Alibaba hat seine Geschäftszahlen für das am 31. März 2025 abgeschlossene Quartal vorgelegt, intern bezeichnet als das vierte Quartal des Geschäftsjahres 2025. Der chinesische E-Commerce-Konzern konnte weder beim Umsatz noch beim Gewinn die Erwartungen erfüllen. Die Aktie reagierte mit einem deutlichen Kursrückgang.
Alibaba zählt zu den Unternehmen, die ihr Geschäftsjahr nicht am 31. Dezember, sondern bereits im März abschließen. Deshalb spricht der Konzern aktuell von Ergebnissen für das vierte Quartal des Geschäftsjahres 2025, obwohl es sich aus kalendarischer Sicht um das erste Quartal 2025 handelt. Diese Praxis ist bei börsennotierten Unternehmen nicht unüblich und folgt unternehmensinternen Bilanzierungszyklen.
Alibaba-Geschäftszahlen im Überblick
In den ersten drei Monaten des Geschäftsjahres erwirtschaftete Alibaba einen Umsatz von rund 32.6 Milliarden US-Dollar und verfehlte damit die Analystenschätzungen von 32.7 Milliarden US-Dollar knapp. Der Nettogewinn lag bei rund 1.7 Milliarden US-Dollar, deutlich unter den erwarteten 3.4 Milliarden Dollar. Dennoch bedeutet das einen Anstieg von 275 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal, in dem Alibaba lediglich 453 Millionen US-Dollar Nettogewinn ausgewiesen hatte.
Obwohl Umsatz und Nettogewinn deutlich stiegen, verfehlte Alibaba die Erwartungen der Analysten. Enttäuschend waren auch die Aktienrückkäufe.
Der niedrige Vorjahreswert resultierte aus einer Kombination mehrerer Belastungsfaktoren: Unter anderem musste Alibaba im Vorjahr Abschreibungen auf Beteiligungen und Restrukturierungskosten im Zusammenhang mit der geplanten Aufspaltung des Konzerns verkraften. Auch regulatorische Unsicherheiten in China sowie ein schwacher Konsum infolge der damaligen Wirtschaftslage hatten das Ergebnis erheblich belastet. Vor diesem Hintergrund fällt das diesjährige Gewinnplus zwar prozentual stark aus, relativiert sich jedoch durch die sehr schwache Ausgangsbasis.
Umsatz wächst dank Kunden-Services
Im wichtigsten Geschäftsbereich, dem E-Commerce in China, hat Alibaba im letzten Quartal rund 14 Milliarden US-Dollar Umsatz erzielt. Das sind neun Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Zu diesem Bereich gehören die beiden großen Online-Plattformen Taobao und Tmall. Taobao ist eine Plattform, auf der hauptsächlich kleine Händler und Privatpersonen ihre Produkte direkt an Kundinnen und Kunden verkaufen – ähnlich wie bei eBay oder einem digitalen Flohmarkt. Tmall richtet sich dagegen an große Marken und Unternehmen, die dort ihre offiziellen Online-Shops betreiben.
Ein besonders wichtiger Teil der Einnahmen stammt aus dem sogenannten Customer Management Revenue. Das bedeutet: Alibaba verdient Geld, indem es Werbeflächen, Marketingtools und andere Services an Händler auf den Plattformen verkauft. Wenn ein Händler etwa möchte, dass sein Produkt bei einer Suche ganz oben angezeigt wird, zahlt er dafür. Dieser Bereich wuchs im Jahresvergleich um zwölf Prozent und ist damit ein starker Umsatztreiber.
Woher kommt die Alibaba-Schwäche?
Alibaba erklärt den niedrigeren Gewinn vor allem mit Verlusten aus dem Verkauf von Beteiligungen. Wenn ein Unternehmen Anteile an anderen Firmen verkauft und dafür weniger bekommt, als diese einmal wert waren, entsteht ein Verlust. Solche Verluste haben Alibaba im Quartal belastet. Zudem verweist das Unternehmen auf makroökonomische Unsicherheiten und ein schwächeres Konsumverhalten in China. Auch der zunehmende Wettbewerb und der Preisdruck im E-Commerce hätten sich auf das Ergebnis ausgewirkt.
In China geben die Menschen derzeit weniger Geld aus, was Alibabas Kerngeschäft schadet. Den rückläufigen Konsum bedingt vor allem die unsichere wirtschaftliche Lage im Land. Darüber hinaus haben die von den USA verhängten Zölle und Handelsbeschränkungen direkte Auswirkungen auf Alibabas internationale Geschäfte. Für Alibaba heißt das weniger Verkäufe auf den Plattformen, weniger Werbeeinnahmen von Händlern und damit weniger Gewinn.
Hinzukommt, dass Alibaba sich einen harten Preiskampf mit anderen Onlinehändlern liefert, etwa JD.com und PDD. Um konkurrenzfähig zu bleiben, muss Alibaba Rabatte geben, das verringert ebenfalls die Einnahmen. Trotz aller Investitionen in neue Technologien wie Künstliche Intelligenz konnte Alibaba die hohen Erwartungen der Analysten deshalb nicht erfüllen.
Alibaba-Aktie kaufen oder nicht?
Die Alibaba-Aktie reagierte empfindlich auf die enttäuschenden Zahlen und verlor im vorbörslichen US-Handel rund fünf an Wert. Für Anlegerinnen und Anleger stellt sich nun die Frage, wie es weitergeht. Kurzfristig könnten die Unsicherheiten im chinesischen Markt, der intensive Wettbewerb sowie die schwankende Konsumlaune weiterhin auf die Kursentwicklung drücken. Langfristig setzen viele Investoren aber auf Alibabas starke Marktstellung im E-Commerce und die wachsende Rolle im Bereich Künstliche Intelligenz.Image Caption
Die Alibaba-Aktie hat schon Ende 2022 eine lange Korrekturstruktur abgeschlossen und befand sich bis zum Sommer 2024 in einer Konsolidierungsphase. Seither wuchs die Volatilität wieder, mehrere höhere lokale Hochs deuten auf einen Trendwechsel hin zu einer übergeordneten Impulsbewegung hin. Kurzfristig kann eine baldige Korrektur unter die Unterstützung bei gut 121 US-Dollar zurückführen, dann aber rechnen wir mit stufenweisen Anstiegen in Richtung der runden 200 US-Dollar. Regelmäßige Analysen zu Alibaba und weiteren chinesischen Börsen-Giganten erhalten Abonnenten im China Titans-Analysepaket.




