Zweiter Token für Polkadot: Warum DOT jetzt Konkurrenz bekommt
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Zweiter Token für Polkadot: Warum DOT jetzt Konkurrenz bekommt

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Nikolai Heger

Das Wichtigste in Kürze:

  • JAMKB soll den knappen Speicher im künftigen JAM-Netzwerk abbilden.
  • Entscheidend ist, ob dafür in DOT oder dotUSD bezahlt wird.
  • Davon hängt ab, wie stark DOT wirtschaftlich profitiert.

Rund eine halbe Milliarde US-Dollar kostet der Betrieb von Polkadot pro Jahr. So hat es Gründer Gavin Wood zuletzt selbst beziffert. Der Verkauf von Kapazität im Netzwerk deckt diese Kosten bisher nicht. Die Lücke füllt das Netzwerk bislang mit neu geschaffenen DOT. Genau hier setzt Woods Vorschlag für einen zweiten Token namens JAMKB an. Er soll den knappen Speicher des künftigen Netzwerks JAM bewirtschaften und der Gemeinschaft der DOT-Halter neue Einnahmen bringen. Ob dieses Geld jemals bei ihnen ankommt, ist bislang völlig offen. Ebenso unklar ist, was der neue Token für DOT bedeutet.

Bevor JAMKB kommt: Wofür DOT heute gebraucht wird

DOT hat im Polkadot-Netzwerk drei wichtige Aufgaben. Besitzer können mit ihren Token über Änderungen am Netzwerk abstimmen und mitentscheiden, wofür die Polkadot-Blockchain neue Tokens ausgibt. Gleichzeitig sichern DOT-Inhaber das Netzwerk über Staking ab und werden dafür belohnt. Die dritte Aufgabe ist die Bezahlung von Rechenleistung, die Anwendungen und Projekte im Polkadot-Netzwerk benötigen. Damit verbindet DOT Mitbestimmung, Sicherheit und die tatsächliche Nutzung des Netzwerks.


Drei Aufgaben, die neue NachfrageDrei Aufgaben, die neue Nachfrage


Mit Polkadot 2.0 verändert sich vor allem die Nutzung dieser Rechenleistung. Früher mussten Projekte sogenannte Parachain-Slots für längere Zeit ersteigern und dafür große Mengen DOT binden. Das war vergleichsweise unflexibel und konnte den Einstieg erschweren. Mit dem neuen Modell Agile Coretime können Projekte Rechenleistung deutlich flexibler kaufen – entweder langfristig oder nur dann, wenn sie sie tatsächlich benötigen. Die ehemals zentrale Relay Chain wird ersetzt von JAM (Join-Accumulate Machine). JAM soll Polkadot zu einem dezentralen Supercomputer machen und die Nutzung der Rechenleistung flexibler.

Dadurch soll sich auch die Nachfrage nach DOT verändern. Statt große Mengen des Tokens für lange Zeit zu blockieren, entsteht die Nachfrage stärker durch die tatsächliche Nutzung des Polkadot-Netzwerks. Wer Rechenleistung benötigt, bezahlt dafür mit DOT. Nach dem aktuellen Modell werden diese ausgegebenen DOT anschließend verbrannt und damit aus dem Umlauf genommen. Polkadot 2.0 macht DOT damit stärker zu einem Nutzungs-Token. Für zusätzliche Verknappung soll das erste DOT-Halving sorgen.

Ein Token, der kein Geld sein soll, sondern reiner Speicherplatz

Damit JAM reibungslos funktioniert, soll DOT einen weiteren Token bekommen: JAMKB. Er soll nicht die Aufgaben von DOT übernehmen, sondern eine ganz bestimmte Ressource abbilden – den dauerhaft belegten Speicherplatz des Netzwerks. Vereinfacht gesagt steht ein JAMKB für ein Kilobyte dieses Speichers. Weil dieser Speicher physisch begrenzt ist, soll auch die Zahl der JAMKB auf rund 21 Millionen Einheiten begrenzt sein.

Für Entwickler bedeutet das: Wer eine Anwendung auf JAM betreiben und Daten dauerhaft im Netzwerk speichern möchte, benötigt entsprechend viele JAMKB. Die Besonderheit ist, dass zunächst die DOT DAO alle JAMKB besitzt. Entwickler können sich die benötigten Speicherrechte also über die DAO erwerben. JAMKB ist damit vor allem ein Nutzungsrecht für knappen Speicherplatz und kein Token, der DOT als allgemeines Zahlungsmittel ersetzen soll.


Ein Token, ein Kilobyte: JAMKB bildet den knappen Dauerspeicher von JAM ab. Die Menge wäre bei rund 21 Millionen Einheiten gedeckelt.Ein Token, ein Kilobyte: JAMKB bildet den knappen Dauerspeicher von JAM ab. Die Menge wäre bei rund 21 Millionen Einheiten gedeckelt


Für DOT ist diese Aufteilung deshalb nicht automatisch ein Problem. DOT bleibt für Governance, Staking, Transaktionen und die Nutzung von Rechenleistung zuständig, während JAMKB ausschließlich den dauerhaft belegten Speicher abbildet. Steigt die Nachfrage nach Speicher, kann das zusätzliche Einnahmen für das Polkadot-Ökosystem schaffen – und damit indirekt auch den wirtschaftlichen Wert der DOT-Inhaber stärken. Es sei denn, der Handel mit JAMKB wird von Polkadot abgekoppelt. Diese Frage spaltet die DOT-Community.

