Ethereum setzte jahrelang auf Zusatznetzwerke (Layer-2-Bockchains) für mehr Tempo und günstigere Gebühren. Jetzt warnt Vitalik Buterin vor Copy-Paste-Chains – und will plötzlich alles umwerfen, was in den letzten Jahren entwickelt wurde. Was bedeutet das für ETH?
Ethereum lebte zuletzt von einer klaren Story: Die Layer 1 (L1) bleibt schlank und sicher, die Geschwindigkeit kommt über Layer 2 (L2). Nun stellt ausgerechnet Mitgründer Vitalik Buterin diese Erzählung infrage. Auf Farcaster schreibt er, das Bauen immer neuer EVM-Ketten (Ethereum Virtual Machine) sei zu bequem geworden und führe in eine Sackgasse. Sein Fazit fällt entsprechend hart aus. Er schreibt: „We don't need more copypasta EVM chains“.
Vitalik Buterin kritisiert die wachsende Zahl sogenannter Copy-Paste-Chains, also schnell geklonter Netzwerke ohne echte technische Neuerung. Gleichzeitig gerät die bisherige ETH-These ins Wanken, wonach Skalierung ausschließlich über Zusatznetzwerke laufen soll, also Layer-2-Blockchains wie Optimism und Arbitrum. Zusatznetzwerke sollen sich künftig stärker spezialisieren und ihre Sicherheitsarchitektur nachvollziehbar belegen. Auch Corporate-L2s wie die Base-Blockchain von Coinbase reagieren und betonen, dass ein bloßes „Ethereum, nur günstiger“ als Konzept nicht ausreicht.
Was sind Layer 1 und Layer 2 – wozu gibt es Rollups?
Auf L1 passiert bei Ethereum das, was zählt: Transaktionen werden final, und die Sicherheitsregeln gelten für alle. L2 sind zusätzliche Netzwerke „oben drauf“. Sie bündeln viele Transaktionen, führen sie dort günstiger aus und schreiben nur das Ergebnis zurück auf L1. Diese Bündeltechnik heißt Rollup. Die Vision dahinter: L2s sollten wie „branded shards“ wirken – eng gekoppelt und so vertrauensarm wie möglich. In der Realität hängen viele L2s aber noch an zentralen Sequencern oder Multisig-Brücken.
Warum Buterin nun lieber die Basis-Kette skaliert
Buterins Kernthese ist unbequem: Wenn L1 selbst skaliert, wird „Wir bauen noch eine L2“ zur Ausrede. Er schreibt, Ethereum bringe „lots of EVM blockspace“ – nicht unendlich, aber genug. Gleichzeitig warnt er vor „shallow“ Anbindungen wie einer optimistic bridge mit „1 week delay“.
Dass der Druck real ist, zeigen die Reaktionen aus dem L2-Lager. Optimism-Mitgründer Karl Floersch räumt ein: „Stage 2 isn't production-ready.“ Base-Chef Jesse Pollak nennt L1-Skalierung „a win for the entire ecosystem“. Und er betont, L2s dürften nicht nur „Ethereum but cheaper“ sein. Fidelity verweist zudem darauf, dass kommende Upgrades die Datenkapazität („Blobs“) erhöhen sollen.
Base, Robinhood: Wird Ethereum institutionell schwächer?
Arbitrum-Mitgründer Steven Goldfeder warnt vor einem falschen Signal. Wenn Ethereum Rollups als Störfaktor behandle, könnten Institutionen eigene Layer-1-Ketten starten.
Zugleich investieren große Plattformen weiter in Ethereum-nahe Infrastruktur. Robinhood kündigte mit der „Robinhood Chain“ eine Ethereum-L2 auf Arbitrum-Technologie an, optimiert für reale Vermögenswerte. Damit steht die Grundfrage im Raum: Wird Ethereum für Institutionelle weniger interessant – oder gerade wieder „einfacher erklärbar“ als modularer Standard?
Überlebt Ethereum den Strategiewechsel?
Kurzfristig ist das kein Abgesang, sondern ein Reframing: weniger Copy-Paste, mehr Spezialisierung, mehr echte Verbindung zur Basiskette. Buterin formuliert dafür eine Leitplanke: „vibes need to match substance.“
Langfristig entscheidet sich Ethereums Rolle daran, ob L1-Skalierung gelingt, ohne Dezentralität zu opfern. Und ob L2s einen Mehrwert liefern, der über „billiger“ hinausgeht. Dass die Ethereum-Foundation parallel stärker über Strategie und institutionelle Akzeptanz diskutiert, passt zu dieser Zuspitzung.
Performance Vergleich L2 Chains
Die prozentuale Performance von Ethereum (ETH) im Vergleich zu anderen Layer-2-Chains wie POL, ARB und OP ist über die vergangenen Monate deutlich besser. Während die L2-Tokens teils starke Verluste von über 60 – 80 Prozent aufweisen, liegt ETH mit einem Verlust von rund 18 Prozent signifikant darüber und zeigt insgesamt eine wesentlich stabilere Entwicklung. Das unterstreicht, dass Ethereum als Basis-Layer gegenüber seinen L2-Ökosystem-Tokens aktuell eine klare relative Stärke aufweist.
Was bedeutet das für Ethereum-Halter?
Für Anleger könnte das kurzfristig mehr Unsicherheit ins ETH-Narrativ bringen – und damit auch mehr Volatilität. Wenn Ethereum die Skalierung wieder stärker auf Layer 1 (L1) konzentriert, kann das mittelfristig positiv sein, weil die Wertschöpfung klarer auf der Basiskette liegt und Gebühren-/Sicherheitslogik einfacher zu erklären werden.
Gleichzeitig entsteht ein Risiko: Sollte der Strategiewechsel als Richtungsstreit wahrgenommen werden oder L2s an Dynamik verlieren, könnten Teile des Wachstums zu alternativen, „einfacher“ positionierten Chains abwandern. Was das charttechnisch für Ethereum im Portfolio bedeutet, zeigt die detaillierte Einordnung im Rahmen unserer Ethereum-Analyse, die bei uns erworben werden kann.
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