SEC geht bei Ripple-Klage in Berufung: Droht der nächste schwache XRP-Bullenmarkt?
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SEC geht bei Ripple-Klage in Berufung: Droht der nächste schwache XRP-Bullenmarkt?

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Simeon Koch

Es gibt da diesen Hollywood-Film aus dem Jahr 1993. Darin geht es um den egozentrischen und zynischen Wettermoderator Phil Connors, der ein und denselben Tag immer wieder erlebt, bis er bereut, wie er andere Menschen behandelt hat und als geläuterter Mann aus dem Teufelskreis ausbricht. Der Streifen ist einer der erfolgreichsten amerikanischen Filme der 1990er und wird von manchen Experten als eine der besten Filmkomödien überhaupt eingestuft. Ähnlich wie Phil Connor im 1990er-Kinokassenschlager Und täglich grüßt das Murmeltier dürften sich aktuell viele XRP-Investoren fühlen. Vor wenigen Stunden wurde bekannt, dass die Börsenaufsicht in den USA gegen den XRP-Betreiber Ripple Labs vor Gericht zieht. Wie jetzt, schon wieder? Zwar gewann Ripple nach Jahren erbitterten Rechtsstreits im August den wohl berühmtesten Krypto-Prozess aller Zeiten und versetzte damit den Altcoin-Sektor in plötzliche Euphorie – nun aber geht die SEC in Berufung. Selbst, wenn Ripple auch diesen weiteren Prozess für sich entscheidet, droht der Firmenwährung XRP ein weiterer verlorener Bullenmarkt – allein schon wegen des langen Schattens der SEC.

Bitwise beantragt XRP-ETF – SEC geht in Berufung

Am Mittwoch sah alles noch so gut aus. Der Krypto-Vermögensverwalter Bitwise hatte eben erst einen offiziellen Antrag auf einen Spot-ETF für Ripples unternehmenseigenen Altcoin bei der SEC eingereicht, die Nachfrage nach XRP schoss an allen Börsen in die Höhe. Der allgemeine Tenor unter Ripple-Fans: XRP sei nach Bitcoin und Ethereum die folgerichtige Wahl für einen ersten kleineren Altcoin-ETF, schließlich habe man seit dem juristischen Triumph über die SEC Anfang August regulatorische Klarheit. So schön diese Story auch klingen mochte, waren die ETF-Träume doch nicht von langer Dauer. Nur wenig später nämlich verkaufte der Coin all seine kurzfristigen Gewinne wieder ab – und fiel sogar noch ein bisschen tiefer als vor der vielerorts frenetisch gefeierten Bitwise-Meldung. Die Freude über einen möglichen XRP-ETF – dessen Zulassung unter den aktuellen Umständen wohl kaum zu erwarten ist – verflog schlagartig, als die Börsenhüter bekanntgaben, ihre Niederlage gegen Ripple anzufechten. Schon Anfang August hatte SEC-Chef Gary Gensler klar gemacht, dass er mit dem Ripple-Urteil alles andere als zufrieden sei. Nun lässt die Behörde also ein weiteres Mal in der Causa XRP Taten folgen.

„Wäre die SEC vernünftig , hätte sie den Fall längst geschlossen, schrieb Ripple-CEO Garlinghouse am Mittwoch auf X.

„Die Entscheidung der SEC, in Berufung zu gehen, ist enttäuschend, aber nicht überraschend“, begann Ripples Chefjurist Stuart Alderoty gestern Nacht deutscher Zeit sein Statement zur erneuten Eröffnung des Verfahrens auf X, vormals Twitter. Die SEC tue sich damit aber keinen Gefallen, bemerkte Alderoty weiter, vielmehr werde „die ohnehin schon peinliche Situation für die Behörde nur noch weiter verschlimmert“. Ripples Rechtspezialist gab außerdem bekannt, dass man in Erwägung ziehe, selbst in Berufung zu gehen und damit auf die neuerlichen Anschuldigungen der Börsenaufsicht zu reagieren. Für Alderoty ist der erneut aufgerollte Ripple-Prozess ein Symbol für politischen Gegenwind im gesamten Kryptomarkt: „Anstatt das Gesetz getreu anzuwenden, führt die SEC unter ihrem aktuellen Vorsitz weiterhin einen Prozesskrieg gegen unsere Branche“ – eine vermeintliche Kampagne, die laut Alderoty „von vornherein irrational und fehlgeleitet“ war. Auch Ripple-Chef Brad Garlinghouse meldete sich via X zu Wort und kündigte an, „so lange wie nötig vor Gericht kämpfen“ zu wollen, um erneut zu beweisen, „was bereits klar ist: Aktuelles Recht belegt, dass XRP kein Wertpapier ist. Und das ändert sich auch nicht durch die Berufung der SEC“.

