Die wichtigsten Punkte
Die weltweiten Märkte geraten unter Druck, nachdem Präsident Trump neue Zölle von bis zu 100 Prozent auf Medikamente sowie Abgaben auf Lkw und Möbel angekündigt hat. Gleichzeitig wurden die US-Wachstumszahlen für das zweite Quartal auf 3.8 Prozent nach oben revidiert und die Arbeitslosenanträge fielen auf 218 000 – beides dämpft Erwartungen auf weitere schnelle Zinssenkungen durch die Fed. Anleger reagieren nervös, während Öl und Gold starke Schwankungen zeigen.
Märkte unter Druck: Fed-Zweifel und neue Trump-Zölle verunsichern Anleger
Die weltweiten Finanzmärkte reagierten am Freitag mit Nervosität auf eine Kombination zweier Entwicklungen, die für zusätzliche Unsicherheit sorgen. Zum einen schwinden die Hoffnungen auf weitere schnelle Zinssenkungen in den USA, nachdem das Bruttoinlandsprodukt für das zweite Quartal überraschend deutlich auf 3.8 Prozent nach oben revidiert wurde. Zum anderen kündigte Präsident Donald Trump eine neue Welle von Zöllen an, die insbesondere die Pharmaindustrie, aber auch Branchen wie den Lkw-Bau und die Möbelproduktion treffen sollen.
Konkret sollen ab dem 1. Oktober auf marken- oder patentrechtlich geschützte Arzneimittel Einfuhrabgaben von 100 Prozent erhoben werden, sofern die Hersteller keine Fabriken in den USA bauen. Hinzu kommen 25 Prozent auf schwere Lkw, 50 Prozent auf Küchen- und Badschränke sowie 30 Prozent auf bestimmte Polstermöbel. Die Ankündigungen trafen die asiatischen Börsen besonders hart. Ein breiter Index für die Region außerhalb Japans verlor 1.4 Prozent, während der Hang-Seng-Index in Hongkong sowie südkoreanische Aktien deutlich nachgaben. Japan selbst blieb weitgehend stabil, während die Kurse in China fast ein Prozent schwächer aus dem Handel gingen.
In Europa fielen die Reaktionen gemischter aus: Der STOXX 600 legte leicht um 0.3 Prozent zu, da Anleger in unsicheren Zeiten vermehrt in europäische Vermögenswerte flüchteten und große Pharmawerte wie Roche und Novo Nordisk ihre anfänglichen Verluste wieder aufholten. Dennoch bleibt die Sorge groß, dass die neuen US-Zölle auf Medikamente, auch wenn generische Präparate und Unternehmen mit laufendem Fabrikbau ausgenommen sind, internationale Lieferketten belasten könnten.
Fed zwischen Widerstandskraft und Inflationsdruck
Die Reaktion auf die neuesten Konjunkturdaten verstärkte zudem die Zweifel, dass die US-Notenbank in den kommenden Monaten den Lockerungskurs aggressiv fortsetzen wird. Die Fed hatte vergangene Woche den Leitzins um 0.25 Prozentpunkte auf die Spanne von vier bis 4.25 Prozent gesenkt – den ersten Schritt seit Dezember 2024. Während Trump-nahe Stimmen im Offenmarktausschuss weitere schnelle Senkungen fordern, verweisen andere Mitglieder auf die nach wie vor erhöhte Inflation.
Die Daten zu den Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe stützen dieses Bild: Mit 218 000 Anträgen fiel die Zahl unerwartet niedrig aus, was auf einen weiterhin robusten Arbeitsmarkt hindeutet. Marktteilnehmer preisen daher nur noch Zinssenkungen von knapp 39 Basispunkten bis Jahresende ein – weniger als noch zu Wochenbeginn.
Die Renditen von Staatsanleihen spiegelten diese Unsicherheit wider: Zehnjährige Bundesanleihen fielen leicht auf 2.76 Prozent, während die Rendite der US-Treasuries bei 4.17 Prozent nahe ihrem Monatshoch verharrte. Am Devisenmarkt geriet das britische Pfund unter Druck und markierte mit 1.33 US-Dollar den tiefsten Stand seit Anfang August. Gründe dafür sind Sorgen um die Staatsfinanzen und die Möglichkeit, dass die britische Regierung zur Haushaltskonsolidierung zusätzliche Steuern einführt.
Globale Auswirkungen und Branchen im Umbruch
Während die Aktienmärkte in den USA im Vorfeld der Kassahandels-Eröffnung am Freitag eher seitwärts tendierten, bleibt der Ausblick getrübt. Der S&P 500 hatte zwar in den vergangenen drei Monaten 25 Rekordstände erreicht, getragen von KI-Euphorie und Zinssenkungsfantasien, doch die jüngsten Zahlen mahnen zur Vorsicht. Für die Pharmaindustrie, die bisher weitgehend von Handelskonflikten verschont geblieben war, markieren die neuen Zölle einen Wendepunkt. Viele internationale Konzerne haben in den vergangenen Monaten Milliardeninvestitionen in US-Produktionsstätten angekündigt, um sich abzusichern. Kleinere Hersteller, die keine solche Optionen haben, könnten jedoch stärker unter Druck geraten.
Auch andere Branchen spüren die Folgen. Möbelhersteller wie Ikea äußerten bereits, die Strafzölle würden das Geschäft erschweren, während US-Truck-Bauer wie Peterbilt und Mack Trucks auf Wettbewerbsvorteile hoffen. Gleichzeitig treiben die politischen Spannungen den Ölpreis nach oben: Brent-Rohöl verteuerte sich auf Wochensicht um mehr als vier Prozent. Gold, das erst kürzlich ein Rekordhoch bei 3790 US-Dollar pro Unze erreicht hatte, notierte zuletzt bei 3750 US-Dollar. Damit zeigt sich: Die Mischung aus politisch motivierten Handelsmaßnahmen, widersprüchlichen Konjunkturdaten und geldpolitischer Unsicherheit setzt die Märkte unter Druck – und verspricht auch in den kommenden Wochen hohe Volatilität.





