Amazon verdoppelt Gewinn, Apple verkauft weniger iPhones
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Amazon verdoppelt Gewinn, Apple verkauft weniger iPhones

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Simeon Koch

Es ist noch gar nicht so lange her, da versprach Amazon-Geschäftsführer Andy Jassy seinen Aktionären, in Zukunft „noch effizienter“ zu arbeiten und „mit weniger mehr erreichen“ zu wollen. Im Frühjahr hatte Amazon mit einem beeindruckenden Jahresgewinn von rund $10.6 Milliarden das mit $300 Millionen sehr enttäuschende Jahr 2023 vergessen gemacht. Diesen Wachstumskurs werde man beibehalten, besonders mit Blick auf die Cloud-Sparte Amazon Web Services (AWS), versprach CEO Jassy – und hielt Wort. Im zweiten Quartal steigerte Amazon den Umsatz deutlich und konnte die neu gewonnen Profitabilität gleich unter Beweis stellen, indem man den Gewinn zum Vorjahresquartal fast verdoppelte. Auch AWS bleibt seinem rasanten Wachstum treu. Für Apple begann 2024 ebenfalls hervorragend. Erstmals konnte der iPhone-Hersteller ein Jahr als weltgrößter Smartphone-Anbieter nach Verkäufen abschließen und damit den ewigen Konkurrenten Samsung in die Schranken weisen. Und auch die anfangs holprige Neuausrichtung auf Künstliche Intelligenz scheint endlich zu fruchten, dank hochkarätiger Kooperationen mit OpenAI und Co. Nach dem starken Jahresbeginn lief das zweite Quartal für Apple ordentlich – obgleich die iPhone-Verkäufe schwächeln.

Amazon kontert gegen Billig-Konkurrenz

Amazon hatte es schonmal leichter auf dem globalen Markt. Jahrelang genoss der nordamerikanische Onlinehandel-Gigant eine regelrechte Monopolstellung. In den letzten Monaten aber holten die Billig-Anbieter Shein und Temu auf – aus Amazons Sicht mit besorgniserregendem Tempo. Zwar plant die Europäische Union bereits Maßnahmen gegen die Warenflut aus Fernost, Amazon aber nimmt die Sache lieber selbst in die Hand und stellte Ende Juni eine neue Billig-Schiene als direkte Antwort auf die chinesische Konkurrenz vor. Selbst auf dem heimischen Markt hatte Amazon mit dem verschärften Wettbewerb zu kämpfen: „Wir haben unsere internen Ziele fürs Umsatzwachstum in Nordamerika leicht verfehlt“, gestand Amazons Finanzchef Brian Olsavsky bei der Präsentation der jüngsten Quartalszahlen am Donnerstag. Verantwortlich dafür sei nicht nur der Konkurrenzdruck aus China, sondern auch eine neue Sparsamkeit der internationalen Kundschaft: „Unsere Kunden kaufen vermehrt günstigere Produkte“, erklärte Olsavsky, „sie sind immer vorsichtiger mit ihren Ausgaben und verlegen sich zunehmend auf billigere Waren“.

Amazon-Zahlen Q2 nebst Vorgänger- und Vorjahresquartal sowie Analystenschätzung

Dennoch gelang es Amazon, den Umsatz in den drei Monaten zwischen April und Juni um solide zehn Prozent auf $148 Milliarden zu steigern. Im zweiten Quartal des Vorjahres hatte Amazon noch $134.4 Milliarden erwirtschaftet. Auch, wenn man die Analysten-Erwartungen damit knapp verfehlte, nimmt Andy Jassys Versprechen vom Jahresbeginn, das Geschäftsmodell profitabler zu gestalten, bereits Formen an: Mit $13.5 Milliarden Nettogewinn blieb Amazon fast doppelt so viel Profit übrig wie im Vergleichszeitraum 2023. Entsprechend stieg der Gewinn pro Aktie kräftig von $0.65 auf nun $1.26. Nicht unbeteiligt ist daran die kontinuierliche Entwicklung der Cloud-Sparte. Mit $26.3 Milliarden entfallen mittlerweile rund 18 Prozent des Gesamtumsatzes auf den Amazon Web Service (AWS). Und das ist kein Zufall: Amazon sieht in AWS das Fundament für den Aufstieg zu einem dominanten Entwickler Künstlicher Intelligenz. Schon im September vergangenen Jahres gab Amazon bekannt, milliardenschwer beim KI-Startup Anthropic einzusteigen. Gemeinsam mit dem OpenAI-Rivalen will Amazon „die volle Kraft der generativen Künstlichen Intelligenz entfesseln“, wie der Konzern schon im Oktober in einer Stellungnahme schrieb.

Apple profitiert von Premium-Hype

Mit verringerter Kauffreude der internationalen Kundschaft hat auch der iPhone-Hersteller Apple zu kämpfen. Nach dem Sprung an die Smartphone-Spitze zu Jahresbeginn scheint der Absatz des Flaggschiff-Produkts plötzlich zu stocken. Noch im ersten Quartal nahm Apple mit dem Verkauf seiner iPhones stattliche $46 Milliarden ein, in den zurückliegenden drei Monaten waren es dann nur noch $39.3 Milliarden. Dennoch konnte Apple die verhaltenen Analysten-Prognosen von $38.8 Milliarden recht deutlich übertreffen und führt die positive Entwicklung des globalen Smartphone-Marktes weiterhin mit seinem Dauerrivalen Samsung an. Allein im zweiten Quartal wuchs der globale Smartphone-Markt um 6.5 Prozent, weltweite Auslieferungen von Handys stiegen das vierte Quartal in Folge. Zwar scheint sich der positive Trend etwas abzuschwächen (im ersten Quartal lag das Wachstum noch bei fast acht Prozent), der Weltmarkt aber profitiert laut Analysten von der Euphorie um Smartphones mit Künstlicher Intelligenz. Auch die steigende Nachfrage nach High-End-Produkten kommt Apple zugute.

Apple-Zahlen Q2 nebst Vorgänger- und Vorjahresquartal sowie Analystenschätzung

Diese Verschiebung des Marktes lockt aber auch neue Konkurrenz an, wie Nabila Popal, Forschungsleiterin des weltweit operierenden Marktforschungsinstituts International Data Corporation (IDC) Mitte Juli der Nachrichtenagentur Reuters erklärte: „Da Apple und Samsung weiterhin an die Spitze des Marktes drängen und am meisten vom anhaltenden Trend zur Premiumisierung profitieren, erhöhen viele führende chinesische Unternehmen ihre Lieferungen im unteren Segment, um angesichts der schwachen Nachfrage Volumenanteile zu gewinnen.“ Um diese Konkurrenz in Schach zu halten, will Apple nun vor allem im KI-Segment nachrüsten und präsentierte vor einiger Zeit Pläne über eine Integration von OpenAIs weltberühmtem Chatbot ChatGPT in seinen iPhones. Getrieben ist dieses Projekt auch von Apples Hoffnung, in Zukunft wieder größere Profitsprünge hinzubekommen. Im Vergleich zum Vorjahresquartal gelang Apple eine gesunde, aber nicht gerade atemberaubende Umsatzsteigerung von 5 Prozent auf $85.8 Milliarden, der Gewinn kletterte um etwas kräftigere acht Prozent auf $21.4 Milliarden.

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