Staatsanleihen, Öl und Gold: Attackiert China den US-Dollar?
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Staatsanleihen, Öl und Gold: Attackiert China den US-Dollar?

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Simeon Koch

Der Goldpreis dürfte seine aktuell historische Rallye auch starken Goldkäufen aus China zu verdanken haben. Die chinesische Zentralbank hat ihre Goldreserven zuletzt massiv aufgestockt und scheint damit auf die aktuelle weltwirtschaftliche Unsicherheit zu reagieren. Betrachtet man allerdings die jüngsten geopolitischen Entwicklungen und die strategischen Plänen Chinas, scheint klar zu werden, dass hinter diesen Käufen mehr steckt als nur wirtschaftliche Beweggründe. Die erhöhte Gold-Nachfrage könnte eine Vorbereitung auf die bereits angekündigte gemeinsame Währung der BRICS-Staaten sein, die den Dollar als Weltwährung verdrängen soll. Weitere Destabilisierung der westlichen Wirtschaft befürchten Experten durch chinesische Verkäufe von nordamerikanischen Staatsanleihen – schließlich ist China mit fast $800 Milliarden der zweitgrößte ausländische Gläubiger der Vereinigten Staaten. In den letzten Monaten warf China US-Anleihen in Höhe von $100 Milliarden auf den Weltmarkt und sorgte damit für Verunsicherung. Welche Strategie verfolgt das Reich der Mitte?

Steuert China den Goldmarkt?

Seit Herbst 2022 hat der Goldpreis einen rasanten Anstieg verzeichnet, der im Mai 2024 mit einem Rekordhoch von über $2400 pro Feinunze gipfelte. Trotz eines leichten Rückgangs bleibt der Preis auf einem hohen Niveau und ist seit Jahresbeginn um zweistellige Prozentsätze gestiegen. Ein wesentlicher Treiber dieses Anstiegs ist die erhöhte Nachfrage aus China. Die chinesische Zentralbank sowie private und institutionelle Anleger haben in Rekordmengen Gold gekauft, um ihre Devisenreserven zu diversifizieren und unabhängiger vom US-Dollar zu werden. Diese Strategie wird vielerorts als Chinas Reaktion auf die zunehmenden geopolitischen Spannungen mit den USA und die wirtschaftlichen Unsicherheiten verstanden. Kürzlich aber waren Chinas Goldkäufe wieder rückläufig, im April kaufte die Volksrepublik rund 30 Prozent weniger des begehrten Edelmetalls als noch im Monat zuvor. Prompt schwächelte der Goldkurs, Beobachter gehen allerdings davon aus, dass China aktuell nur eine Pause einlegt, um den Markt wieder etwas abkühlen zu lassen und damit die Kosten für weitere Einkäufe zu verringern.

Chinas Goldreserven steigen seit eineinhalb Jahren kontinuierlich an. Im ersten Quartal dieses Jahres kaufte die Volksrepublik mehr als 27 Tonnen, im gesamten letzten Jahr mehr als 220 Tonnen. Der zweite Platz in diesem Ranking geht auf Jahresebene an Polen mit 130 Tonnen und damit nur knapp mehr als der Hälfte. China steht mit Goldreserven von rund 2200 Tonnen auf dem sechsten Platz weltweit, Spitzenreiter sind die Vereinigten Staaten mit mehr als 8000 Tonnen. Deutschland liegt mit rund 3400 Tonnen auf dem zweiten Platz, die Schweiz mit knapp über 1000 mittlerweile einen Platz hinter China. Auch dank des chinesischen Goldhungers wird das Edelmetall immer mehr zum Politikum. Die BRICS-Staaten rund um Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika planen eine gemeinsame Handelswährung, um ihre Unabhängigkeit vom Dollar zu stärken. Eine solche Währung könnte durch eine neue Bank unterstützt werden, die physisches Gold als Kapital hält und die Währung und ihre Kredite mit Gold deckt. Das Kalkül scheint auf der Hand zu liegen: Die neue BRICS-Währung soll durch ihre Gold-Kopplung vertrauenswürdiger und stabiler sein als der jüngst stark inflationierende US-Dollar.

Warum eine Goldwährung den BRICS nützt

Sollte die BRICS-Allianz eine goldgedeckte Währung ernsthaft umsetzen, könnten Handelsüberschüsse in Goldreserven umgewandelt werden, während Länder mit Handelsdefiziten, insbesondere die USA, ihre Goldbestände langsam abbauen müssten. Das könnte die wirtschaftliche Vorherrschaft der USA und des Westens ins Wanken bringen und eine multipolare Weltordnung fördern. Die Umstellung auf eine goldgedeckte Handelswährung wäre jedoch mit erheblichen Kosten verbunden, sowohl für westliche als auch nicht-westliche Volkswirtschaften, die derzeit mit Fiat-Geld operieren. Eine neue Währung könnte den US-Dollar allerdings nicht so ohne Weiteres verdrängen. Jahrzehntelang war der US-Dollar die Leitwährung beim Handel mit Rohstoffen, noch heute sind die allermeisten Länder in der Währung der Vereinigten Staaten verschuldet und benutzen sie primär für ihren Außenhandel. Der US-Dollar wird nicht nur von starken westlichen Institutionen gestützt, sondern ist gleichsam die Eintrittskarte zum Weltmarkt.

