Die Dotcom-Bubble wiederholt sich. Aber nicht dort, wo die meisten denken
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Die Dotcom-Bubble wiederholt sich. Aber nicht dort, wo die meisten denken

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Simeon Koch

Das Wichtigste in Kürze:

  • KOSPI verliert nach 80-Prozent-Rallye innerhalb weniger Wochen rund 44 Prozent.
  • Hebel-ETFs verstärken Verkaufsdruck, Regierung entschuldigt sich.
  • Experten warnen vor Ansteckung im US-Markt, aber Unterschiede zu Dotcom bleiben.

Guten Morgen,

Der spektakulärste Börsencrash der vergangenen Wochen spielt sich nicht an der Wall Street ab. Während Anleger gebannt auf Nvidia, Microsoft oder den Nasdaq blicken, ist der südkoreanische Leitindex KOSPI seit seinem Rekordhoch von rund 9400 Punkten am 19. Juni auf zuletzt etwa 5270 Punkte abgestürzt – ein Verlust von rund 44 Prozent innerhalb weniger Wochen. Der Crash weist gruselige Parallelen zur Dotcom-Blase im Jahr 2000 auf. Auch der Westen zittert, schließlich sind der US-Markt und südkoreanische KI-Hersteller immer enger verflochten. Experten warnen bereits: Droht ein Überschwappen des KOSPI-Crashs in den US-Markt?

Die Warnsignale erinnern immer stärker an das Jahr 2000

Noch vor wenigen Wochen galt Südkorea als einer der heißesten Aktienmärkte der Welt. Zwischen April und Mitte Juni schoss der KOSPI innerhalb von nur zehn Wochen um schwindelerregende 80 Prozent nach oben. Anschließend folgte der Absturz. Zum Vergleich: Während der Corona-Panik verlor der S&P 500 rund 33.9 Prozent in gut einem Monat Tagen, der Börsencrash von 1987 belief sich auf 33.5 Prozent innerhalb von 100 Tagen. Die historische Entwicklung, die dem aktuellen KOSPI-Verlauf sehr nah kommt, ist ausgerechnet der Nasdaq zwischen Oktober 1999 und April 2000 (also die letzten Meter und das Platzen der Dotcom-Bubble).


Chronologie eines Absturzes: Die hohe Konzentration des Marktes durch Samsung und SK Hynix zog den Stecker, gehebelte ETFs sorgten für Milliarden-Verluste bei Anlegern.


Die Ursache liegt vor allem in der extremen Konzentration des Marktes. Samsung Electronics und SK Hynix machen gemeinsam mehr als die Hälfte (!) der gesamten Marktkapitalisierung des KOSPI aus. Beide Konzerne wurden zu den größten Gewinnern des weltweiten KI-Booms und profitierten von der enormen Nachfrage nach Speicherchips für Rechenzentren. Doch genau diese Abhängigkeit rächt sich nun. Sobald Anleger das Ende des KI-Investitionszyklus befürchten, gerät praktisch der gesamte südkoreanische Aktienmarkt unter Druck.

Eine weitere Parallele zur Dotcom-Blase zeigt sich beim Verhalten der Privatanleger. Millionen südkoreanische Kleinanleger – die sogenannten Ants (also Ameisen) – trieben den Markt in blinder Euphorie auf Rekordstände. Besonders gefragt waren gehebelte ETFs auf einzelne Aktien. Laut südkoreanischen Analysten flossen seit Einführung dieser Produkte Ende Mai (also innerhalb von zwei Monaten!) netto rund 14 Billionen Won (rund 9.7 Milliarden US-Dollar) von Privatanlegern in entsprechende ETFs, während ausländische Investoren lediglich rund zwei Billionen Won (etwa 1.4 Milliarden US-Dollar) investierten. Eine ähnliche spekulative Euphorie prägte Anfang der 2000er den Höhepunkt der Dotcom-Blase.

Milliarden-Verluste für Privatpersonen: Finanzminister entschuldigt sich

Die eigentliche Dynamik entstand jedoch erst mit den Hebelprodukten. Fielen Samsung oder SK Hynix, mussten die ETFs ihre Positionen automatisch reduzieren und zusätzliche Aktien verkaufen. Dadurch entstand ein sich selbst verstärkender Kreislauf aus Verkaufsdruck, Margin Calls und algorithmischen Anschlussverkäufen. Der KODEX SK Hynix Single Stock Leverage ETF (2x-Hebelwirkung) verlor seit seinem Hoch mehr als 80 Prozent, das entsprechende Samsung-Produkt rund 75 Prozent.

