Bitcoin & KI-Aktien zittern: Crasht Japan die Weltwirtschaft?
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Bitcoin & KI-Aktien zittern: Crasht Japan die Weltwirtschaft?

Author

Simeon Koch

Das Wichtigste in Kürze

  • Japans Zinswende bedroht den Carrytrade und entzieht globalen Märkten Liquidität.
  • Yen-Interventionen und Bondverkäufe setzen US-Renditen und Tech-Aktien unter Druck.
  • Bitcoin, Ethereum und der Nikkei zeigen bereits erhöhte Nervosität.

Guten Morgen!

Die Märkte sind nervös. Mal wieder. Und einmal mehr rüttelt Japan am Fundament der Weltbörsen. Vor der Zinsentscheidung der Bank of Japan am 31. Juli (und dem morgigen Fed-Zinsvotum) rutscht der Nikkei deutlich ab, während Bitcoin, andere Kryptowährungen und hoch bewertete KI-Aktien unter Verkaufsdruck geraten. Die japanische Notenbank dürfte ihren Leitzins zunächst bei 1.0 Prozent belassen. Entscheidend ist, ob Gouverneur Kazuo Ueda weitere Erhöhungen signalisiert und damit die Abwicklung milliardenschwerer Yen-Geschäfte beschleunigt.

Leseempfehlung: Warum der nächste Bitcoin-Crash aus Japan droht

Das Risiko reicht weit über Tokio hinaus. Steigende japanische Zinsen könnten Investoren zwingen, US-Aktien und Staatsanleihen zu verkaufen, um geliehene Yen zurückzuzahlen. Zugleich könnte die Regierung zur Stützung der schwachen Währung auf ihre Dollarreserven zurückgreifen. Treffen Kapitalrückflüsse, Bond-Verkäufe und automatisierte Handelsprogramme auf ohnehin teure Technologiewerte, droht aus einer japanischen Währungskrise ein globaler Liquiditätsschock zu werden.

Der billige Yen wird zur globalen Zündschnur

Das Fundament der Unruhe ist der Yen-Carrytrade. Über Jahre liehen sich Investoren nahezu kostenlos Yen, tauschten sie in Dollar und kauften damit US-Anleihen, Technologieaktien oder Kryptowährungen. Nun liegt Japans Leitzins bei 1.0 Prozent, der Yen notiert dennoch nahe einem 40-Jahres-Tief. Schon eine überraschend scharfe Botschaft der Notenbank könnte die Rechnung drehen: Ein stärkerer Yen verteuert die Rückzahlung und erzwingt Verkäufe jener Anlagen, die zuvor besonders gut gelaufen sind.


Der BoJ-Leitzins ist schon jetzt am höchsten Stand seit 1995. Gleichzeitig ist der Yen historisch schwach. Der Carrytrade drückt auf den Weltmarkt.


Hinzu kommt das Interventionsrisiko. Fällt der Yen zu schnell, kann das Finanzministerium Dollarreserven einsetzen, um die eigene Währung zu kaufen. Dafür müssten potenziell auch US-Staatsanleihen veräußert werden. Japan hält rund 1.14 Billionen Dollar an Treasuries und ist damit der größte ausländische Gläubiger Washingtons. Werden solche Bestände sichtbar reduziert, steigen im ohnehin angespannten US-Bondmarkt die Renditen – und mit ihnen Hypotheken-, Unternehmens- und Refinanzierungskosten.

Die gefährlichste Kettenreaktion verliefe deshalb über Anleihen und Aktien zugleich. Steigende japanische Renditen machen japanische Papiere attraktiver, Kapital könnte aus den USA zurückfließen. Höhere Treasury-Renditen wiederum drücken besonders auf teure Wachstums- und KI-Titel. Der Nikkei fungiert dabei als Seismograf: Ein stärkerer Yen belastet Exportkonzerne, fallende Kurse lösen zusätzliche Absicherungen und algorithmische Verkäufe aus. Aus einem japanischen Schock kann so binnen Stunden ein globaler Volatilitäs-Orkan werden – siehe Sommer 2024.

War der Carrytrade-Crash 2024 nur der Anfang?

Das Drehbuch erinnert an den 5. August 2024, als der Nikkei nach einer überraschenden japanischen Zinserhöhung um 12.4 Prozent abstürzte und der VIX auf Krisenniveau sprang. Auch der Kryptomarkt stürzte damals deutlich. Die Märkte beruhigten sich erst, als die Bank of Japan verbal zurückruderte und Pausen ihrer Zinsanhebung versprach. Diesmal liegt der Leitzins höher, Japans Bondrenditen steigen und die Staatsfinanzen begrenzen den Spielraum.


Das kann für Bitcoin und KI-Aktien richtig übel werden: Über die Kettenreaktion auf den Bond-Märkten braute sich schon 2024 ein Vola-Orkan zusammen. War das nur der Anfang?


Entsprechend nervös sind die Märkte in diese vollgepackte Zentralbank- und Zinsentscheid-Woche gestartet: Der S&P 500 hält sich bei rund 7400 Punkten nahezu unverändert, der Nasdaq-100 verliert 0.32 Prozent auf etwa 28 039 Punkte; erstmals seit Anfang Mai war er am Vortag unter 28 000 gefallen. Der Nikkei sackt auf gut 62 360 Punkte ab, der Dax hatte rund 1.0 Prozent gewonnen. Bitcoin erholt sich nach dem nächtlichen Rücksetzer auf 63 000 Dollar leicht, Ethereum fällt unter 1900 Dollar. Gold notiert knapp über 4000 Dollar, der WTI-Ölpreis nach dem jüngsten Ausflug in Richtung 90 Dollar wieder nahe 80.


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