Die wichtigsten Punkte
Das Freiburger KI-Startup Black Forest Labs (BFL) verhandelt derzeit über eine große neue Finanzierungsrunde. Nach Informationen der Financial Times geht es um 200 bis 300 Millionen US-Dollar frisches Kapital. Sollte die Runde zustande kommen, könnte das Unternehmen mit rund vier Milliarden US-Dollar bewertet werden. Ein gewaltiger Sprung im Vergleich zu einer früheren Runde, die das Startup auf etwas mehr als eine Milliarde US-Dollar taxierte. Black Forest Labs ist damit einer der ganz wenigen europäischen Anbieter, die eigene KI-Modelle entwickeln und bereits von Tech-Giganten wie Adobe, Meta oder Microsoft genutzt werden. Offiziell bestätigt hat BFL die Gespräche allerdings nicht.
Wer ist Black Forest Labs?
Black Forest Labs wurde im Sommer 2024 in Freiburg gegründet. Hinter dem Startup stehen mehrere Wissenschaftler und Entwickler, die zuvor schon an bekannten Projekten im Bereich Künstliche Intelligenz mitgearbeitet haben, darunter Robin Rombach und Andreas Blattmann, die an der weltweit beachteten Bild-KI Stable Diffusion beteiligt waren. Ihr Ziel: Europa eine ernst zu nehmende Alternative zu den großen US-Anbietern im Bereich generative KI zu geben. Während viele Start-ups lediglich auf bestehenden Systemen aufbauen, entwickelt BFL sogenannte Foundation-Modelle selbst, also Grundmodelle, die für viele Anwendungen gleichzeitig genutzt werden können, etwa für die Erstellung von Bildern, Videos oder anderen kreativen Inhalten.
Was steckt hinter den Finanzierungsplänen?
Laut Bloomberg und Financial Times sondiert das Unternehmen derzeit Investoren für eine Kapitalaufnahme zwischen 200 und 300 Millionen US-Dollar. Würde die Runde so zustande kommen, läge die Bewertung bei rund vier Milliarden US-Dollar. Zur Einordnung: Eine Bewertung ist der rechnerische Unternehmenswert, den Investoren einem Startup beim Kauf von Anteilen zuschreiben. Solche Bewertungen basieren weniger auf aktuellen Gewinnen, sondern stärker auf Erwartungen an die zukünftige Entwicklung. Bei Black Forest Labs hoffen Investoren offenbar darauf, dass das Unternehmen zu einem führenden Anbieter für KI-Modelle in Europa aufsteigen kann. Da sich die Gespräche allerdings noch in einem frühen Stadium befinden, können sich sowohl die Höhe der Investition als auch die endgültige Bewertung jederzeit ändern.
Die Technologie hinter Flux
Das Herzstück von Black Forest Labs ist die hauseigene KI-Reihe mit dem Namen Flux. Diese Modelle können aus kurzen Textbefehlen detailreiche und fotorealistische Bilder erzeugen. Auch die Bearbeitung bestehender Bilder ist möglich, etwa das Austauschen von Hintergründen oder das Hinzufügen neuer Objekte. Die Technologie ist eine Weiterentwicklung der bekannten Bild-KI Stable Diffusion, geht aber in einigen Punkten darüber hinaus. Besonders wichtig: BFL setzt teilweise auf einen Open-Source-Ansatz. Das bedeutet, dass bestimmte Teile der Technologie kostenlos und frei verfügbar sind. Entwickler weltweit können darauf zugreifen und eigene Projekte auf Basis von Flux umsetzen. Das verschafft BFL einerseits enorme Reichweite, birgt aber auch Risiken, da Konkurrenten leichter von den Fortschritten profitieren können.
Kooperationen mit Tech-Riesen
Trotz seines jungen Alters hat sich Black Forest Labs bereits starke Partner gesichert. Medienberichten zufolge ist die Flux-Technologie in Anwendungen von Adobe integriert, etwa in Photoshop. Auch bei Meta kommt die KI zum Einsatz, beispielsweise in der neuen Funktion Vibes. Microsoft hat die Modelle in seine Cloud-Plattform Azure eingebunden, und der französische Anbieter Mistral hat Flux in seinen Chatbot Le Chat integriert. Zudem gab es eine zeitweise Zusammenarbeit mit dem KI-Unternehmen xAI von Elon Musk. Solche Kooperationen sind für ein Startup aus Europa keineswegs selbstverständlich, da der Markt bisher stark von US-Firmen wie OpenAI oder Midjourney dominiert wird.
Investoren und bisherige Finanzierungen
Bereits in einer früheren Finanzierungsrunde konnte Black Forest Labs viel Kapital einsammeln. Damals investierte der bekannte Silicon-Valley-Investor Andreessen Horowitz einen dreistelligen Millionenbetrag in das Startup. Diese sogenannte Series-A-Runde bewertete das Unternehmen schon mit über einer Milliarde US-Dollar. Mit der nun geplanten Runde könnte die Bewertung also vervierfacht werden, ein seltener Vorgang in so kurzer Zeit, der zeigt, wie groß die Erwartungen im Markt an BFL sind. Offiziell hat das Unternehmen solche Summen bislang nicht bestätigt, hält sich aber allgemein mit Details zu Investoren und Bewertungen zurück.
Warum die Nachfrage gerade jetzt steigt
Der Markt für generative KI wächst rasant. Immer mehr Unternehmen wollen Tools nutzen, die Texte, Bilder oder Videos automatisch erzeugen können. Bisher sind Anbieter aus den USA führend, doch gerade in Europa wächst der Wunsch nach einer eigenen Lösung. Black Forest Labs ist einer der wenigen Player, die diese Lücke füllen könnten. Ein Bericht erwähnte zudem, dass Meta rund 140 Millionen US-Dollar für die Nutzung der BFL-Technik eingeplant haben soll.




