Wer schon einmal Transaktionen auf der Ethereum-Blockchain durchgeführt hat, weiß: die Kosten, die hierbei anfallen, auch als Gas Fees bezeichnet, sind alles andere als niedrig. Auch deshalb wurde in der Vergangenheit häufig moniert, Ethereum wäre überteuert, verstopft und werde bald von konkurrierenden Smart-Contract-Plattformen abgelöst. Die durchschnittlichen Gebühren, die je Transaktion bezahlt werden müssen, stiegen zuletzt auf $23.10, gegenüber dem Vorjahr entspricht dies einer Steigerung um beinahe 200 Prozent. Zum Vergleich: Auf der Solana-Blockchain liegen die Kosten je Transaktion bei $0.03. Ein weiterer Punkt, der von Kritikern immer wieder angebracht wird: Der verhältnismäßig „geringe“ Transaktionsdurchsatz im Ethereum-Mainnet, wo zum aktuellen Zeitpunkt pro Sekunde in etwa 20 Transaktionen realisiert werden können. Offiziellen Daten zufolge wickelt das Ethereum-Netzwerk derzeit etwa 1.2 Millionen Transaktionen pro Tag ab. Und auch hier lohnt der Blick auf den Mitbewerber Solana, der je Sekunde atemberaubende 65 000 Transaktionen durchführen können soll, aktuell liegt die TPS-Rate (engl.: Transactions per Second) bei rund 3000. An einem gesamten Tag kommt das Solana-Netzwerk zum derzeitigen Zeitpunkt auf 25.8 Millionen Aktionen. In diesem Zusammenhang muss natürlich berücksichtigt werden, dass beim zuletzt extrem gehypten Solana-Coin eine deutlich höhere Anzahl an Mikro-Transaktionen durchgeführt wird, als dies bei Ether der Fall ist. Nichtsdestotrotz möchte Ethereum-Gründer Vitalik Buterin die Performance seiner Blockchain kontinuierlich verbessern – und hierbei könnte die Ethereum Foundation mit dem Dencun-Upgrade, das morgen über die Bühne geht, einen großen Schritt in die richtige Richtung machen.
Massive Performanceoptimierung durch EIP-4844-Datenblöcke
Nachdem es in der Vergangenheit bei Weiterentwicklungen der Ethereum-Blockchain immer wieder zu Problemen respektive zeitlichen Verzögerungen kam, scheint dieses Mal alles nach Plan zu laufen. In den Testnets gelang die Durchführung des Upgrades ohne Probleme, entsprechend zuversichtlich ist das Unternehmen hinsichtlich der nun anstehenden Integration auf dem Mainnet. Im Zentrum des Dencun-Upgrades, dessen Name sich aus den Bezeichnungen der Konsens- (Deneb) und der Ausführungsschichten (Cancun) zusammensetzt, steht die Einführung von EIP-4844-Datenblöcken. Diese sollen dabei helfen, die Verfügbarkeit von Daten zu optimieren sowie die Grundlage für das sogenannte Sharding zu schaffen. Hierbei handelt es sich um eine spezielle Skalierungstechnik, bei der die Blockchain in kleinere Teile, sogenannte Shards, aufgeteilt wird. Jeder Shard verarbeitet nur einen Teil der Transaktionen, was die Netzwerklast reduziert und somit die Geschwindigkeit erhöht. Dies ermöglicht es Blockchain-Netzwerken, mehr Transaktionen pro Sekunde zu verarbeiten und gleichzeitig die Dezentralisierung beizubehalten. Planmäßig sollen im Ethereum-Netzwerk auf diese Weise bis zu 100 000 Transaktionen pro Sekunde abgewickelt werden können. Und auch die Gas Fees werden dadurch massiv gesenkt: Laut Schätzungen soll in absehbarer Zukunft nur noch $0.02 je Transaktion zu zahlen sein.
Ethereum hält die „Verfolger“ auf Abstand
Zusammenfassend lässt sich festhalten: Die Ethereum Foundation wird mit dem Dencun-Upgrade die Performance ihrer Blockchain – sofern sich alles, wie geplant ausspielt – deutlich steigern. Neben der Verbesserung der Skalierbarkeit, also der deutlichen Erhöhung der Transaktionen je Sekunde, und den zukünftig wohl deutlich verringerten Transaktionsgebühren erhöht die angestrebte Weiterentwicklung auch die Sicherheit im Netzwerk. Darüber hinaus sollen durch das Upgrade die Blockchain-übergreifende Interaktion sowie die Datenspeicherung im Ethereum-Netzwerk optimiert werden. Ethereum festigt damit seine dominante Position im Altcoin-Sektor, die ihm durch den First Mover-Effekt und seine immense Netzwerkgröße als erste Smart-Contract-Plattform zuteilwird. Die Steigerung der Effizienz kommt nicht nur Entwicklern auf der Ethereum-Chain zugute, sondern fördert auch Second-Layer-Lösungen aus allen Krypto-Branchen, etwa aus dem Gaming-Bereich, der für hochwertige Spiele große Transaktionsleistung benötigt. Auch dem NFT-Handel könnte das Update neuen Aufwind verleihen, wurden viele Investoren doch bisher von den hohen Gebühren abgeschreckt, die bei kleineren NFT-Projekten oftmals den Wert einzelner Token überstiegen und das gesamte Investment unrentabel machten. Zuletzt verbessert das Dencun-Upgrade auch Ethereums Image: Zahlreiche Experten warfen der Blockchain in vergangenen Bullenmärkten vor, wegen seiner "Trägheit” den Anforderungen des wachsenden Blockchain-Marktes nicht mehr gewachsen zu sein. Diese Unkenrufe könnten mit den neuen Skalierungsmöglichkeiten nun verstummen, was Ethereums Attraktivität für Investoren weiter steigern dürfte.
Der aktuelle Bull Run wird zur Feuerprobe des runderneuerten Ethereum-Netzes, bei deutlich stärkerem Andrang in Hype-Phasen wird sich auch die Umstellung auf Proof of Stake bewähren müssen, die schon vor einigen Monaten ins Werk gesetzt wurde. Wie hoch die Kosten letztlich sein werden, und wie stark der Transaktionsdurchsatz auf der Ethereum-Blockchain zukünftig steigen wird, bleibt natürlich abzuwarten – ebenso wie die potenziellen Auswirkungen der möglicherweise bereits im Mai von der nordamerikanischen Börsenaufsicht abgesegneten Ethereum-Spot-ETFs. Letztlich spielt auch die Entwickler-Aktivität auf der Blockchain eine wichtige Rolle für die Zukunft des Projekts – um das Zugpferd des Altcoin-Sektors zu bleiben, müssen prestigeträchtige Krypto-Anwendungen auf Ethereum laufen. Und auch dieser Marktvorteil dürfte durch das Dencun-Update gestärkt werden. Alles in allem scheint die Ethereum Foundation für die Zukunft gut aufgestellt zu sein. Für konkurrierende Projekte wie Solana oder Avalanche dürfte es durch die laufenden Neuerungen bei Ethereum immer schwieriger werden, zum Altcoin-Marktführer aufzuschließen. Inwiefern sich die fundamentalen Gegebenheiten mit unserer technischen Analyse in Einklang bringen lassen, dies können die Abonnenten unseres Bitcoin/Ethereum-Pakets – und übrigens auch die des Altcoin-Pakets – in unseren täglichen Updates nachverfolgen.




