPO eine neue Welle der Begeisterung für Zukunftstechnologien und Wachstumswerte auslösen, könnte dies langfristig auch dem Kryptomarkt zugutekommen. Entscheidend wird sein, ob lediglich bestehendes Kapital umgeschichtet wird oder ob durch den Börsengang zusätzliches Anlegergeld in die Märkte fließt.
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Raumfahrt, KI und neue Technologien machen SpaceX für viele Anleger zu einem der spannendsten Börsendebüts der letzten Jahre.

Marktteilnehmer rechnen damit, dass weitere KI-Unternehmen schon bald den Gang an die Börse wagen könnten.

