Der Sportartikelhersteller Nike hat es durch clevere Vertriebsstrategien und ein herausragendes Marketing in den vergangenen Jahrzehnten geschafft, dass sich die Menschen weltweit gewissermaßen um seine Produkte – vor allen Dingen natürlich um das „Steckenpferd“ des Unternehmens, die in allen Variationen auftretenden Sneaker – reißen. Ja, es gibt durchaus Menschen, die vor Nike-Ladengeschäften campen, um morgens bei Ladenöffnung ein bestimmtes, limitiertes Paar Schuhe zu ergattern. Und das kann auch durchaus lukrativ sein, wechseln besondere Sneaker im Resell – also im Weiterverkauf – doch für teilweise mehrere Zehntausend Euro den Besitzer. Im Zentrum steht hier natürlich eine Art Verknappungsstrategie, sprich: Das Angebot ist deutlich geringer als die Nachfrage. Was sich nun aktuell in den Nike-Warenlagern abspielt, lässt sich gewissermaßen als das komplette Gegenteil bezeichnen: So stapeln sich dort massenhaft Waren, unter anderem eben auch Unmengen an Sneaker.
Lagerbestände in Höhe von knapp $10 Milliarden
Der Wert dieser Lagerbestände ist inzwischen auf unglaubliche $9.7 Milliarden angeschwollen. Weltweit betrachtet entspricht dies einem „Lager-Zuwachs“ von 44%, in Nordamerika waren es gar mehr als 60%. Grund für diesen massiven Überschuss ist die Strategie des Unternehmens, den in den vergangenen Jahren regelmäßig aufgetretenen – und unter anderem coronabedingten – Lieferengpässen aus Asien vorzubeugen. Entsprechend hat man, im Vorfeld des neuen Schuljahrs und auch im Hinblick auf die bald anstehende Weihnachtszeit, die Lager bis oben hin gefüllt. Das „Problem“: Derzeit funktionieren die Lieferketten aus Asien deutlich reibungsloser als zuletzt, zudem hemmen die weltweit vorherrschenden hohen Inflationsraten die Kauflust der Menschen. Im Ergebnis sind die Nike-Lager weltweit nun proppenvoll – und das kostet natürlich.
Notwendige Rabattaktionen drücken den Gewinn
In den vergangenen Wochen setzte der Weltkonzern deshalb auch auf starke Rabattaktionen, was wiederum den Nettogewinn im ersten Quartal (per August) um 22% auf $1.47 Milliarden drückte – und das, obgleich der Tatsache, dass der Umsatz im gleichen Zeitraum währungsbereinigt auf $12.7 Milliarden und somit um rund 10% anstieg. Bereits im ersten Quartal ging die Bruttomarge um 2.2% von 46.5 auf 44.3% zurück, für das laufende Geschäftsjahr rechnet man im Hause Nike erneut mit einem Rückgang zwischen 2 und 2.5%. Finanzchef Matt Fried verwies jüngst zudem darauf, dass allein die Wechselkursentwicklungen in diesem Geschäftsjahr den Umsatz um rund $4 Milliarden reduzieren werden, der operative Gewinn werde in diesem Zuge mit insgesamt $900 Millionen belastet.
Übrigens: Ähnlich gestaltet sich derzeit auch die Situation beim Nike-Erzrivalen Adidas. Auch das Herzogenauracher Unternehmen hat aus Angst vor Lieferausfällen massiv vorgesorgt – und auch hier stapeln sich nun die Waren. Und noch etwas eint die beiden Konkurrenten: Sowohl die Adidas- als auch die Nike-Aktie stehen seit Jahresbeginn über 50% im Minus. Während wir den Adidas-Kursverlauf im Rahmen unseres DAX40-Aktienpakets erst wieder am 12. Oktober für unsere Abonnenten analysieren, stand das Nike-Wertpapier – wie es der Zufall will – erst am vergangenen Sonntag auf dem Programm unseres DOW30-Aktienpakets. Natürlich können wir Ihnen nicht unsere gesamte Analyse offenlegen, was wir Ihnen aber verraten können: Wir gehen primär davon aus, dass sich die Nike-Aktie auf den letzten Metern ihrer langwierigen Korrekturbewegung befindet, entsprechend rechnen wir alsbald mit der bullischen Trendwende. Möglicherweise haben wir diese sogar bereits gesehen…



