Das Wichtigste in Kürze:
- Adidas rüstet den DFB nur noch bis Ende des Jahres aus.
- Nike übernimmt ab 2027 und zahlt laut Berichten deutlich mehr.
- Das letzte Adidas-Trikot verkauft sich trotz WM-Aus außergewöhnlich stark.
Das letzte Bild dieser Ära war kein Triumph, sondern ein Fehlschuss. Oder besser gesagt: gleich drei Fehlschüsse. Deutschland verlor im Sechzehntelfinale der WM gegen Paraguay mit 4:5 nach Elfmeterschießen. Nach 120 Minuten hatte es 1:1 gestanden, Kai Havertz glich die Führung von Julio Enciso aus. Am Ende verwandelte José Canale den entscheidenden Elfmeter, während Havertz, Nick Woltemade und Jonathan Tah verschossen.
Bundestrainer Julian Nagelsmann sagte danach: „Es war zu wenig.“ Joshua Kimmich musste eine WM einordnen, die der DFB selbst mit den Worten „Wir haben das verbockt“ überschrieb. Sportlich ist das der nächste schwere Rückschlag nach 2018 und 2022. Symbolisch wiegt die Niederlage noch schwerer. Denn dieses Spiel war der vorerst letzte große Turnierauftritt der deutschen Männer-Nationalmannschaft mit Adidas auf der Brust. Ab 2027 übernimmt Nike.
Damit endet eine Partnerschaft, die über sieben Jahrzehnte deutsche Fußballgeschichte, Weltmeistertitel, Trikotmythen und Milliardenumsätze gebracht hat. Obwohl es zum Abschied Verkaufsrekorde für das WM-Trikot gab, scheint Adidas der DFB-Elf keine so goldene Zukunft zuzutrauen, wie Nike es tut. Wir blicken auf die lange Geschichte der Adidas-DFB-Kooperation, auf die Gründe für den Wechsel zu Nike und auf die ersten Leaks zum nächsten Deutschland-Trikot.
Seit 1954: Wie Adidas den DFB-Mythos mitgeschrieben hat
Die Verbindung zwischen Adidas und dem DFB begann mit dem Wunder von Bern. 1954 saß Adi Dassler beim WM-Finale gegen Ungarn sogar auf der Bank neben Bundestrainer Sepp Herberger. Adidas verweist selbst auf diese Szene als Ursprung einer Partnerschaft, die später alle vier deutschen WM-Titel begleitete: 1954, 1974, 1990 und 2014.
Adidas x DFB - Eine Kooperation seit 1954
Das aktuelle Adidas-Heimtrikot macht diese Geschichte sichtbar. Es ist weiß, kombiniert Schwarz, Rot und Gold in einem Rautenmuster und zitiert frühere Weltmeister-Trikots. Der Zickzack-Look erinnert an 1994, als die WM zum ersten Mal in den USA stattfand. Das dunkelblaue Auswärtstrikot arbeitet mit einem Muster, das an klassische Adidas-Schuhkartons erinnert. Am Saum steht „Seit 1954“. Es ist weniger Detail als Abschiedsmarke.
Auch technisch ist das Trikot kein Retro-Produkt. Die Fan-Version nutzt Climacool, soll Schweiß ableiten und schnell trocknen. Der DFB-Shop nennt außerdem Doubleknit-Material, schmale Passform und 100 Prozent recyceltes Polyester. Die Preise liegen offiziell bei 100 Euro für Erwachsene, 75 Euro für Kinder und 150 Euro für die Authentic-Version.
Trikot-Rekorde, Preise und der digitale Trionda-Effekt
Der Abschied verkauft sich erstaunlich gut. Adidas-Chef Bjørn Gulden sagte im Juni, die deutschen WM-Trikots hätten sich dreimal so gut verkauft wie die Modelle zur WM 2022 in Katar. Er rechnete mit mehr als drei Millionen verkauften Deutschland-Trikots an Endkunden. Nur Mexiko und Argentinien lagen demnach noch stärker. Selbst das dunkelblaue Auswärtstrikot übertraf laut Gulden das pinke EM-Trikot von 2024.
Für Adidas ist das Turnier ohnehin ein Umsatzhebel. Adidas rüstet bei der WM 14 von 48 Teams aus (darunter große Namen wie Lionel Messis Argentinien, die spanische Nationalmannschaft um Lamine Yamal, den Co-Gastgeber Mexiko und natürlich Deutschland) und stellt den offiziellen Spielball. Die Kundenausgaben für Adidas-Bekleidung stiegen im Mai gegenüber dem Vorjahr um 70 Prozent. Besuche in Adidas-Filialen in den USA lagen in der ersten Turnierwoche um 47 Prozent höher. Gulden erwartet für Adidas ein WM-Geschäft von bis zu 1.5 Milliarden Euro.
