Die Straße von Hormus, eine schmale Meerenge zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman, ist eine der wichtigsten Handelsrouten der Welt. Durch sie fließen täglich etwa 20 bis 25 Prozent des globalen Rohöls und ein Drittel des verflüssigten Erdgases (LNG). Doch die jüngsten Drohungen des Iran, diese strategische Wasserstraße zu blockieren, haben die Weltwirtschaft in Alarmbereitschaft versetzt.
Die Straße von Hormus ist an ihrer schmalsten Stelle nur rund 50 Kilometer breit: ein Nadelöhr für den globalen Ölhandel.
Am Freitag, den 13. Juni 2025 griff Israel mit der Operation Rising Lion die Islamische Republik Iran an und Hinweise auf eine mögliche aktive US-Beteiligung an Kampfhandlungen verstärken die Spannungen und Sorgen. Wie wahrscheinlich ist eine Blockade und welche Folgen hätte sie für die Weltwirtschaft und die Finanzmärkte?
Überblick und Einschätzung der Situation
Die Wahrscheinlichkeit einer Blockade der Straße von Hormus lässt sich nur schwer exakt beziffern, da sie von der Dynamik des Konflikts abhängt und jede neue Veränderung auch die weiteren Folgen beeinflusst. Iranische Drohungen, etwa durch den Brigadegeneral Ismail Kosari, der eine Schließung der Meerenge in Betracht zog, sowie die kürzliche US-Unterstützung bei der Abwehr eines iranischen Raketenangriffs auf Israel und Vorbereitungen für mögliche Militärschläge, erhöhen die Spannungen und Wahrscheinlichkeiten.
Wie wahrscheinlich ist es, dass die USA direkt in den Konflikt zwischen Israel und dem Iran eingreifen? Laut Polymarket solide 63 Prozent.
Historisch hat der Iran wiederholt mit Blockaden gedroht, diese jedoch nie umgesetzt, was eine gewisse Skepsis nährt. Analysten wie Ellen Wald (Autorin und Senior Fellow am Atlantic Council Global Energy Center) betonen, dass eine Blockade für den Iran riskant wäre, da er auf seine Öl-Exporte angewiesen ist und Handelspartner wie China verärgern könnte.
Auch die jüngsten Annäherungen an das wahhabitische und lange verfeindete Saudi-Arabien könnte dadurch gefährdet werden. Die starke US-Militärpräsenz, insbesondere die 5. US-Flotte in Bahrain, stellt ebenfalls eine Hürde dar, doch direkte US-Angriffe könnten das Regime zu einer asymmetrischen Antwort wie einer Blockade treiben. Vor allem dann, wenn die Mullas in eine Situation getrieben werden könnten, aus der sie keinen Ausweg mehr sehen.
Welche Folgen würden drohen?
Sollte der Iran die Straße von Hormus blockieren, wären die Folgen jedenfalls für die Weltwirtschaft dramatisch. Die Ölpreise könnten auf 100 bis 130 US-Dollar pro Barrel klettern, wie Experten von Capital Economics in einem BBC-Artikel prognostizierten. Bereits die Androhung einer Blockade sorgte im Juni 2025 für einen Anstieg des Brent-Ölpreises auf etwa 76 US-Dollar. Ein Preisschock würde die Transport- und Energiekosten weltweit in die Höhe treiben und die US-Inflation anheizen, die im Mai 2025 noch bei knapp über zwei Prozent lag.
Dass der Iran die Straße von Hormus sperrt ist laut Polymarket hingegen nur zu 10 Prozent wahrscheinlich. Gründe dafür gibt es mehrere.
Dadurch könnte wiederum eine Welle der Stagflation ausgelöst werden, unter die nicht nur die Wirtschaftsnationen, sondern vor allem die Entwicklungsländer und die Schwellenländer leiden würden. Die Zentralbanken, wie die EZB oder die Fed, könnten in ein Dilemma stürzen, da Zinssenkungen die Inflation erneut befeuern würden. Eine US-Beteiligung könnte zudem einen Flächenbrand riskieren und Angriffe iranischer Proxys wie der Hisbollah, der Huthi-Rebellen oder irakischer Milizen hervorrufen.
Solche Angriffe auf US-Stützpunkte oder der US-Flotte würde die Unsicherheit weiterhin erhöhen, zudem könnten auch weltweite US-amerikanische oder israelische Einrichtungen ins Fadenkreuz gelangen. Auf der Wettplattform Polymarket wird die Wahrscheinlichkeit dafür, dass noch im Juni ein US-Militärschlag gegen den Iran geführt wird, auf gut 60 Prozent berechnet. Vor wenigen Tagen hatte dieser Score noch bei rund 90 Prozent gelegen.
Was könnte wirtschaftlich drohen?