Mittlerweile beschäftigt die Entwicklung sogar die Politik. Finanzminister Koo Yun-cheol entschuldigte sich öffentlich dafür, dass die Einführung der gehebelten Einzelaktien-ETFs nicht sorgfältiger vorbereitet worden sei. Die Regierung reagiert inzwischen mit schärferen Regeln: Neue Produkte werden vorerst nicht mehr zugelassen, Werbung für entsprechende ETFs wurde untersagt und zusätzlich sollen Investitionsobergrenzen eingeführt werden. Diskutiert wird sogar, den Zugang künftig ausschließlich professionellen Investoren zu erlauben.


Hohe Konzentration, gehebelte Euphorie und ein Absturz um über 40 Prozent im Leitindex: Südkoreas KI-Crash erinnert stark an die Dotcom-Bubble. Es gibt aber wichtige Unterschiede.


Doch kommt der Alarm vielleicht schon zu spät? Der KOSPI-Crash ist längst kein lokales Ereignis mehr. Samsung und SK Hynix beliefern die US-Technologiekonzerne mit den Speicherchips für KI-Rechenzentren und machen Südkorea damit zu einem Frühindikator für den globalen KI-Sektor. Die 60-Tage-Korrelation zwischen KOSPI und Nasdaq-100 stieg zuletzt auf rund 0.50 – den höchsten Stand seit 2021. Experten warnen deshalb: Schwächere KI-Investitionen könnten auch US-Techwerte belasten, während der Diversifikationseffekt zwischen beiden Märkten zunehmend verloren geht.

Fest steht allerdings auch: Anders als viele vermuten, steht nicht die KI-Technologie selbst infrage. Samsung und SK Hynix erzielen weiterhin außergewöhnlich hohe Gewinne. Die Börse blickt jedoch Monate voraus und preist bereits ein mögliches Ende des Investitionsbooms rund um KI-Rechenzentren sowie sinkende Chip-Preise ein. Die deutlichen Korrekturen in Südkorea und zuletzt auch den USA können also auch gesund sein, wenn sich Erwartung (ausgedrückt in zuletzt überhitzten Börsenkursen) und die Realität der (weiterhin starken) Geschäftszahlen wieder annähern.

Fed-Zinsentscheid befeuert Nervosität zusätzlich

Nach der gestrigen Fed-Zinsentscheidung gerieten die internationalen Aktienmärkte erneut unter Druck. Die US-Notenbank beließ die Leitzinsen zwar unverändert, Fed-Chef Kevin Warsh signalisierte jedoch erneut die Bereitschaft zu vorübergehenden Zinserhöhungen oder einer längeren Phase hoher Zinsen. Hintergrund sind die weiterhin erhöhten Renditen langlaufender Staatsanleihen, wobei die Rendite der 30-jährigen US-Anleihe inzwischen wieder auf dem Niveau vor der Finanzkrise 2008 notiert. Der S&P 500 gab daraufhin nach, während der Nasdaq-100 um mehr als zwei Prozent auf knapp über 27 000 Punkte fiel.

Auch am Kryptomarkt blieb die Stimmung zunächst angespannt. Bitcoin fiel in der Nacht auf rund 63 500 Dollar, konnte sich in den Morgenstunden jedoch wieder zaghaft in Richtung 64 000 Dollar erholen. Ethereum handelt weiterhin bei 1900 Dollar, während der breite Kryptomarkt deutlich korrigierte. Gold verteuerte sich um gut ein Prozent und notierte zwischenzeitlich wieder bei rund 4100 Dollar. Der WTI-Ölpreis legte ebenfalls um gut ein Prozent zu und bewegt sich inzwischen wieder knapp unter der Marke von 86 Dollar.


HKCM-Gewinner und -Verlierer

Wertsteigerung am vergangenen Handelstag in Prozent

 

Intuit

+6.43

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+5.72

Dow Inc.

+5.55

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Keel Infrastructure

-14.86

RIOT Platforms

-14.12

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Heute veröffentlichen wir Analysen zu folgenden Titeln aus unserem KI-Paket: C3.ai, Nvidia, XPeng und Tencent.

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