Die Bitcoin-ETFs platzen aus allen Nähten. Am Mittwoch verzeichneten die elf Spot-Fonds aus Nordamerika fast $900 Millionen an Zuflüssen, allein BlackRocks IBIT-Fonds sammelte $875 Millionen auf. In den letzten zwei Wochen wurden fast 50 000 BTC im Gesamtwert von rund $3 Milliarden über die Spot-ETFs gekauft. Durchschnittlich kauften die ETF-Verwalter also gut 3500 BTC pro Tag. Damit sorgen allein BlackRock und Co. für ein temporäres Defizit auf der Blockchain, schließlich werden nur etwa 450 neue Bitcoin pro Tag an Miner ausgeschüttet. Für die 12 000 BTC, die BlackRock vorgestern innerhalb eines Tages kaufte, brauchen Miner also fast einen Monat.
Bitcoin-ETFs boomen, Ethereum enttäuscht
Zwar sorgen die starken ETF-Zuflüsse noch nicht für unmittelbare Verknappung auf dem Markt, weil die Spot-ETF-Anbieter bevorzugt über Over-The-Counter-Transkationen (OTC), also am offenen Markt vorbei einkaufen. Dennoch scheint sich die Euphorie um die steigende Nachfrage von BlackRock und Co. zuletzt deutlich im BTC-Preis niederzuschlagen, der ein neues Allzeithoch am 30. Oktober um ein paar $100 verpasste. Und wie sieht’s gerade beim Altcoin-Marktführer Ethereum aus? Nun ja, die ETH-ETFs sind, gelinde gesagt, nicht besonders beliebt an der klassischen Börse. Während die BTC-Fonds am Mittwoch fast $900 Millionen verschlungen haben, verzeichnete Ethereum ETF-Zuflüsse von mageren $4.4 Millionen, also nicht einmal ein Zwanzigstel der BTC-ETFs.
Rechnet man die Zu- und Abflüsse der letzten 14 Tage zusammen, bleibt bei den Ethereum-ETFs ein Minus von knapp 250 ETH stehen. Genauso ernüchternd ist, was gerade mit dem Ethereum-Preis passiert: Während BTC rund zwei Prozent von seinem Allzeithoch entfernt ist, bräuchte ETH einen 95-prozentigen Anstieg, um neue Rekorde zu schreiben. Im Moment macht der Altcoin-Marktführer also einen ziemlich leblosen Eindruck. Historisch gesehen ist das in der aktuellen Phase des Bullenmarktes aber nicht ungewöhnlich – ganz im Gegenteil: Im Bullrun 2020/2021 verhielt sich ETH ganz ähnlich, bevor die große Rallye startete.
Wie 2021: BTC am Allzeithoch, ETH im Winterschlaf
Bitcoin ist kurz davor, auf neue Rekordstände auszubrechen, Ethereum krebst durchs Niemandsland und ist rund eine Verdopplung von seinem Allzeithoch entfernt – genau so sah es im November 2020 aus. Damals kämpfte der Bitcoin mit der $20 000-Marke, also dem damaligen Allzeithoch aus dem Bullenmarkt 2017. Als dem Bitcoin dann Anfang Dezember der fulminante Ausbruch über das alte Allzeithoch und damit der Start seiner ersten großen Bullenmarkt-Rallye gelang, lag der Ethereum-Preis bei enttäuschenden $500. Das ETH-Allzeithoch aus dem Frühjahr 2018 war zu diesem Zeitpunkt mehr als 120 Prozent entfernt, wie die nachfolgende Grafik verdeutlicht.
Die Parallelen zum aktuellen Bullenmarkt sind verblüffend: Erneut steht der Bitcoin im November des Halving-Jahres kurz davor, auf ein neues Allzeithoch auszubrechen. Und erneut ist Ethereum gleichzeitig meilenweit von seinem Rekord aus dem letzten Bullenmarkt entfernt. 2021 brauchte ETH nach Bitcoins Ausbruch fast zwei Monate, um selbst auf ein neues Allzeithoch zu klettern. Die Erlösung für alle Ethereum-Investoren, die der Bitcoin-Rallye damals schon wochenlang zugesehen hatten, kam erst Anfang Februar 2021. Und auch das passt in historische Muster.
Traditionell erlebt der Bitcoin im vierten Quartal seine stärksten Anstiege, Ethereum erwacht erst nach Neujahr aus dem Winterschlaf. Während wir aktuell auf den historisch stärksten Monat des Jahres zusteuern (Bitcoin verzeichnete in den letzten zwölf Jahren im November ein mittleres Plus von fast 47 Prozent), kommt Ethereum kaum hinterher. Statistisch ist das nicht ungewöhnlich: Seit Beginn der Datenerfassung 2016 war der durchschnittliche November für Ethereum mit gerade mal drei Prozent Kursgewinn deutlich schwächer als bei Bitcoin. Während BTC nach Neujahr im Schnitt abkühlte und in der ersten Hälfte des neuen Jahres kaum noch zweistellige monatliche Zuwächse verzeichnete, ging es bei Ethereum da erst richtig los.
