IPOs 2024: TikTok, Discord und Douglas wollen an die Börse
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IPOs 2024: TikTok, Discord und Douglas wollen an die Börse

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Simeon Koch

„Wenn du Millionen machen willst, dann schau dir das hier an“, lässt der indische Autor Ravindra Shukla einen der Protagonisten seines Buches A Maverick Heart (zu Deutsch etwa: Herz eines Einzelgängers) sagen. In der Geschichte wandern zwei Technologie-Studenten in die Vereinigten Staaten aus, um sich ein neues Leben aufzubauen. In besagter Szene sehen die beiden Fernseh-Nachrichten über den Börsengang (engl.: Initial Public Offering; kurz: IPO) eines großen Unternehmens und einer von ihnen ist sich sicher: „Du kannst keine $10 Millionen verdienen. Keiner verdient so viel. Es gibt nur zwei Möglichkeiten: Entweder, du klaust so viel Geld oder du machst $10 Millionen mit einem IPO“. Und tatsächlich: Frühe Mitarbeiter von Microsoft oder Apple, die ihren Lohn damals teilweise in Anteilsscheinen bezogen, wurden mit den Börsengängen der ehemaligen Startups zu Millionären. Aber auch für Normalsterbliche sind die ersten Aktien-Ausgaben großer Konzerne äußerst interessant. In diesem Jahr scharren gleich mehrere Multimilliarden-Titel mit den Hufen, um an internationalen Handelsplätzen gelistet zu werden. Darunter der TikTok-Entwickler Bytedance, das populäre Social-Media-Netzwerk Reddit oder der Bankdienstleister Klarna.

Milliarden-Netzwerk TikTok bleibt in China

Bei einem Börsengang gibt ein Unternehmen zum ersten Mal öffentliche Aktien aus, private Anteile können intern auch schon vorher verteilt werden, so wie bei Microsoft oder Apple. Die Börsenlistung ist in der Regel an strenge Auflagen geknüpft und wird von nationalen Behörden überwacht. In Deutschland spielt die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungen (BAFin) hierbei eine Hauptrolle, in den USA überprüft die nordamerikanische Börsenaufsicht (engl.: Securities and Exchange Commission; kurz: SEC) die nationalen IPO-Aspiranten. Ein Börsengang ist aufwendig und teuer: Häufig dauert der Prozess mehrere Monate, Investmentbanken müssen als Unterstützer überzeugt und umfangreiche Finanzpläne aufgestellt werden. In den Vereinigten Staaten gilt die Bewertungsmarke von $1 Milliarde als inoffizielle Voraussetzung für einen Börsengang. Diese Hürde überspringen die hier vorgestellten Kandidaten mit Leichtigkeit, allen voran die wohl populärste und gleichzeitig umstrittensten Kurzclip-Plattform der Welt: Viel wurde über TikTok in den letzten Jahren diskutiert. Erst entpuppte sich die Kurzvideo-Plattform dank skurriler Tanz-Trends zum neuen Stern am Social-Media-Himmel, dann geriet sie in Verdacht, Nutzerdaten illegal weiterzugeben, mit der chinesischen Regierung unter einer Decke zu stecken und den Jugendschutz zu missachten. Die EU verhängte im letzten Herbst eine Strafe von rund $350 Millionen gegen TikTok, auch in den Vereinigten Staaten ging es heiß her.

2020 kündigte die nordamerikanische Regierung unter Donald Trump ein Verbot des Netzwerks an, das mittlerweile mehr als eine Milliarde monatliche Nutzer auf sich vereint, nun aber eine „Gefahr für die nationale Sicherheit“ darstelle. Dann kam der aktuelle Präsident Joe Biden an die Macht und machte alles rückgängig. Ursprünglich hatte ByteDance, TikToks gut $400 Milliarden schwerer Mutterkonzern, schon vor Jahren einen Börsengang in den USA anvisiert, diese Pläne wurden von Trumps China-Politik aber zerschlagen. Mit dem politischen Richtungswechsel unter Joe Biden wurde ein Aktien-Start in den USA wieder interessant, schließlich gehört ByteDance mit einer ganzen Reihe international operierender Sozialer Netzwerke mittlerweile zu den Brancheführern und arbeitet auch fleißig an Innovationen durch Künstliche Intelligenz. Nun aber grätscht China selbst dazwischen und will den Börsengang im eigenen Land veranstalten. Ausländische Anleger werden wohl trotzdem investieren können – der momentan hochinteressante chinesische Markt dürfte in den nächsten Jahren schließlich viele äußerst lukrative Investment-Chancen bieten.

Hedgefonds-Schreck und Gamer-Liebling bald im Nasdaq?

Alte Hasen in Sachen Social Media sind Discord und Reddit. Discord ist wohl allen Gamern weltweit ein Begriff, die Plattform ermöglicht Echtzeit-Kommunikation in Chats und Live-Gesprächen, auch Streaming und gemeinsames Daddeln direkt auf der Plattform werden unterstützt. Die Plattform wurde 2015 gegründet und verzeichnet mittlerweile eine gute Viertelmilliarde Nutzer. Discord kooperiert seit einiger Zeit mit Google, erst kürzlich investierte Sony und integrierte den Sprach-Chat auf seiner neusten Flaggschiff-Konsole, der Playstation 5. Alles andere als unbekannt ist Börsianern auch der Name der zweiten großen nordamerikanischen Social-Media-Plattform, die im laufenden Jahr ihr Aktien-Debüt feiern will: 2021 machte sich Reddit einen Namen an der Wallstreet, als Nutzer des Netzwerks sich absprachen, um die Aktie des kriselnden Computerspiel-Händlers GameStop in großen Mengen zu kaufen. Der Preis explodierte völlig unerwartet, mehrere Hedgefonds verloren Milliarden, weil sie auf fallende Kurse gewettet hatten, einige große Investmentfirmen gingen gar in Konkurs. Reddit wurde auch für seine Vorreiter-Rolle in der Meme-Kultur bekannt – ein Trend, der sich in Form der Meme-Coins auch auf den Krypto-Markt ausweitete. Immer wieder erfahren Spaßprojekte wie Doge Coin oder Pepe immense Kursanstiege, auch dank ihrer Popularität in Reddit-Foren. Ob sich Reddit-Fans nach dem Börsengang auch auf die neue Aktie ihrer Lieblingsplattform einschießen, bleibt abzuwarten. Beide Titel vereinen jedenfalls eine breite Community hinter sich und dürften sich großer Beliebtheit erfreuen.