Das aber wollen die BRICS langfristig ändern. Russland minimierte schon vor Jahren den Dollar-Anteil am eigenen Ölhandel. Den nächsten Schlag erlitt der sogenannte Petro-Dollar (das Paradigma eines weltweiten Ölhandels in US-Dollar) kürzlich durch Saudi-Arabien: Die Staatsführung entschied vor wenigen Tagen, dass man ein seit 50 Jahren bestehendes Abkommen mit den USA, das die Dominanz des US-Dollars im saudischen Ölhandel zementierte, nicht mehr verlängert. Ein Grund für die Abkehr der BRICS vom US-Dollar sind aktuelle geopolitische Spannungen, etwa zwischen den USA und China, insbesondere im Hinblick auf Handelsstreitigkeiten und Chinas Haltung zu Taiwan. Die Sanktionen gegen Russland und die von der Biden-Administration verhängten Strafzölle haben Peking dazu veranlasst, seine Abhängigkeit vom Dollar zu reduzieren und stattdessen in Rohstoffe wie Gold zu investieren. Eine eigene Währung würde die BRICS-Staaten nicht der Gefahr aussetzen, beim Handel mit einer Fremdwährung – also dem US-Dollar – von ausländischen Gegnern – in diesem Fall den Vereinigten Staaten – sanktioniert zu werden.

Werden Staatsanleihen zur Waffe?

Der erweiterte BRICS-Handelsblock, in dem China eine führende Rolle spielt, hat seine Besorgnis über die makroökonomische Dominanz des Dollars schon mehrfach geäußert und sucht nun also nach alternativen Reservewährungen. Direkte wirtschaftliche Attacken auf den US-Dollar gab es seitens der BRICS bisher nicht, Experten vermuten aber, dass China im Hintergrund bereits den Hebel ansetzt, um die US-Währung zu destabilisieren. Im Fokus stehen dabei nordamerikanische Staatsanleihen. China hält mit fast $800 Milliarden das zweitgrößte Volumen an US-Staatsanleihen, nur übertroffen von Japan mit gut $1.1 Billionen. Chinas Anteil an den ausländischen Schulden der Vereinigten Staaten beträgt fast zehn Prozent. Experten sehen in Chinas großen Beständen an Staatsanleihen der USA eine logische Folge der hohen Fremdwährungsreserven des Exportlandes. Doch die jüngsten Verkäufe von nordamerikanischen Staatsanleihen durch China, das allein im ersten Quartal 2024 fast $50 Milliarden abgestoßen hat, sorgen für Spekulationen über einen verkappten Angriff auf die Wirtschaft der Vereinigten Staaten.

Aber sind medienwirksame Warnungen vor einem Staatsanleihen-Dump aus China überhaupt gerechtfertigt? Laut Marktbeobachtern könnte ein umfangreicher Verkauf von US-Staatsanleihen durch China erhebliche Auswirkungen auf den Wert des Dollars haben. Wenn China, ein bedeutender Gläubiger der USA, beginnt, seine Anleihen in großen Mengen zu verkaufen, würde das Angebot auf dem Markt erhöht, wodurch die Preise der Anleihen sinken. Sinkende Anleihepreise führen zu steigenden Renditen, was die Kosten für die Kreditaufnahme der USA erhöht. Einfach gesagt: Die Vereinigten Staaten müssen Interessenten mehr bezahlen, um die Staatsanleihen loszuwerden – einerseits wegen des sprunghaft steigenden Angebots, andererseits durch das größere Ausfallrisiko, das mit einer solchen Destabilisierung des Anleihenmarktes einher ginge. Warnungen, dass der US-Dollar damit das weltweite Vertrauen verlieren und rapide an Wert verlieren könnte, sind aber eher widersprüchlich. Schließlich würde die Nachfrage nach dem Dollar bei steigenden Anleiherenditen wohl zunehmen, was seine Stärke und Dominanz festigen würde.

Wie geht es weiter mit der chinesischen Wirtschaft?

Argumentiert wird außerdem, dass China durch massenhafte Verkäufe von Staatsanleihen selbst große Verluste machen würde, weil der Preis mit jedem Verkauf weiter gedrückt wird. Laut Experten würde ein Anleihen-Dump zwar kurzfristige Volatilität hervorrufen, würde im Ernstfall aber wohl schnell von der nordamerikanischen Notenbank Federal Reserve (kurz: Fed) aufgekauft. Die Inflation könnte dadurch zwar angeheizt werden, das aber käme wiederum dem Schuldenabbau in jenen Ländern zugute, die ihre Verbindlichkeiten in US-Dollar aufgenommen haben. Ein groß angelegter chinesischer Ausstieg aus US-Staatsanleihen würde dem ostasiatischen Land nicht nur kräftige Renditen und den unmittelbaren Anschluss an den nordamerikanischen Markt kosten, sondern auch die Vereinigten Staaten zwingen, ihre Abhängigkeit vom internationalen Fremdkapital zu verringern. Das könnte kurzfristig ökonomische Verwerfungen, auf längere Sicht aber eine Stärkung der nordamerikanischen Binnenwirtschaft bedeuten. Dass China Staatsanleihen als wirtschaftliche Waffe gegen die USA einsetzt, ist also eher nicht zu erwarten. Die Abhängigkeit der Vereinigten Staaten vom chinesischen Kapital in US-Staatsanleihen scheint ein viel zu großer Trumpf zu sein, um ihn beim Ziel der De-Dollarisierung mithilfe einer eigenen Währung einfach so von der Hand zu werfen. Chinas Gold-Käufe dürften die primäre Strategie bleiben, um die Bande zum Dollar zu lockern. Wer auf den künftigen wirtschaftlichen Erfolg Chinas setzen möchte, bekommt die nötigen Informationen für lukrative Investments in unseren Analysen zum Hang Seng-Index und den wichtigsten chinesischen Aktien. Wer hingegen von den Bewegungen auf dem Goldmarkt profitieren möchte – egal ob auf der Short- oder auf der Long-Seite – hat mit unserer Gold-Analyse das passende Werkzeug an der Hand.

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