Die wichtigsten Punkte
Meta hat auf seiner Entwicklerkonferenz eine neue Smart-Brille vorgestellt, die nicht nur Fotos und Videos aufnehmen kann, sondern auch ein eingebautes Display besitzt. Nutzerinnen und Nutzer können damit unter anderem Nachrichten im Sichtfeld sehen, Navigationshinweise abrufen oder Live-Untertitel einblenden lassen. Gesteuert wird die Brille mit einem speziellen Armband, das Handbewegungen erkennt. Der Startpreis in den USA liegt bei 799 Dollar, die Einführung in anderen Märkten ist gestaffelt geplant. Außerdem bringt Meta zwei weitere Modelle: eine günstigere Ray-Ban-Version ohne Display und eine Sportbrille von Oakley. Ein weiteres Highlight ist eine neue KI-Funktion, mit der sich per Chat komplette Spielewelten erstellen lassen, ohne dass man dafür Programmierkenntnisse braucht. Mark Zuckerberg spricht von einem Schritt hin zu einer persönlichen „Superintelligenz“, Analysten sehen aber zunächst noch Zurückhaltung am Markt.
Metas neue Brille: Ein Schritt in den Alltag
Die neue Brille heißt Ray-Ban Display und wurde auf der Entwicklerkonferenz Meta Connect vorgestellt. Sie sieht auf den ersten Blick aus wie eine normale Sonnen- oder Korrekturbrille, enthält aber im rechten Glas ein unsichtbares Mini-Display. Darüber können digitale Inhalte direkt in das Sichtfeld eingeblendet werden, ähnlich wie bei einer Projektion. So können Nutzer etwa eine WhatsApp-Nachricht lesen, während sie durch die Stadt laufen, oder ein Instagram-Video anschauen, ohne das Handy in die Hand nehmen zu müssen. Die Idee ist, digitale Funktionen nahtlos in den Alltag zu integrieren, ohne ständig auf ein Smartphone-Display schauen zu müssen.
Steuerung mit Handbewegungen
Damit die Bedienung im Alltag funktioniert, hat Meta zusätzlich ein Neural-Band-Armband entwickelt. Dieses Armband erkennt über Sensoren kleinste Bewegungen der Finger und Hände. Mit einer einfachen Geste wie einem Daumenklick kann man beispielsweise Anrufe annehmen oder durch Nachrichten scrollen. So soll es möglich sein, die Brille diskret und intuitiv zu bedienen. In einer Live-Vorführung funktionierten nicht alle Tests reibungslos, doch die grundsätzliche Bedienungsidee kam bei den Zuschauern gut an. Für Meta ist dieses Bedienkonzept laut eigenen Aussagen ein wichtiger Schritt, um Smart-Brillen alltagstauglich zu machen.
Spiele bauen mit künstlicher Intelligenz
Ein zweites Highlight der Präsentation war die Vorstellung einer neuen KI-Funktion für Gaming. Meta hat gezeigt, dass es künftig möglich sein soll, über einfache Chat-Eingaben komplette Videospiele zu erstellen. Nutzer können der KI zum Beispiel schreiben, dass sie eine mittelalterliche Welt mit Burgen und Drachen haben möchten, und die Software baut diese Welt automatisch zusammen, inklusive Landschaft, Figuren und sogar Hintergrundmusik. Man kann mit der KI auch darüber sprechen, wie die Spielregeln funktionieren sollen, und die Anpassungen werden direkt umgesetzt. So können auch Menschen, die nicht programmieren können, Spiele entwickeln und diese gemeinsam mit Freunden ausprobieren. Das Ganze ist eng mit Metas virtuellem Raum Horizon verknüpft und soll das Metaverse für eine breitere Zielgruppe interessant machen.
Mark Zuckerbergs Vision: „Superintelligenz“
Meta-CEO Mark Zuckerberg sieht in diesen neuen Geräten mehr als nur Unterhaltung oder praktische Alltagshelfer. Er bezeichnet Smart-Brillen als den „idealen Formfaktor für persönliche Superintelligenz“. Damit meint er eine Zukunft, in der Menschen ihre eigenen Fähigkeiten erweitern können, indem sie ständig Zugriff auf Informationen, Erinnerungen und KI-gestützte Unterstützung haben, ohne dass sie ein separates Gerät wie ein Smartphone bedienen müssen. Für Zuckerberg ist die Ray-Ban Display dabei nur ein Zwischenschritt. Das große Ziel ist eine deutlich leistungsfähigere Brille mit dem Projektnamen Orion, die spätestens 2027 auf den Markt kommen soll. Analysten vergleichen die aktuelle Situation mit den ersten Jahren der Apple Watch: spannend, aber für viele Nutzerinnen und Nutzer anfangs schwer zu verstehen, wozu das Gerät im Alltag wirklich gebraucht wird.
Markt und offene Fragen
Marktforscher erwarten, dass der Markt für AR- und VR-Brillen in den nächsten Jahren stark wächst. Allein 2025 könnten rund 14 Millionen Geräte verkauft werden, ein Plus von fast 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Ein Großteil des Wachstums dürfte durch günstigere Modelle wie die Ray-Ban Gen 2 kommen. Bei den teuren Display-Brillen rechnen Experten jedoch zunächst mit verhaltenem Interesse. Viele Menschen müssen erst verstehen, welchen konkreten Vorteil sie im Alltag haben. Außerdem gibt es offene Fragen: Wie sicher sind die Daten, die über solche Brillen verarbeitet werden? Wie verhindert Meta, dass Kinder durch KI-Dialoge problematischen Inhalten ausgesetzt werden? Und wie wird der Umgang mit möglichen gesundheitlichen Risiken, etwa durch Dauernutzung, geregelt? All diese Punkte werden darüber entscheiden, ob Metas Vision von einer „Superintelligenz“ wirklich Wirklichkeit werden kann.
Preise, Varianten und Verkaufsstart
Meta bringt gleich mehrere Modelle auf den Markt. Die Ray-Ban Display mit eingebautem Bildschirm soll in den USA ab Ende September erhältlich sein und kostet 799 US-Dollar. Hier gibt es jedoch unterschiedliche Angaben: Laut Reuters startet der Verkauf am 30. September, während die Sun bereits den 13. September für bestimmte US-Stores nennt. Der Marktstart in Großbritannien ist für Anfang 2026 angekündigt. Neben dieser Hauptversion erscheint auch eine Ray-Ban Gen 2 ohne Display. Dieses Modell kostet nur 379 Dollar, hat eine längere Akkulaufzeit, eine verbesserte Kamera und bietet Funktionen wie Echtzeit-Übersetzungen oder einen Conversation-Focus-Modus, der Stimmen in lauter Umgebung hervorhebt. Zusätzlich bringt Meta die Oakley Meta Vanguard heraus, ein Sportmodell für Outdoor- und Fitness-Fans. Diese Brille kostet 499 Dollar, ist besonders robust und bietet eine Akkulaufzeit von bis zu neun Stunden. Für Läufer oder Radfahrer lässt sie sich mit Apps wie Garmin oder Strava verbinden, sodass Trainingsdaten direkt ins Sichtfeld eingeblendet werden können.




