Zinsen, Inflation und Arbeitslosigkeit: Der ganz normale Wahnsinn?
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Zinsen, Inflation und Arbeitslosigkeit: Der ganz normale Wahnsinn?

Author

Emre Şentürk

Erinnern Sie sich noch an die Zeit, in der das Thema Arbeitslosigkeit eine hohe mediale Prominenz hatte? „Jau, stimmt! Was ist eigentlich damit passiert?“, wird sicherlich der eine oder andere unter Ihnen beim Lesen dieser Einleitung gedacht haben. Von der Arbeitslosenquote haben wir tatsächlich lange Zeit nichts mehr gehört, weil sie einfach auch stark zurückgegangen ist. Sicherlich ist dies nicht ganz ohne Kontroversen so gekommen, da viele nachteilige Beschäftigungsmodelle dominanter geworden sind, aber de facto hat sich die Zahl der nicht arbeitenden, jedoch arbeitsfähigen, Menschen seit 2005 mehr als halbiert.

Aktuell ist die Arbeitslosenquote bei etwa 5.1% und somit ist klar, dass sich seit den 11.7% im Jahr 2005 ordentlich was getan hat. Begünstigt wurde diese Entwicklung aber tatsächlich durch etwas, was wir heute kritisch betrachten: niedrige Zinsen. Mit Ausnahme der Jahre 2007 und 2008, haben sich die Zinsen in der Eurozone, und damit auch in Deutschland, stark zurückentwickelt. Dadurch wurde es immer günstiger, Geld zu bekommen. Unternehmen, die also Investitionen tätigen wollten, konnten dies zu immer günstigeren Konditionen tun. Entsprechend ist die Nachfrage nach dem Geld und nach den entsprechenden Investitionen gestiegen.


Zwar bedeutet nicht jede Investition automatisch, dass neue Arbeitsplätze geschaffen werden, aber über die letzten 17 Jahre scheint dies großflächig der Fall gewesen zu sein. Wenn man mal von den Finanzmärkten absieht, ist Vollbeschäftigung ein wichtiges realwirtschaftliches und politisches Ziel. Niemand nimmt Schaden durch niedrige Arbeitslosenzahlen. Zwar liegt das nicht ausschließlich am Zins, aber dieser hat sicherlich eine elementare Funktion gespielt. Zudem hat dieser auch bewirkt, dass die arbeitende Bevölkerung dadurch leichter zu finanziellem Wohlstand finden konnte, da die Beleihungskosten für Immobilien gesunken sind.

Es ja nur natürlich, dass dies nicht in alle Ewigkeit so fortlaufen kann. Mit mehr Beschäftigung steigt die Kaufkraft und die Nachfrage nach allen möglichen Gütern und Dienstleistungen auf der Makroebene. Auch die Immobilienpreise sind nicht aus Spaß gestiegen, sondern weil die relevanten Reize gesetzt wurden. Und es war entsprechend abzusehen, dass wir irgendwann an einen Punkt kommen würden, an dem wir uns umschauen und uns fragen, wieso das alles so teuer geworden ist. Das Hauptprinzip der Wirtschaft ist und bleibt: Auf Aktion folgt Reaktion.

Nun werden die Zinsen erhöht und die Inflation dürfte sich in den nächsten Monaten und Jahren beruhigen, aber dann wird sicherlich über langsameres Wirtschaftswachstum gemeckert, gefolgt von Kritik wegen steigender Arbeitslosigkeit. Danach wird der Zins wieder gesenkt, die Märkte gehen ab, Preise steigen und es wird wieder gemeckert. Wichtig ist, dass die Maßnahmen, egal welche man ergreift, keiner radikalen Natur entsprechen. Die Devise guter Wirtschaftspolitik ist, dass man diesen ganz normalen Zyklus, der oben beschrieben ist, so verwaltet und leitet, dass die Schwankungen leicht und geschmeidig auftreten – vermeiden kann man sie nicht.

Ob das aktuell der Fall ist, überlassen wir Ihrer Einschätzung, jedoch ist es wichtig daran zu denken, dass die aktuelle Lage nicht rein aus negativen Entwicklungen entstanden ist.

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Emre Şentürk

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