„Die SEC zerstört ihre eigene Glaubwürdigkeit“

Als wäre der Fall nicht schon pikant genug, wurde es kurz nach Bekanntwerden der Berufung auch SEC-intern turbulent. Nur wenige Stunden nach der Ankündigung, erneut gegen Ripple vor Gericht zu ziehen, verlor die Börsenaufsicht den Leiter ihrer Strafverfolgungsabteilung, Gurbir Grewal, der 2021 zum Leiter der sogenannten Enforcement Division ernannt wurde und am Mittwoch überraschend zurücktrat. Zwar heizte die Meldung von Grewals unerwartetem Rücktritt die Krypto-Gerüchteküche mächtig an, ob sie allerdings unmittelbar mit der Ripple-Berufung in Verbindung steht, ist bisher nicht bekannt. Ebenso unklar ist zum aktuellen Zeitpunkt, gegen welche Aspekte des Gerichtsbeschlusses die SEC vorgehen will, der im Sommer zu Ripples Gunsten ausgefallen war. Damals hatte eine New Yorker Bezirksrichterin entschieden, dass der Handel mit XRP an öffentlichen Börsen nicht unter die Statuten des Wertpapiergesetzes falle, initiale Verkäufe an Investoren zu Beginn des Projekts aber durchaus als Wertpapier-Transaktionen gewertet werden könnten. Ripple wurde zu einer vergleichsweise glimpflichen Geldstrafe von $125 Millionen verurteilt, einigte sich mit der SEC aber darauf, die Zahlung noch nicht zu leisten, weil schon damals eine Berufung seitens der Börsenaufsicht in Erwägung gezogen wurde.

Viele Ripple-Unterstützer machen die erste SEC-Klage für den schwachen Bullenmarkt 2021 verantwortlich. Könnte sich dieses Muster nun wiederholen?

Dass man auch den zweiten Prozess gegen die SEC gewinnen werde, steht für Brad Garlinghouse außer Frage. Der Ripple-CEP tweetete am Donnerstagmorgen: „Wenn Gensler und die SEC vernünftig wären, hätten sie diesen Fall schon lange geschlossen. Damit beschützen sie bestimmt keine Investoren, sondern zerstören nur ihre eigene Glaubwürdigkeit.“ Der Anwalt Jeremy Hogan, der den Ripple-Fall schon länger beobachtet, erklärte in einem Statement, dass die SEC „einen großen Fehler“ mache und selbst im Falle eines Sieges „allerhöchstens mehr Geld von Ripple“ bekomme. Eine Revision des Wertpapier-Urteils sei hingegen eher unwahrscheinlich. Dennoch könnte das Gerichtsverfahren für Ripple und alle XRP-Investoren zu einem ernsten Problem werden. Fred Rispoli, ein weiterer im Krypto-Sektor angesehener Anwalt, schrieb schon kurz nach Bekanntwerden der SEC-Berufung auf X: „Eine Entscheidung des 2. Zivilgerichts wird frühestens im Januar 2026 ergehen, wahrscheinlich eher im März oder April“. Betrachtet man historische Muster und übereinstimmende Prognosen über die mögliche Länge des aktuellen Bullenmarktes, so könnte diese Verzögerung dafür sorgen, dass Ripple den gesamten aktuellen Bullrun über oder zumindest große Teile davon vom Damoklesschwert der neuerlichen SEC-Klage belastet bleibt.

Fällt der Bullenmarkt für XRP ins Wasser?

Bei vielen XRP-Haltern dürfte diese Perspektive böse Erinnerungen an den letzten Bullenmarkt wecken, der aus Sicht vieler Fundamentalanalysten erheblich durch die erste Wertpapier-Klage der SEC belastet wurde. Im Dezember 2020 erhob die Börsenaufsicht zum ersten Mal Vorwürfe gegen Ripple Labs, mit XRP ein illegales Wertpapier zu verkaufen. Der darauffolgende Bullenmarkt fiel enttäuschend aus: Anders als viele damals bereits existierende Altcoins konnte Ripple sein Allzeithoch von Anfang 2018 bei $3.34 bis heute nicht mehr erreichen und kletterte 2021 in der Spitze auf lediglich $1.96. Aus rein technischer (Chart-)Analysesicht ist die Frage über einen möglichen Zusammenhang zwischen der SEC-Klage und dem schwachen XRP-Bullrun irrelevant. Besonders innerhalb der XRP-Community ist dieses Narrativ aber sehr populär. Ripple-Chef Garlinghouse will an XRPs Zukunft jedoch keinerlei Zweifel aufkommen lassen und feuerte gestern schon einmal vorsorglich zurück: „Aus irgendeinem Grund hat die SEC den Schuss immer noch nicht gehört: Sie haben in allen wichtigen Belangen verloren. Ripple, die Krypto-Industrie und der Rechtsstaat haben bereits gesiegt.“

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Simeon Koch

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