Das Wichtigste auf einen Blick:
Porsche verschiebt den Rollout vollelektrischer Fahrzeuge und setzt künftig stärker auf Verbrenner und Plug-in-Hybride. Die Neuausrichtung kostet 3.1 Milliarden Euro im Jahr 2025, Volkswagen rechnet mit einem Verlust von 5.1 Milliarden Euro. Rund 200 Jobs bei Cellforce fallen weg, die Batteriefertigung wird eingestellt. US-Zölle und sinkende Nachfrage, besonders in China, belasten zusätzlich. Gleichzeitig steigt der Druck durch chinesische Wettbewerber wie BYD, die den europäischen Luxusmarkt zunehmend angreifen.
Porsche dreht den Strom ab: E-SUVs drastisch gekürzt
Nach ihrem DAX-Ausschluss reagiert die Porsche AG auf die unerwartet schwache Nachfrage nach vollelektrischen Fahrzeugen mit einer deutlichen Kehrtwende in der Unternehmensstrategie. Geplante elektrische Modellreihen werden verschoben, während Verbrenner und Plug-in-Hybride künftig wieder stärker in den Fokus rücken. Grund dafür sind rückläufige Verkaufszahlen, insbesondere auf dem wichtigen chinesischen Markt, sowie steigende US-Zölle und allgemein sinkendes Interesse an exklusiven E-Modellen.
Porsche-Chef Oliver Blume erklärte in einer Stellungnahme: „Aktuell erleben wir massive Umwälzungen im Umfeld der Automobilindustrie, deshalb stellen wir Porsche umfassend neu auf.“ Konkret bedeutet dies, dass die geplante vollelektrische SUV-Reihe oberhalb des Cayenne zunächst nur als Verbrenner oder Hybrid angeboten wird. Modelle wie Panamera oder eben der Cayenne bleiben zudem bis weit in die 2030er-Jahre mit Verbrennungsmotor verfügbar. Auch die Entwicklung einer neuen E-Auto-Plattform für die 2030er-Jahre wird verschoben.
Hohe Zusatzkosten belasten Porsche und Volkswagen
Die finanzielle Dimension des Strategiewechsels bei Porsche ist erheblich. Volkswagen, der 75.4-prozentige Mutterkonzern, rechnet mit einem Verlust von gut fünf Milliarden Euro durch die geänderte Produktstrategie. Porsche selbst erwartet einen operativen Ergebnisrückgang um bis zu knapp zwei Milliarden Euro und insgesamt Zusatzkosten von mehr als drei Milliarden Euro im Geschäftsjahr 2025. Blume warnt: „Es wird ein harter und langer Weg, der volle Konzentration und große Anstrengungen erfordert“.
Analysten bewerten die Entwicklung als gravierend. UBS-Analyst Patrick Hummel kommentierte gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters: „Dies sind nicht die Margen, die man bei einem erfolgreichen Luxusprodukt erwarten würde“. Auch Eduardo Gonzalez von der spanischen Bankengruppe Santander bezeichnete die Anpassung als herben Rückschlag für die deutsche Autoindustrie, betonte jedoch, dass sie auf lange Sicht zu einer realistischeren Planung führen könne.
Produktion von Elektroautos und Batterien wird reduziert
Die Neuausrichtung betrifft auch die Batteriefertigung. Porsche hat die Produktion in seiner Tochterfirma Cellforce eingestellt und will die Abteilung künftig auf Forschung und Entwicklung konzentrieren. Oliver Blume erklärte gegenüber The Telegraph: „Porsche wird die Produktion eigener Batteriezellen aus Gründen des Volumens und Mangels an Skaleneffekten einstellen“. Rund 200 der fast 300 Mitarbeiter von Cellforce verlieren ihren Arbeitsplatz, einige werden in das VW-Start-up PowerCo übernommen.
Erst im März hatte Porsche den kriselnden deutschen Batterie-Giganten Varta übernommen und damit eine kurze Euphorie rund um den deutschen E-Auto-Sektor hervorgerufen. Vor dem Hintergrund der jüngsten Cellforce-Umwidmung verpufft aber auch diese Maßnahme. Porsches aktuelle Schwierigkeiten zeigen die Probleme europäischer Hersteller im globalen E-Auto-Markt, insbesondere im Wettbewerb mit chinesischen Produzenten. Vor allem gegenüber der chinesischen Konkurrenz geraten europäische Autohersteller ins Hintertreffen, was die Preisgestaltung anbelangt.
US-Zölle und geopolitische Einflüsse verschärfen die Krise
Zusätzlich zu den fundamentalen Marktproblemen belasten anhaltend hohe US-Zölle Porsche erheblich. Für das erste Halbjahr 2025 beziffert das Unternehmen die Ausgaben für Zölle auf rund 400 Millionen Euro. Eine eigene Produktion in den USA ist derzeit nicht geplant, Verhandlungen über ein mögliches Investitionspaket laufen aber weiter.
Blume sieht jedoch auch Chancen in der Flexibilität der europäischen Gesetzgebung: „Wir setzen darauf, dass die EU bei den CO2-Reduktionszielen für neue Fahrzeuge und Vans bis 2035 mehr Spielraum gewährt“, gab der Konzernchef vergangene Woche zu Protokoll. Gleichzeitig plant Porsche in Deutschland weitere Sparmaßnahmen, darunter den Abbau von fast 2000 Stellen bis 2029.




