„Liefer-Krieg“ in China: Gewinn von Meituan fällt um fast 90 Prozent
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„Liefer-Krieg“ in China: Gewinn von Meituan fällt um fast 90 Prozent

Author

Esma Sakalli

Die wichtigsten Punkte

Meituan, Chinas größter Essenslieferdienst, verzeichnete im zweiten Quartal einen Gewinneinbruch von 89 Prozent – ein dramatischer Einbruch, ausgelöst durch einen brutalen Subventionskrieg mit JD.com und Alibaba, regulatorischen Druck und den Versuch, mit einer milliardenschweren Expansion nach Hongkong, Saudi-Arabien und Brasilien dem heimischen Marktchaos zu entkommen.

Ein Markt im Ausnahmezustand

Chinas Lieferbranche gleicht derzeit einem Schlachtfeld, und im Zentrum dieses Sturms steht Meituan. Das Unternehmen, das einst fast mühelos den Essensliefermarkt dominierte, verzeichnete im zweiten Quartal einen beispiellosen Gewinneinbruch: Der bereinigte Nettogewinn schrumpfte um 89 Prozent. Was auf den ersten Blick wie eine Zahl unter vielen wirkt, markiert in Wahrheit einen Wendepunkt. Denn in einem Sektor, in dem Geschwindigkeit und Masse über Erfolg entscheiden, bedeutet jeder Prozentpunkt Verlust an Marge zugleich ein Angriff auf die Stabilität des Systems.

Bis die türkisfarbene Welle B abgeschlossen ist, sollte die Aktie von Meituan in unserem  Primärszenario noch ein Stück weiter fallen. 

Analysten schätzen, dass Meituan noch immer rund 70 Prozent des chinesischen Marktes hält, doch dieser Vorsprung ist trügerisch. Wettbewerber wie JD.com und Alibaba investieren Milliarden, um den Kundenstrom in ihre Richtung umzuleiten. Die Branche, so warnen Marktbeobachter, hat längst die Phase normaler Konkurrenz verlassen und ist in einen Lieferkrieg eingetreten, dessen Ausgang noch niemand absehen kann.

Strategien zwischen Preiskrieg und Regulierung

Meituan reagiert mit einer Mischung aus Abwehr und Offensive. Einerseits fließen gewaltige Summen in Subventionen, Rabatte und Treueprogramme, die kurzfristig Kunden an die Plattform binden sollen. Andererseits versucht das Management, die Marke über Servicequalität, Angebotsvielfalt und technische Innovation abzusichern. Doch diese Gratwanderung birgt Gefahren. Je mehr Geld in Preisnachlässe fließt, desto mehr geraten die Gewinnmargen unter Druck, während die Konkurrenz die Spirale immer weiter anheizt.

Gleichzeitig verschärft sich der regulatorische Druck. Chinas Behörden haben klargemacht, dass ruinöse Preiskriege nicht im Sinne des Marktes sind. Die Konzerne wurden öffentlich ermahnt, ihre Strategien anzupassen. Meituan, JD.com und Alibaba gaben daher Erklärungen ab, in denen sie Besserung versprachen. Doch wie ernst diese Versprechen genommen werden, bleibt offen. Hinter den Kulissen fürchten viele, dass die Unternehmen schlicht keine Wahl haben, wenn sie nicht Marktanteile opfern wollen. Für Anleger ist das ein Spiel mit dem Feuer: Schon jetzt ist die Aktie um mehr als 20 Prozent gefallen – ein klares Signal dafür, dass das Vertrauen bröckelt.

Flucht nach vorn: Expansion ins Ausland

Während der Heimatmarkt in erbitterten Grabenkämpfen versinkt, sucht Meituan nach Rettungsinseln jenseits der Landesgrenzen. Die internationale Offensive ist bemerkenswert: Mit der Keeta-App expandiert das Unternehmen nach Hongkong, Katar und Saudi-Arabien, während gleichzeitig eine Investition von einer Milliarde Dollar in Brasilien angekündigt wurde. Diese Schritte sind mehr als bloße Diversifikation – sie sind ein Versuch, das Geschäftsmodell gegen den Druck im Kernmarkt abzusichern.

Doch auch hier lauern Unwägbarkeiten. Neue Märkte bedeuten neue kulturelle, logistische und regulatorische Herausforderungen. Ob die Marke Meituan dort dieselbe Anziehungskraft entfalten kann wie in China, ist offen. Dennoch deutet die Geschwindigkeit, mit der die Expansion vorangetrieben wird, auf eine gewisse Verzweiflung hin: Das Unternehmen muss zeigen, dass es trotz aller Rückschläge Zukunft hat. Für Beobachter bleibt deshalb die zentrale Frage: Wird Meituan mit seiner Doppelstrategie aus internationalem Wachstum und nationalem Durchhaltewillen den Spagat schaffen – oder ist der einstige Gigant dabei, an den eigenen Ambitionen zu zerbrechen?

FAQ

Was macht die Firma Meituan?
Meituan ist Chinas größter Online-Dienstleister für Essenslieferungen und Soforteinkäufe und betreibt zusätzlich Angebote wie Hotel- und Ticketbuchungen, Fahrradverleih und digitale Services. Über die Plattform werden Milliarden von Transaktionen zwischen Konsumenten und Händlern abgewickelt.

Wem gehört Meituan?
Meituan ist an der Hongkonger Börse gelistet und gehört mehrheitlich seinen Aktionären. Gründer und CEO Wang Xing hält über Stimmrechtsstrukturen weiterhin großen Einfluss auf die Unternehmensführung.

Was ist der Slogan von Meituan?
Der offizielle Slogan lautet sinngemäß „We help people eat better, live better“. Er betont Meituans Anspruch, mit digitalen Services das tägliche Leben bequemer und vielfältiger zu gestalten.

Ist die Meituan-Aktie ein guter Kauf?
Die Aktie steht wegen starker Konkurrenz und sinkender Gewinne unter Druck und ist zuletzt deutlich gefallen. Ob sie ein guter Kauf ist, hängt von der Risikobereitschaft ab – Optimisten setzen auf internationale Expansion, Pessimisten sehen weiter Druck im Heimatmarkt.

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Esma Sakalli

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