Das Wichtigste in Kürze
- Teslas Cybercab startet erstmals kommerziell – ganz ohne Lenkrad und Pedale.
- Die Tesla-Aktie sprang gestern zeitweise acht Prozent nach oben.
- Auch SpaceX legt kräftig zu – Starlink verbindet beide Musk-Projekte.
Guten Morgen!
"Wir betreten eine goldene Ära der Fortbewegung": Mit diesen Worten begleitete Tesla-Chef Elon Musk gestern den Betriebsstart des lange angekündigten Cybercabs in Austin – und die Anleger reagieren euphorisch. Der neue Tesla-Zweisitzer kommt ohne Lenkrad und Pedale aus und wird zunächst in begrenzten Bereichen für zahlende Kunden eingesetzt. Gleichzeitig rückt auch SpaceX wieder stärker in den Fokus: Starlink soll direkt in die Cybercabs integriert werden. Für Musk könnte damit eine neue Ära beginnen.
Das Cybercab ist da – und Tesla zurück im Robo-Rennen
„Das Cybercab ist da. Es ist wirklich da“, sagte Teslas KI-Chef Ashok Elluswamy bei der Präsentation in Austin. Der futuristische Zweisitzer mit Flügeltüren ist das erste Tesla-Fahrzeug, das von Beginn an für den vollständig autonomen Betrieb entwickelt wurde. Lenkrad und Pedale fehlen vollständig. Zunächst sind allerdings nur Fahrten in ausgewählten Gebieten von Austin möglich.
Das Cybercab fährt autonom und nutzt Starlink. Aber Tesla ist längst nicht mehr allein im umkämpften Markt der selbstfahrenden Taxis.
Damit wird aus einem jahrelang angekündigten Zukunftsprojekt erstmals ein kommerziell nutzbares Produkt. Tesla bietet nach eigenen Angaben bereits bezahlte Fahrten an, der öffentliche Start soll in Austin am Freitag folgen. Die Preise sollen sich dynamisch an der Nachfrage orientieren. Tesla verspricht ein hochwertiges Mobilitätsangebot zu vergleichsweise niedrigen Kosten – doch genau das muss sich nun erst in der Praxis beweisen.
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Denn beim autonomen Fahren liegt Tesla weiterhin hinter Waymo zurück. In Texas sind nach Angaben der Behörden derzeit 420 autonome Tesla-Fahrzeuge registriert, darunter 45 Cybercabs. Waymo kommt auf 988 Fahrzeuge. Auch regulatorisch ist der Weg für Tesla noch weit: In Kalifornien verfügt der Konzern bislang weder über eine Genehmigung für einen Robotaxi-Dienst noch für Tests ohne Sicherheitsfahrer.
Für Anleger ist deshalb entscheidend, was nach dem ersten öffentlichen Auftritt kommt. Ein autonom fahrender Prototyp ist noch kein profitables Massengeschäft. Tesla muss beweisen, dass die Fahrzeuge sicher und zuverlässig funktionieren, die Flotte schnell wachsen kann und sich die Kosten pro Fahrt tatsächlich deutlich unter denen eines klassischen Taxi- oder Fahrdienstangebots bewegen. Genau hier liegt das enorme Potenzial – aber auch das größte Risiko.
Tesla-Aktie explodiert – doch Musk denkt längst weiter
Die Börse scheint zunächst vor allem das Potenzial einzupreisen. Die Tesla-Aktie legte am Donnerstag zeitweise rund acht Prozent zu. Seit Ende Juli summierte sich der Anstieg in der Spitze auf rund 30 Prozent. Auf Monatssicht steht das Papier damit etwa 15 Prozent höher bei knapp 380 Dollar. Vom Rekordhoch von gut 480 Dollar aus Mitte Dezember ist Tesla allerdings noch deutlich entfernt.
Musk setzt dabei nicht allein auf das Fahrzeug selbst. Das Cybercab soll mit Starlink ausgestattet werden, sodass Fahrgäste auch während der Fahrt eine schnelle Internetverbindung nutzen können. Nach Angaben von Musk soll Starlink unter anderem das Streaming von 4K-Videos ermöglichen. Damit verbindet Tesla zwei der zentralen Zukunftsprojekte des Musk-Imperiums: autonome Mobilität und Satelliteninternet.
