Seit längerer Zeit schon schwirren Gerüchte und Andeutungen herum, dass die Volkswagen Gruppe die Luxusautomarke Porsche als eigenes Unternehmen an die Börse bringen will. Gestern wurde dies nun offiziell bestätigt, auch wenn es schon für viele Marktteilnehmer klar war. Mit einer gestern publizierten Absichtserklärung gab der Konzern bekannt, dass man schon Ende September oder Anfang Oktober den Prozess des Börsengangs anstoßen möchte, sodass eine Listung bis Ende des Jahres erfolgen sollte. Verzögern könnte sich diese Entwicklung aber mit Blick auf die schwache Finanzmarktlage.
Die geschätzte Werteinstufung der Listung sollte im Rahmen von €60 – €85 Milliarden liegen, was nicht nur einer der größten Börsengänge in dem sehr schwachen IPO-Jahr 2022, sondern auch der größte deutsche Börsengang nach 1999 werden könnte, so Refinitiv. Mit seinem Anteil von 4.99% wird Katar einer der größten Geldgeber in diesem Projekt, Porsche auf die börsliche Piste zu bringen. 25% und ein weiterer Anteil werden an die Porsche SE gehen, welche bereits unter der Leitung der Gründerfamilien im DAX notiert, sodass diese auch mit der Listung der Automarke ein Vetorecht beibehalten werden. Vorzugsaktien können zudem Europäer erwerben, um die regionale Marke durch europäische Gelder zu stützen.
Der Zeitpunkt der Listung hänge aber stark davon ab, wie sich die Markterwartung entwickelt. Über das gesamte Jahr zeigten sich die Finanzmärkte sehr schwach und stellen somit gefährliches Fahrwasser für Börsengänge dar. Im Falle einer Überbewertung des Ausgabepreises könnte die neu gelistete Aktie direkt in eine Abwärtsspirale rutschen, die dann das Vertrauen potenzieller Anleger zusätzlich mindern und somit den gegenteiligen Effekt erzielen würde. Auch andere Luxusautobauer, wie Ferrari und Aston Martin, erlebten zuletzt Kurseinbrüche. Selbst ein operativer Gewinnzuwachs von 22% im ersten Halbjahr könnte da nicht reichen, um die Anleger zu überzeugen.
Wenn man die IPO-Pläne im fundamentalen Kontext betrachtet, so scheint es auch schwierig zu sein, das Geschäftsmodell im Kontext massiver Inflation und politischer Unsicherheit als essenziell zu betrachten. Schließlich produziert das Unternehmen Luxusgüter, welche gerade in schwierigen Zeiten auf der Prioritätenliste nach unten rutschen. Dennoch ist die Listung aber im Sinne der Gründerfamilien, denn so können sie eine größere Kontrolle über die Marke gewinnen, welche im aktuellen Konstrukt der Volkswagen Gruppe deutlich geringer ist. Dass das Unternehmen gelistet wird, steht für VW scheinbar außer Frage. Über das Timing der Listung zerbricht man sich aber entsprechend den Kopf.