Die entscheidende Frage lautet: In welcher Währung wird bezahlt?

Damit beginnt der eigentliche Konflikt. Wood lässt offen, wogegen die DAO ihren Speicher abgeben soll. Seine persönliche Präferenz nennt er trotzdem: den geplanten, mit DOT besicherten Stablecoin dotUSD. JAMKB wäre dabei kein klassischer Kryptowährungs-Token wie DOT, sondern vor allem ein Nutzungsrecht für knappen Speicherplatz. Für Entwickler zählt deshalb nicht der Token als Anlage, sondern das Recht, eine entsprechende Menge Daten dauerhaft im JAM-Netzwerk zu speichern.


Woods Weg führt über den Stablecoin dotUSD und eine spätere Abstimmung. Der Community-Antrag will jede Vergabe direkt in DOT abrechnen.Woods Weg führt über den Stablecoin dotUSD und eine spätere Abstimmung. Der Community-Antrag will jede Vergabe direkt in DOT abrechnen


Wie JAMKB genau vergeben werden, ist noch offen. Fest steht bislang nur, dass die Token zunächst von der DOT DAO kontrolliert werden sollen. Diskutiert werden unter anderem zeitlich begrenzte Vermietungen oder eine Ausgabe gegen DOT-Hinterlegung. Ob JAMKB später frei zwischen Marktteilnehmern oder an Börsen gehandelt werden können, ist ebenfalls ungeklärt. Ein klassischer Börsenhandel ist bislang eher nicht vorgesehen.

Im Polkadot-Forum formiert sich deshalb Widerstand. Mehrere Community-Mitglieder haben eine Forderung vorgebracht: Jede Vergabe von JAM-Speicher durch die DAO soll in DOT abgerechnet werden. Preise könnten weiterhin in dotUSD angegeben werden. Rechenzeit wird bereits in DOT bezahlt – die Befürworter fragen daher, warum dies bei der zweiten knappen Ressource anders sein sollte.

Gleichzeitig rückt die Umsetzung näher. Gavin Wood kündigte Ende Juli an, sich wieder stärker auf die technische Entwicklung zu konzentrieren. Kernentwickler rechnen derzeit mit einem Zeitraum von zwölf bis 20 Monaten für JAM. Der Governance-Antrag für das Upgrade wird bereits für die zweite Jahreshälfte erwartet. Damit dürfte die Frage, wie JAMKB wirtschaftlich mit DOT verknüpft wird, bald konkreter werden.

Fluch oder Segen für DOT? Die möglichen Folgen von JAMKB

JAMKB wird eingeführt, um den knappen, dauerhaft belegten Speicher von JAM als eigene Ressource abzubilden. Der Token soll festlegen, wie viel Speicher eine Anwendung nutzen darf, statt diese Ressource vollständig über DOT abzurechnen. JAMKB wäre damit kein Ersatz für DOT, sondern ein zusätzliches Nutzungsrecht innerhalb des JAM-Systems.


Speicher wird eigene RessourceSpeicher wird eigene Ressource


  • Bester Fall für DOT: Entwickler erwerben JAMKB mit DOT und die Einnahmen werden teilweise verbrannt. Dann steigt die DOT-Nachfrage direkt mit der Nutzung von JAM. Gleichzeitig könnte mehr Aktivität im Netzwerk auch die Nachfrage nach DOT für Coretime erhöhen.

  • Mittlerer Fall: Die Speicherrechte werden beispielsweise in dotUSD bezahlt, die Einnahmen erzeugen aber indirekt weiterhin Nachfrage nach DOT. JAM kann dadurch wachsen, ohne dass jede Speichernutzung unmittelbar einen Kauf von DOT erfordert.

  • Schwächster Fall: JAMKB werden gegen Stablecoins vergeben und später frei gehandelt. Dann könnte der Speicher-Usecase von JAM deutlich wachsen, ohne dauerhaft zusätzliche DOT-Nachfrage zu erzeugen. Ein Teil der wirtschaftlichen Wertschöpfung würde damit von DOT entkoppelt.

JAMKB nimmt DOT daher nicht automatisch seinen bisherigen Usecase. Gavin Wood betont, dass weder er noch eine verbundene Organisation JAMKB verkaufen oder verteilen soll. Die anfängliche Menge soll der von DOT-Haltern kontrollierten DAO gehören. DOT bleibt zudem der native Token von JAM. Entscheidend ist deshalb, wie viel des wirtschaftlichen Werts aus der Speichernutzung zurück zu DOT fließt.

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Nikolai Heger

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