Elon Musk hat was zu feiern: Tesla ist seit Ende Juli in der Spitze fast 30 Prozent gestiegen, bei Starlink waren es im vergangenen Monat satte 40 Prozent.
Auch SpaceX beziehungsweise die börsennotierte SpaceX-Aktie SPCX hat zuletzt einen kräftigen Lauf hingelegt. Seit dem Tief vom 5. August bei rund 108 Dollar ist das Papier um etwa 40 Prozent auf rund 150 Dollar gestiegen. Das Mitte Juni, wenige Tage nach dem Börsengang, erreichte Rekordhoch von rund 225 Dollar bleibt allerdings noch weit entfernt. Für Anleger entsteht damit ein ungewöhnliches Zusammenspiel aus zwei Musk-Wetten auf autonome Technologie und Weltrauminfrastruktur.
Die Ambitionen gehen derweil über einige hundert Robotaxis hinaus. Musk stellte für Tesla in Austin bis 2028 mehr als 30 000 hochbezahlte Arbeitsplätze in Aussicht. Sollte sich das Cybercab tatsächlich zu einem Massenprodukt entwickeln, könnte Tesla seine bestehende Fahrzeugproduktion mit einem skalierbaren Robotaxi-Netzwerk verbinden. Der wirtschaftliche Hebel wäre erheblich, weil mit zunehmender Auslastung eines autonomen Fahrzeugs die Personalkosten eines klassischen Fahrdienstes wegfallen.
Jetzt muss Tesla liefern – und der Markt glaubt bereits an die goldene Ära
Tesla braucht angesichts des zunehmenden Wettbewerbs bei Elektroautos neue Wachstumstreiber. Ein erfolgreiches Robotaxi-Geschäft könnte Tesla vom klassischen Autohersteller zu einem Mobilitäts- und Softwareunternehmen mit wiederkehrenden Einnahmen machen. Die entscheidende Frage ist allerdings, wie schnell aus der Vision eine große, profitable Flotte wird.
Das Cybercab kann Starlink und Tesla beidseitig profitieren lassen und enger zusammenbringen. Dafür muss das Projekt aber erfolgreich sein.
Musk hat den Durchbruch beim autonomen Fahren bereits mehrfach für die nahe Zukunft angekündigt und seine Ziele wiederholt verfehlt. Nun steht Tesla erstmals vor der Möglichkeit, die Versprechen im laufenden Betrieb zu überprüfen. Für Anleger dürfte deshalb weniger die goldene Optik des Cybercabs entscheidend sein als konkrete Zahlen: Flottengröße, Auslastung, Kosten, Sicherheitsbilanz und regulatorische Freigaben. Gelingt Tesla hier der Durchbruch, könnte der Robotaxi-Markt die Bewertung des Konzerns nachhaltig verändern.
An den Aktienmärkten herrscht derweil ebenfalls wieder etwas mehr Risikofreude. Der S&P 500 stieg am Donnerstag um ein Prozent auf 7 747 Punkte, der Nasdaq-100 legte 1.2 Prozent auf 29 482 Punkte zu. Der WTI-Ölpreis kletterte angesichts neuer Eskalationen im Iran über 90 Dollar. Gleichzeitig gab der schwächere Dollar-Index dem Gold- und Kryptomarkt Rückenwind: Gold stieg wieder über 4 500 Dollar, Bitcoin sprang kurzzeitig über 82 000 Dollar und Ethereum versucht, die Marke von 2 500 Dollar von oben zu verteidigen. Der DAX kehrte ebenfalls über 26 000 Punkte zurück.
HKCM-Gewinner und -Verlierer
Wertsteigerung am vergangenen Handelstag in Prozent
| Robinhood | +16.57 |
| Snowflake | +16.55 |
| Coinbase | +10.14 |
| Albemarle Corporation | -4.06 |
| Hermès International | -3.30 |
| Dow Inc. | -2.94 |
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