20-Prozent-Einstieg: Unicredit erhöht Druck auf Commerzbank
Unicredit, die italienische Großbank, hat ihre Beteiligung an der Commerzbank auf 20 Prozent erhöht und ist damit der größte Aktionär des zweitgrößten börsennotierten Geldinstituts Deutschlands, was die Spekulationen über eine mögliche Übernahme anheizt. Erst kürzlich verdoppelte die Mailänder Bank Unicredit ihre Anteile an der Commerzbank, indem sie Derivate in Aktien umwandelte. Diese Entwicklung folgt auf einen überraschenden Erwerb eines 4.5-Prozent-Pakets der Commerzbank, das der Bund im Herbst letzten Jahres zum Verkauf gestellt hatte.
Die italienische Bank hält weiterhin neun Prozent der Commerzbank über Derivate und plant, diese ebenfalls in Aktien umzuwandeln. Unicredit-Chef Orcel hat in Briefen an die Bundesregierung erneut für die Vorteile eines Zusammenschlusses geworben, ist jedoch auf Widerstand gestoßen. Die Bundesregierung und das Management der Commerzbank betonen die Bedeutung der Eigenständigkeit der Bank für den deutschen Kreditmarkt.
Widerstand gegen Übernahmepläne von Unicredit
Bundeskanzler Friedrich Merz und Finanzminister Lars Klingbeil haben die Annäherungsversuche von Unicredit-Chef Andrea Orcel in der Vergangenheit mehrfach kritisiert und zurückgewiesen. Orcel verfolgt das Ziel, die Commerzbank mit der Münchner Tochter HypoVereinsbank (HVB) zusammenzuführen. Trotz der Genehmigungen von Aufsichtsbehörden wie der Europäischen Zentralbank und dem Bundeskartellamt bleibt der Widerstand gegen eine Übernahme stark.
Die Aktie der Commerzbank befindet sich seit Herbst letzten Jahres in einer steilen Rallye und erreichte den höchsten Stand seit 14 Jahren.
Die Gewerkschaft Ver.di hat ebenfalls ihre Ablehnung gegenüber einem Verkauf der Commerzbank bekräftigt. Stefan Wittmann, Aufsichtsrat der Commerzbank und Gewerkschaftssekretär, warnte in einer Stellungnahme vor einem Stellenabbau und einer Verlagerung der Geschäftstätigkeiten nach Mailand. Die Commerzbank selbst hat erklärt, dass die Erhöhung der Beteiligung durch Unicredit nicht zwischen beiden Banken abgestimmt sei, was den Widerstand gegen ein Übernahmeangebot verstärkt.
Commerzbank-Aktie trotz Unsicherheit auf 14-Jahreshoch
Trotz der Unsicherheiten um eine mögliche Übernahme hat der Aktienkurs der Commerzbank unlängst ein neues 14-Jahreshoch erreicht. Seit dem Einstieg von Unicredit im vergangenen Herbst erholte sich der Kurs und notiert nun auf einem Niveau, das seit 2011 nicht mehr erreicht wurde. Die Spekulationen um eine Übernahme durch Unicredit haben die Aktie auf über 30 Euro steigen lassen. Dennoch bleibt der Kurs weit entfernt von seinem Allzeithoch im Jahr 2000.
Nach der nächsten deutlichen Korrektur dürfte ein noch längerer und höherer Anstieg bevorstehen. Das Allzeithoch aus dem Jahr 2000 lag bei rund 350 Euro.
Die Anleger scheinen optimistisch, während das Management der Commerzbank weiterhin an der Eigenständigkeit der Bank festhält. Trotz dieses Widerstands könnte die Unicredit ihre Beteiligung an der Commerzbank weiter aufstocken, was sie in die Nähe der 30-Prozent-Schwelle bringen würde. Ab diesem Punkt wäre Unicredit gesetzlich verpflichtet, den übrigen Aktionären ein offizielles Übernahmeangebot zu unterbreiten. Die Commerzbank und ihre Arbeitnehmervertreter lehnen das ab und setzen auf ihre Unabhängigkeit.