Muster wiederholen sich: Startet bald die große ETH-Rallye?
Dass Ethereum im Herbst deutlich schwächer performt als der Bitcoin ist also keineswegs ungewöhnlich – und auch mit Blick auf den letzten Zyklus eher der Normalzustand. Warum Ethereum als Altcoin-Marktführer während heißer Bullenmarkt-Phasen in Rückstand zum Bitcoin gerät, ist leicht zu erklären: Frisches Kapital, das in der ersten großen Bullenrallye in den Markt kommt (etwa beim Anstieg bis zum Mid-Cycle Top im Frühjahr 2021) fließt zunächst in den Bitcoin und wird anschließend in Altcoins umgeschichtet. Dieses Phänomen wird in der ersten Grafik deutlich: Ethereum schaffte den Ausbruch auf ein neues Allzeithoch erst, als die Bitcoin-Rallye ihre erste größere Korrektur erlebte und die Liquidität begann, von BTC in den Altcoin-Sektor zu fließen.
Auch der Kursverlauf von Ethereum offenbart auffällige Parallelen zum Bullenmarkt 2021. Nach dem Bärenmarkttief 2019 scheiterte ETH zweimal am Preislevel um $300 (gestrichelte gelbe Linie) und konnte erst nach dem Halving im Jahr 2020 über diesen Widerstand ausbrechen. Innerhalb kurzer Zeit schoss der Preis anschließend auf fast $500, korrigierte danach aber scharf und fiel auf den Preisbereich um $300 zurück, der nun als Unterstützung fungierte. Hier konsolidierte der Kurs über mehrere Wochen, bevor ein Ausbruch über das damalige Jahreshoch die große Bullenrallye einleitete, die bis ins Frühjahr 2021 andauern sollte.
Im aktuellen Zyklus scheint sich dieses Muster auf nahezu identische Weise zu wiederholen: Nach dem ETH-Bärenmarkttief im Sommer 2022 scheiterte der Kurs zweimal an der Marke um $2000 (gestrichelte gelbe Linie). Erst im aktuellen Halving-Jahr 2024 gelang der erste Ausbruch darüber und eine anschließende Rallye. Seit dem Jahreshoch im März hat Ethereum aber scharf korrigiert und konsolidiert aktuell – wie sollte es anders sein – auf der wichtigen Marke um $2000, die nunmehr als Support fungiert. Dass der Ausbruch über den Bärenmarkt-Widerstand (respektive den aktuellen Bullenmarkt-Support) dieses Mal schon vor dem Halving und damit deutlich früher als 2020 gelang, dürfte auf den ETF-Hype rund um Bitcoin zurückzuführen sein, der den ganzen Kryptomarkt auf verfrühte Höhen führte. Umso länger dauert die aktuelle Konsolidierung.
Ethereum im Frühling auf $10 000?
Nach dem Ausbruch über sein Jahreshoch 2020 machte der Ethereum-Kurs bis zum ersten Zyklus-Top im Frühjahr des Bullenmarkt-Jahres 2021 ein Plus von rund 800 Prozent. Sofern sich das sehr ähnliche Muster des letzten Bullruns wiederholt und selbst, wenn die anschließenden Anstiege nur halb so stark ausfallen wie im letzten Zyklus, könnte Ethereum im Frühjahr in Richtung fünfstelliger Kurswerte laufen. Vertrauen sollte man darauf freilich nicht, schließlich sind vergangene bullische Preisentwicklungen keine Garantie für zukünftige Profite. Dennoch hat der Kryptomarkt in der Vergangenheit schon mehrfach seine zyklische Natur bewiesen – und scheint auch dieses Mal mehrere Regelmäßigkeiten früherer Bullenmärkte zu bestätigen. Um diese wichtige Phase analytisch bestmöglich zu begleiten, haben wir in unserer Bitcoin-Analyse erst kürzlich eine bedeutende Anpassung vorgenommen. Checken Sie also schnell die Updates, um optimal vorbereitet zu sein!


Während Bitcoin im Dezember 2020 auf ein neues Allzeithoch ausbrach, war Ethereum mehr als 100 Prozent von seinem damaligen Rekordhoch entfernt.
Die mittlere Monats-Performance von BTC und ETH zeigt: Bitcoin ist im Herbst stark, Ethereum legt nach Neujahr kräftig zu.
2020 war die Marke um $300 (gelb gestrichelt) erst starker Widerstand, dann wichtiger Support vor der großen Rallye. 2024 entwickelte sich ETH auffallend ähnlich.
2024 wiederholte sich das Muster: gestrichelte Support-Linie zweimal von unten gestestet, Ausbruch darüber, Konsolidierung darauf. Wie geht's weiter?

