TAO stürzt nach KI-Skandal ab: So geht es für Bittensor weiter
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TAO stürzt nach KI-Skandal ab: So geht es für Bittensor weiter

Author

Nikolai Heger

Das Wichtigste in Kürze:

  • Covenant AI verlässt Bittensor und wirft dem Netzwerk Fake-Dezentralisierung vor.
  • Der Streit trifft die Glaubwürdigkeit von TAO.
  • Mitgründer Jacob Steeves weist die Vorwürfe zurück.

Als Covenant AI am 10. April seinen Rückzug aus dem Bittensor-Netzwerk verkündete, war das mehr als ein lauter Abgang. Das Team des wichtigsten KI-Entwicklers im Netzwerk warf Mitgründer Jacob Steeves (in der Szene als Const bekannt) vor, zentrale Macht über die Bittensor-Chain auszuüben, die sich als dezentral vermarktet.

Im Kern geht es um drei Punkte: angeblich einseitige Eingriffe in Emissionen und Infrastruktur, den Bruch zwischen einem wichtigen Builder und dem Netzwerk sowie die brutale Reaktion des Marktes. TAO fiel innerhalb weniger Minuten um rund 20 Prozent. Wie geht es jetzt weiter für den Altcoin Bittensor?

Der Bruch begann mit einem öffentlichen Abschied

Covenant sprach in seinem Statement von decentralization theatre - also von Dezentralisierung als Kulisse. Laut dem Team habe Steeves zuletzt Maßnahmen ergriffen, die mit dem eigenen Anspruch des Netzwerks unvereinbar seien. Genannt wurden unter anderem gestoppte Emissionen, entzogene Community-Rechte und Druck über Token-Verkäufe. Es sind schwere Vorwürfe, und sie trafen nicht irgendein Nebenprojekt, sondern einen der sichtbarsten Akteure im Ökosystem.

Genau dieser Punkt ist entscheidend: Covenant wirft Const nicht einfach nur einen persönlichen Streit vor, sondern ein Verhalten, das aus Sicht des Teams einer inoffiziellen Machtausübung gleichkam. Vereinfacht gesagt lautet der Vorwurf, obwohl Bittensor nach außen, wie ein offenes, regelbasiertes Netzwerk wirkt, sollen einzelne zentrale Akteure intern sehr wohl in der Lage gewesen sein, unliebsame Mitglieder unter Druck zu setzen.

Mit den angeblich gestoppten Emissionen ist gemeint, dass die wirtschaftlichen Anreize einzelner Bereiche des Netzwerks beeinträchtigt worden seien. Also genau jener Mechanismus, über den Subnets, Miner und Validatoren belohnt werden. Entzogene Community-Rechte bedeuten aus Covenants Sicht, dass Einfluss und Gestaltungsspielraum nicht mehr allein nach transparenten Regeln verteilt wurden. Der Vorwurf des Drucks über Token-Verkäufe zielt wiederum darauf, dass wirtschaftliche Macht eingesetzt worden sei, um Signale zu senden oder Akteure gefügig zu machen.

Zusammengefasst fühlte sich Covenant also nicht wie ein gleichberechtigter Builder in einem offenen Netzwerk behandelt, sondern wie ein aufstrebender Akteur, der diszipliniert und klein gehalten werden sollte. Genau daraus speist sich auch der schärfste Vorwurf gegen Const: nicht nur Kontrolle auszuüben, sondern Angst vor neuen Machtzentren innerhalb des eigenen Netzwerks zu haben.


TAO x Covenant - so kam die EskalationTAO x Covenant - so kam die Eskalation


Das Gewicht des Streits erklärt sich durch Covenants Rolle. Das Team betrieb mehrere Subnets, darunter Templar (SN3), Basilica (SN39) und Grail (SN81). Zudem stand Covenant hinter Covenant-72B, einem im März veröffentlichten Modell, das laut der Medienplattform Arxiv als größte kollaborative, offen zugängliche Trainningsphase eines eines Sprachmodells mit 72 Milliarden Parametern beschrieben wird.

Genau dieser Erfolg hatte die Fantasie vieler Anleger befeuert: Wenn dezentrales KI-Training in dieser Größenordnung funktioniert, wirkt TAO plötzlich nicht mehr wie Theorie, sondern wie Infrastruktur. Auch Nvidia-CEO Jensen Huang fand zuletzt lobende Worte für die KI-Modelle von Bittensor.

Warum der Markt so nervös reagiert

Der Streit traf das Herz der Investment-Story rund um TAO. Bittensor beschreibt sich selbst als Netzwerk aus Subnets, in denen Miner und Validatoren KI-Leistung erzeugen und dafür belohnt werden. Laut offizieller Dokumentation hängen die Emissionen eines Subnets von den Kapitalflüssen und der Bewertung innerhalb des Systems ab; Eigentümer erhalten dabei eine feste Belohnung. Für Anleger ist das entscheidend: Der Wert von TAO lebt nicht nur von Technik, sondern vom Vertrauen, dass Regeln transparent und nicht willkürlich sind.


TAO Kursreaktion auf Covenant-StreitTAO Kursreaktion auf Covenant-Streit


Genau dieses Vertrauen bekam nun Risse. Nach dem Covenant-Post fiel der TAO-Kurs in kurzer Zeit von rund 340 auf etwa 253 US-Dollar. Begleitet wurde der Rutsch von Long-Liquidationen in Höhe von fast zehn Millionen US-Dollar. TAO notiert am 15. April bei rund 247 US-Dollar und liegt damit auf Wochensicht gut ein Fünftel im Minus. Der Markt hat den Governance-Streit wie einen Schock für die Glaubwürdigkeit bewertet.

Steeves widerspricht - doch die Grundfrage bleibt

Steeves wies die Vorwürfe zurück. Er erklärte, er könne Emissionen nicht einfach nach Belieben stoppen und habe keine Sonderrechte gegenüber anderen Token-Inhabern. Das ist mehr als eine technische Gegenrede. Es ist der Versuch, die zentrale Erzählung von Bittensor zu retten: dass Regeln auf Protokollebene gelten und nicht vom Willen einer Einzelperson abhängen.

Doch selbst wenn sich einzelne Vorwürfe relativieren sollten, ist der Schaden bereits sichtbar. Der Konflikt zeigt, wie schnell in jungen Krypto- und KI-Netzwerken Governance-Risiken entstehen können. Covenants Abgang stellt deshalb eine unangenehme Frage, die weit über diesen Einzelfall hinausgeht: Was ist Dezentralisierung wert, wenn ein System im Krisenmoment doch von einzelnen Personen abhängig ist? Für TAO dürfte genau diese Frage in den kommenden Wochen wichtiger sein als jedes kurzfristige Kursziel.

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Nikolai Heger

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