Der Vergleich mit früheren Turnieren zeigt, warum Anleger auf solche Effekte achten. 2014 meldete Adidas Fußballumsätze von rund zwei Milliarden Euro, mehr als 14 Millionen verkaufte Brazuca-Bälle und mehr als acht Millionen Nationaltrikots. Allein vom deutschen Trikot wurden damals mehr als zwei Millionen Stück verkauft.
Dazu passt der Trionda-Effekt. Adidas spielt die WM 2026 nicht nur über Trikots. Der offizielle Spielball steckt mit 500-Hertz-Sensor, VAR-Anbindung und WhatsApp-Emoji auch in Technik, Chats und Fan-Kommunikation. Adidas versucht damit, aus Fußball-Emotionen digitale Reichweite und Produktfantasie zu machen.
Warum Nike gewann – und Adidas den Preis nicht zahlen wollte
Der DFB begründet den Wechsel nüchtern. Nike wird von 2027 bis 2034 Ausrüster aller deutschen Nationalteams. Der Verband verweist auf ein transparentes Ausschreibungsverfahren. Nike habe laut DFB das „mit Abstand beste wirtschaftliche Angebot“ vorgelegt und zugleich eine überzeugende Vision für Amateurfußball, Frauenfußball und Breite präsentiert.
Die Gründe für das Ende der Partnerschaft
Hinter dieser Formulierung stehen harte Zahlen. Der DFB bestätigte keine Summe, dementierte aber auch Berichte über rund 100 Millionen Euro pro Jahr nicht. Laut Tagesschau zahlte Adidas bisher angeblich rund 50 Millionen Euro jährlich, Nike soll mehr als 100 Millionen Euro geboten haben. Für einen Verband mit rund 7.3 Millionen Mitgliedern, mehr als 24 000 Vereinen und hohen Zuschüssen an den Amateurbereich war das schwer abzulehnen.
Adidas wollte offenbar nicht mitgehen. Reuters berichtete aus Insider-Kreisen, Adidas habe Nikes Angebot nicht matchen wollen. Es gehe darum, Kosten und Erlöse realistisch abzuwägen. Genau darin liegt der Kern des Bruchs: Der DFB verkaufte Zukunftssicherheit mit einem bekannten heimischen Ausrüster, Nike kaufte Symbolmacht, Adidas setzte eine Preisgrenze. Der anhaltende sportliche (Miss-) Erfolg der Nationalmannschaft scheint Adidas zumindest kurzfristig schon mal recht zu geben.
Nike teasert die Zukunft, Adidas bleibt trotzdem sichtbar
Nike begann bereits vor Vertragsstart mit der Inszenierung. Während der WM tauchten Teaser mit Jamal Musiala, Mario Götze und einem pixeligen weißen Trikot mit schwarzem Kragen auf. In New Jersey wurde der Spruch „Hello New Jersey“ gezeigt, zugleich ein Wortspiel mit „neues Jersey“. Leak-Portale werten das gezeigte Shirt allerdings als Platzhalter, nicht als finalen Entwurf.
Adidas verliert damit den DFB, aber nicht den Fußball. Bei dieser WM rüstet der Konzern 14 qualifizierte Nationen aus, darunter Argentinien, Spanien, Mexiko, Belgien, Kolumbien, Japan und Deutschland. Nach den bisherigen K.-o.-Spielen sind Deutschland, Japan und Südafrika raus. Prominente Adidas-Teams wie Argentinien, Spanien, Mexiko, Belgien, Kolumbien und Algerien halten die drei Streifen weiter im Turnierbild, solange ihre Partien laufen.
Auch im Klubfußball bleibt Adidas tief verankert. FIFA nennt Real Madrid, Manchester United, Arsenal, Bayern München und Juventus als große Adidas-Partner. Real Madrid verlängerte seine Partnerschaft mit Adidas 2026 sogar bis 2034. Das ist kein kleiner Trostpreis, sondern die andere Seite der Strategie: Adidas verliert ein nationales Symbol, hält aber globale Premium-Flächen.
Für Deutschland endet die Adidas-Ära deshalb bitter und kommerziell erfolgreich zugleich. Das letzte große Turnier brachte keinen sportlichen Befreiungsschlag, aber wohl einen Trikotrekord. Nike kauft nun die Zukunft des DFB. Adidas verkauft ein letztes Mal die Erinnerung. Genau das macht diesen Abschied so ungewöhnlich: Selten sah ein Ende im Sport so enttäuschend aus und war wirtschaftlich trotzdem so wertvoll.
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Deutsche Fans zur WM 2026
Adidas im Fußball

