Nach 27 Jahren: Rio Tinto gibt Startschuss zum größten Bergbauprojekt der Welt
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Nach 27 Jahren: Rio Tinto gibt Startschuss zum größten Bergbauprojekt der Welt

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Florian Winter

Bereits im Dezember 2023 teilte das Bergbauunternehmen Rio Tinto mit, dass man „die größte Investition der nächsten Jahre“ in Guinea tätigen werde. Nun wurden diese Pläne vom Vorstand abgesegnet. Gemeinsam mit der guineischen Regierung und wohl sieben weiteren Unternehmen – inklusive eines chinesischen Konsortiums – wird das nach Marktkapitalisierung zweitgrößte Bergbauunternehmen der Welt aller Voraussicht nach im westafrikanischen Land eine Eisenerzmine samt umfangreicher Infrastruktur aus dem Boden stampfen. So soll im Simandou-Gebirge eines der weltweit größten Vorkommen der zur Eisenproduktion benötigen mineralischen Substanz begraben liegen. Der Abbau wird Rio Tinto zufolge planmäßig bereits im Jahr 2025 anlaufen. Ab 2028 soll das Projekt seine volle Kapazität von etwa 60 Millionen Tonnen pro Jahr erreichen, was fünf Prozent des weltweiten Seehandels mit Eisenerz entsprechen würde. Insgesamt sollen sich die Kosten für die Mine und die dazugehörige Eisenbahn- und Hafeninfrastruktur auf rund $20 Milliarden belaufen, $6.2 Milliarden entfallen hierbei wohl auf den in London ansässigen Konzern.

Fast drei Jahrzehnte und sechs CEOs später 

Der britisch-australische Bergbau-Gigant hatte bereits im Jahr 1997 eine Explorationslizenz für die Simandou-Berge in Guinea erhalten, legte die Pläne in Folge jedoch auf Eis, da es in dem Land zu schweren politischen Turbulenzen kam, welche Jahrzehnte andauerten. In den Folgejahren musste Rio Tinto die Hälfte der ursprünglichen Explorationslizenz aufgeben und erwog zwischenzeitlich sogar, das ganze Projekt abzublasen. Doch der sechste CEO seit dem Erwerb der Abbau-Genehmigung, Jakob Stausholm, konnte diese Woche endlich verkünden, dass „der Vorstand dem größten Bergbauprojekt nun zugestimmt“ habe. Mit einem Umfang von etwa $20 Milliarden gilt das Simandou-Projekt als das größte Eisenerzprojekt der Welt, im Gebirge sollen bis zu 2.8 Milliarden Tonnen schlummern. Mit einem durchschnittlichen Eisengehalt von etwa 65.3 Prozent und minimalen Verunreinigungen handelt es sich um Eisenerz mit vergleichsweise hoher Qualität. Dem Vorstandsvorsitzenden des Tochterunternehmens Rio Tinto Copper, Bold Baatar, zufolge gibt es “nichts Vergleichbares in dieser Größenordnung und Dimension“.

Aufgrund der schieren Größe des Projekts hat sich Rio Tinto nicht nur die guineische Regierung, sondern auch eine Handvoll chinesischer Unternehmen an Bord geholt. Das Bauprojekt soll letztlich zwei Eisenerzminen umfassen. Die Mine mit dem Namen Simfer entsteht hierbei in Zusammenarbeit zwischen Rio Tinto und dem chinesischen Chinalco-Konzern, der als weltweit größter Aluminiumproduzent gilt. Rio Tinto wird einen Anteil von 53 Prozent innehaben, während Chinalco und sein Konsortium die verbleibenden 47 Prozent kontrollieren. Die zweite Mine, als WCS-Projekt bezeichnet, soll von Baowu, einem führenden chinesischen Stahlhersteller, sowie unter anderem der Winning International Group aus Singapur betrieben werden. Hier wird Baowu 49 Prozent der Anteile halten. Die Finanzierung der oben angesprochenen Infrastrukturen soll von allen Beteiligten gemeinsam gestemmt werden.

Rückläufiger Umsatz, rückläufiger Gewinn, rückläufige Dividende 

Kürzlich erst veröffentlichte Rio Tinto die Zahlen zum vergangenen Geschäftsjahr. Daraus ging hervor, dass der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um drei Prozent auf $54 Milliarden gesunken ist. Auch beim Nettogewinn musste der Konzern ein deutliches Minus hinnehmen, nach $12.39 Milliarden im Jahr 2022 schlugen die letzten zwölf Monate mit lediglich $10.06 Milliarden zu Buche. Begründet werden kann dieser rund 19-prozentige Rückgang mit den im vergangenen Jahr stark gefallenen Preisen für die Industriemetalle Aluminium und Kupfer sowie einer Abschreibung einer Aluminiumproduktionsstätte in Australien. Positiv auf die Ergebnisse wirkten sich hingegen gestiegene Eisenerzpreise aus. Ebenfalls rückläufig ist die Dividende: Während hier im Jahr 2022 noch je Aktie $4.92 ausgeschüttet wurden, erhielten Investoren pro Anteilsschein im letzten Jahr $4.35.

Rio Tinto in der Kritik

Rio Tinto geriet in den vergangenen Jahrzehnten aufgrund seiner Geschäftspraktiken mehrfach in die Kritik, im Jahr 2020 machte das Unternehmen Schlagzeilen im Rahmen des Juukan-Gorge-Vorfalls. Damals wurden bei der Erweiterung eines australischen Eisenerzbergwerks 46 000 Jahre alte Höhlen der indigenen Bevölkerung zerstört. Dies löste weltweite Empörung aus und führte zum Rücktritt des damaligen CEO sowie weiterer Führungskräfte. Darüber hinaus sieht sich das Unternehmen immer wieder mit Vorwürfen hinsichtlich potenzieller Umweltzerstörung – etwa in der Mongolei –, Menschenrechtsverletzungen und der übermäßigen Ausbeutung natürlicher Ressourcen konfrontiert. Der Konzern hat in den vergangenen Jahren Schritte unternommen, um seine Reputation zu verbessern, führte strengerer Standards und transparenterer Geschäftsverfahren und setzte auf intensiven Dialog mit ansässiger Bevölkerung an Produktionsorten.

So steht’s um die Rio Tinto-Aktie

Wenngleich das Rio Tinto-Wertpapier (noch) nicht zu unseren Produkten zählt, möchten wir Ihnen abschließend einen exklusiven Einblick in unsere Analyse gewähren: Wir verorten den Anteilsschein seit dem Hoch der Welle I im Jahr 2008 in einer äußerst komplexen Korrekturbewegung. In deren Rahmen lief der Titel 2021 gar auf ein neues Allzeithoch, wir bewerten diese Anstiege jedoch als rein korrektiv. Primär rechnen wir für den weiteren Verlauf mit abermaligen Höchstständen deutlich oberhalb der GBX 6788-Marke, ehe die Aktie mit dem Hoch der (korrektiven) Welle [B] die finale Etappe der Korrektur einleiten und im Zuge einer [C]-Welle bis weit unter die Unterstützung bei GBX 4354 abverkaufen sollte. Zu 35 Prozent ist es im Rahmen unseres Alternativszenarios zudem möglich, dass das Top der Welle alt.[B] mit dem letzten Hoch bereits etabliert wurde, in diesem Fall würde es zum Abschluss der Korrektur auf direktem Wege unter die besagte GBX 4354-Marke gehen. Erst mit dem Tief der großen Welle II in Weiß im Rücken sollte sich der Anteilsschein dann endlich wieder nachhaltig gen Norden schieben.

Der Rio Tinto-Wochenchart. 

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