Besonders betroffen wären energieabhängige Regionen wie Europa und Asien. Asien bezieht rund 80 Prozent seines Öls aus der Region, während Europa, das russisches Öl ablehnt, kaum Alternativen hat. Deutschland könnte in eine erneute Energiekrise geraten, mit Lieferengpässen und einem verstärkten Wirtschaftsabsturz. Zudem deutete der irakische Außenminister an, dass ein Flächenbrand, wie nach dem US-Einmarsch in den Irak 2003, Millionen Menschen vertreiben könnte, was wiederum die Gefahr einer neuen Flüchtlingswelle in sich birgt. Die USA könnten kurzfristig von höheren Preisen für ihre Öl- und Gasexporte profitieren, hätten aber langfristig durch eine geschwächte Weltwirtschaft und hohe Inflation schwere Schäden zu tragen. Auch Russland könnte von steigenden Ölpreisen profitieren, was seinen Krieg in der Ukraine nutzen würde.
Die Sorge auf dem Weltmarkt ist spürbar: Der Ölpreis schoss am Wochenende in Richtung 80 Dollar, deutlich höher sollte es kurzfristig aber nicht gehen.
Die Finanzmärkte reagieren bereits nervös. Nach der iranischen Drohung verzeichnete der DAX Rückgänge von bis zu zwei Prozent, während der Goldpreis zunächst stieg und der US-Dollar aufwertete. Eine Blockade könnte massive Verkäufe an den Börsen auslösen, da Anleger in Zeiten der Unsicherheit eher in sichere Anlagen wie Gold oder Staatsanleihen flüchten. Alternative Transportwege, etwa Pipelines, oder erhöhte Förderung durch die OPEC-Länder wie Saudi-Arabien könnten die Auswirkungen zwar abmildern, doch diese Optionen sind begrenzt und auch zeitaufwendig.

Ein weiterer Faktor ist die Reaktion von Großmächten wie China, das eine Blockade ablehnt, ebenso wie die USA, die stabile Ölpreise wollen. Der Iran könnte subtilere Maßnahmen wie das Abfangen von Schiffen ergreifen oder Druck auf den Irak auslösen, um die Ölpreise zu manipulieren, ohne dabei einen direkten globalen Konflikt zu riskieren. Dies würde die wirtschaftlichen Folgen dämpfen, aber die Unsicherheit aufrechterhalten. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass eine Blockade der Straße von Hormus ein folgenschweres Szenario bleibt, dessen Wahrscheinlichkeit durch eine mögliche US-Beteiligung steigt.
Auch der Erdgas-Preis kletterte in den letzten Tagen und dürfte die Rallye erstmal fortsetzen. Bald könnte sogar die 5-Dollar-Marke fallen.
Sollten die USA tatsächlich als aktive Kriegspartei in den Nahostkonflikt eintreten, würde die Weltwirtschaft durch steigende Energiepreise, Inflation und das Risiko einer Rezession belasten, mit starken Auswirkungen auf Europa und Asien. Die Finanzmärkte würden in Turbulenzen geraten, während geopolitische Spannungen weiter eskalieren könnten. Die Straße von Hormus, dieses geographische Nadelöhr, bleibt ein geopolitisches Pulverfass, das durch einen unkalkulierbaren Funken die Weltwirtschaft jederzeit erschüttern könnte.
Wichtige Fragen rund um die Straße von Hormus:
Warum ist die Straße von Hormus so wichtig?
Die Straße von Hormus ist eine der wichtigsten Handelswege der Welt, da diese Meerenge den Persischen Golf mit dem Golf von Oman verbindet und schließlich in den Indischen Ozean mündet. Sie gilt als geostrategisch bedeutende Wasserstraße, durch die ein großer Teil des weltweiten Öl- und Gasexports fließt. Ihre zentrale Lage macht sie besonders relevant für energieabhängige Länder wie Deutschland, Asien oder Europa – eine Blockade hätte massive Auswirkungen auf die Weltwirtschaft.
Wie viel Öl geht durch die Straße von Hormus?
Täglich passieren rund 20 bis 25 Prozent des weltweiten Rohöls sowie etwa ein Drittel des global gehandelten Flüssiggases (LNG) die Straße von Hormus. Diese enormen Mengen unterstreichen ihre Bedeutung für die globale Energieversorgung und erklären die heftigen Marktreaktionen bereits bei bloßen Drohungen einer Blockade.
Wie ist das Klima in der Straße von Hormus?
Die Region liegt in einem heißen, trockenen Wüstenklima mit extrem hohen Temperaturen im Sommer, was auch die militärischen und logistischen Bedingungen in einem Krisenszenario beeinflussen kann.
Wer kontrolliert die Straße von Hormus?
Formal ist die Straße von Hormus internationales Gewässer, aber der Iran hat einen erheblichen Einfluss auf die dortige Sicherheit und hat in der Vergangenheit mehrfach mit einer Blockade gedroht. Die USA wiederum unterhalten dort mit ihrer 5. Flotte in Bahrain eine starke Militärpräsenz, was das Machtgleichgewicht bestimmt. Auch andere Akteure wie Saudi-Arabien und China spielen diplomatisch eine Rolle im Ringen um Kontrolle und Stabilität der Meerenge.