In den USA bahnt sich derweil eine weitere IPO-Sensation an: Der chinesische Onlinehandel-Gigant Shein soll die nordamerikanische Börsenaufsicht schon Ende vergangenen Jahres diskret über seine Börsenpläne in Kenntnis gesetzt und entsprechende Banken mit der Durchführung beauftragt haben. Mit einer Bewertung von rund $66 Milliarden steht damit der größte Börsengang seit Jahren auf dem Programm. Im Bereich Fast Fashion stieg Shein dank günstiger Preise und gigantischer Auswahl in den letzten Jahren zu einem der weltweit dominanten Player auf. Experten schätzen den Marktanteil im Billigmode-Segment der USA auf mittlerweile knapp 40 Prozent ein. Und wo Onlinekäufe in Massen getätigt werden, darf auch die Zahlungsabwicklung nicht fehlen: Ende 2023 schrieb der schwedische Transaktionsdienstleister Klarna zum ersten Mal seit vier Jahren grüne Zahlen, was in der hart umkämpften Branche ein klares Zeichen der Stärke ist, und künftige Profitsprünge erwarten lässt. Nach rund $200 Millionen Verlust im Jahr 2022, erwirtschaftete Klarna in den vergangenen zwölf Monaten einen Gewinn von $12 Millionen vor Steuern, der Unternehmenswert wird derzeit auf rund $7 Milliarden beziffert. Zwar sieht sich Klarna in seiner Sparte mit potenter Konkurrenz konfrontiert, der Börsengang wird dennoch mit großer Spannung erwartet.

Frische Aktien auch in Deutschland

Und dann ist da natürlich noch der Heimatmarkt, denn auch in Deutschland stehen wieder gewichtige Börsenlistungen an. Und das ist ein gutes Zeichen: Denn zuletzt hatte die geopolitische Unsicherheit das IPO-Geschäft erlahmen lassen. Die globale politische Krisenstimmung mit Kriegen und Krisen „verunsichert die Märkte und ist schlecht für einen Börsengang. Das würde das Interesse von Investoren und die Erlöse erheblich schmälern, konstatierte Volker Bosse, Analyst von der Baader Bank – das könne aber auch ein Vorteil sein für Unternehmen, die sich jetzt wieder trauen: Bereits im ersten Quartal will Douglas vorlegen und den ersten großen deutschen Börsengang des Jahres verkünden. Die Parfümkette hatte schon vor einigen Jahren Aktien ausgegeben, wurde 2013 aber wieder von der Börse genommen. Eine anonyme Quelle aus dem Umfeld des Unternehmens gab erst kürzlich eine Wasserstandsmeldung: „Die Vorbereitungen für einen Börsengang laufen auf Hochtouren. Douglas ist Marktführer, wächst stark und ist sehr profitabel – das sind entscheidende Faktoren für Investoren“. Im letzten Geschäftsjahr konnte Douglas seinen Umsatz erstmals auf über 4€ Milliarden hochschrauben, ein Plus von rund zwölf Prozent.

Nach einem Vorjahresverlust von 313.8€ Millionen schob sich auch Douglas mit einem Plus von 16.7€ Millionen im abgelaufenen Geschäftsjahr wieder in die Gewinnzone. Nach dem Börsengang soll das Filialnetz ausgebaut werden, momentan beschäftigt Douglas rund 18 000 Menschen in europaweit 1850 Geschäften. Ausbauen will auch der deutsche Mobilitätsanbieter Flix, der seine Fernbusse und Züge in mittlerweile mehr als 40 Ländern starten lässt, und beeilt sich ebenso wie Douglas, noch im ersten Quartal des aktuellen Jahres an die Börse zu rollen. Insgesamt dürften all diese Neuankömmlinge die Märkte sowohl in Deutschland als auch in den USA beflügeln. Neue Investitionen sind gut für die Gesamtwirtschaft, hierzulande repräsentiert vom Deutschen Aktien-Index (DAX), in den USA vom Standard and Poor’s 500. Reddit will außerdem an der Technologie-Börse Nasdaq starten, deren Index wir ebenso wie die obengenannten regelmäßig analysieren. Außerdem dürfte die innovative Konkurrenz der frischgebackenen Börsenteilnehmer auch den Fortschritt bei den wichtigsten DAX40-Unternehmen und den größten Konzernen der Vereinigten Staaten beleben – und das ist für Anleger im Allgemeinen eine gute Nachricht. Frisch gelistete Aktien zu handeln bietet zwar hohe Renditemöglichkeiten, da sich der angemessene Preis an den öffentlichen Märkten noch finden muss und gerade bei populären Werten zu Beginn stark ansteigen kann (Coinbase etwa stand nach einem Emissionspreis von $200 bei einem ersten Börsenpreis von $328.28). Die starke Volatilität kann den Kurs aber natürlich auch erstmal nach unten drücken. Wieder einmal greift eine der wichtigsten Börsenregeln: Hohe Profitchancen bedeuten hohes Risiko.

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Simeon Koch

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