Die Kalenderwoche 18 (27. April bis 4. Mai 2026) geht als eine der ereignisreichsten Wochen des Jahres in die Geschichte ein. Gleich vier der weltweit wichtigsten Zentralbanken – die Bank of Japan (BoJ), die Bank of Canada (BoC), die US-Notenbank (Fed) und die Europäische Zentralbank (EZB) – geben ihre Zinsentscheidungen bekannt. Flankiert wird dieses geldpolitische Feuerwerk von entscheidenden Wachstums- und Inflationsdaten aus den USA und Europa.
Dienstag: Auftakt in Japan und EZB-Kreditumfrage
Die Woche beginnt am Dienstag in den frühen Morgenstunden mit der Zinsentscheidung der Bank of Japan (BoJ). Die japanische Notenbank wird voraussichtlich ihren Leitzins bei 0.75 Prozent belassen. Der Leitzins ist das zentrale Instrument der Geldpolitik, mit dem Notenbanken die Kreditkosten für Geschäftsbanken steuern und so Einfluss auf Inflation und Wirtschaftswachstum nehmen. Begleitet wird die Entscheidung von der geldpolitischen Erklärung und der anschließenden Pressekonferenz, auf der Investoren nach Hinweisen auf zukünftige Zinsschritte suchen werden.
In Europa steht am Vormittag die EZB Bankkredit Umfrage auf der Agenda. Sie liefert wichtige Erkenntnisse über die Kreditvergabebedingungen der Banken und die Kreditnachfrage von Unternehmen und privaten Haushalten. Ein restriktiveres Kreditumfeld kann das Wirtschaftswachstum dämpfen. Am Abend wird zudem EZB-Präsidentin Christine Lagarde sprechen, was im Vorfeld der anstehenden EZB-Sitzung besondere Beachtung finden dürfte.
Mittwoch: Inflation in Deutschland, BoC und Fed-Entscheid
Der Mittwoch ist vollgepackt mit marktbewegenden Terminen. Zunächst werden in Deutschland die Verbraucherpreise veröffentlicht. Der Verbraucherpreisindex misst die durchschnittliche Preisentwicklung eines repräsentativen Warenkorbs von Konsumgütern und Dienstleistungen und ist der wichtigste Indikator für die Inflation. Für den Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) auf Jahresbasis, der für den europäischen Vergleich berechnet wird, wird ein Anstieg von 2.80 Prozent auf 3.10 Prozent erwartet. Auch der nationale Verbraucherpreisindex (Jahr) soll von 2.70 Prozent auf 3.00 Prozent steigen. Der vorherige Monatswert lag bei 1.10 Prozent. In Neuseeland hält zudem RBNZ-Gouverneur Adrian Orr (Breman Rede) eine Ansprache.
Am Nachmittag rückt Kanada in den Fokus. Die Bank of Canada (BoC) gibt ihre Zinsentscheidung bekannt. Es wird erwartet, dass der Leitzins unverändert bei 2.25 Prozent bleibt. Begleitet wird der Entscheid vom geldpolitischen Bericht, dem Begleittext und der anschließenden Pressekonferenz.
Am Abend folgt dann das Highlight aus den USA: Die Zinsentscheidung der US-Notenbank (Fed). Auch hier wird erwartet, dass der Leitzins bei 3.75 Prozent belassen wird. Die Märkte werden die Erklärung zur Geldpolitik und die anschließende FOMC Pressekonferenz mit Spannung verfolgen, um Signale für den weiteren Zinspfad zu erhalten.
Donnerstag: EZB-Entscheid, US-BIP und PCE-Inflation
Der Donnerstag bringt den nächsten Höhepunkt. Zunächst werden in China die NBS Einkaufsmanagerindizes (EMI) veröffentlicht. Diese Indizes basieren auf Umfragen unter Einkaufsmanagern und gelten als verlässliche Frühindikatoren für die wirtschaftliche Entwicklung. Ein Wert über 50 deutet auf Wachstum hin, ein Wert darunter auf Schrumpfung. Für das verarbeitende Gewerbe wird ein leichter Rückgang von 50.40 auf 50.20 erwartet, für den Dienstleistungssektor ein Rückgang von 50.10 auf 49.90. Der RatingDog EMI für das verarbeitende Gewerbe soll von 50.80 auf 50.50 sinken.
In Deutschland werden die Einzelhandelsumsätze (Jahr) gemeldet (vorher: 0.70 Prozent). Sie messen die Veränderung des Gesamtwerts der inflationsbereinigten Verkäufe auf Einzelhandelsebene und sind ein zentraler Indikator für die Konsumausgaben. Zudem wird das Bruttoinlandsprodukt (BIP) veröffentlicht. Das BIP ist das umfassendste Maß für die wirtschaftliche Aktivität und misst den Wert aller in einem Land produzierten Waren und Dienstleistungen. Für das saisonbereinigte Quartals-BIP wird ein Rückgang des Wachstums von 0.30 Prozent auf 0.20 Prozent erwartet. Das vorherige nicht saisonbereinigte Jahres-BIP lag bei 0.40 Prozent.
Für die gesamte Eurozone werden ebenfalls Inflations- und Wachstumsdaten veröffentlicht. Der Harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) auf Jahresbasis soll von 2.60 Prozent auf 2.90 Prozent steigen (vorheriger Monatswert: 1.30 Prozent). Bei der Kernrate (HVPI) auf Jahresbasis, die volatile Komponenten wie Energie und Nahrungsmittel ausschließt, wird hingegen ein Rückgang von 2.30 Prozent auf 2.10 Prozent erwartet (vorheriger Monatswert: 0.80 Prozent). Das saisonbereinigte Jahres-BIP der Eurozone soll sich von 1.20 Prozent auf 0.80 Prozent abschwächen, während das Quartals-BIP voraussichtlich konstant bei 0.20 Prozent bleibt.
Am Nachmittag folgt die Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB). Es wird erwartet, dass der Hauptrefinanzierungsgeschäfte-Zinssatz bei 2.15 Prozent und der Zinssatz für die Einlagefazilität bei 2.00 Prozent belassen werden. Begleitet wird die Entscheidung vom Begleittext zur Geldpolitik und der anschließenden Pressekonferenz.
Zeitgleich werden in den USA entscheidende Daten veröffentlicht. Das annualisierte Bruttoinlandsprodukt (BIP) für das erste Quartal soll deutlich von 0.50 Prozent auf 2.10 Prozent steigen. Der vorherige BIP-Preisindex, der die Preisveränderungen aller im BIP enthaltenen Güter und Dienstleistungen misst, lag bei 3.70 Prozent. Zudem wird die Kernrate der persönlichen Konsumausgaben (PCE-Preisindex) gemeldet. Dieser Index misst die Preisänderungen von Konsumgütern und Dienstleistungen ohne Nahrungsmittel und Energie und gilt als der von der Fed bevorzugte Inflationsindikator. Für die Monatsrate wird ein Rückgang von 0.40 Prozent auf 0.30 Prozent erwartet, die vorherige Jahresrate lag bei 3.00 Prozent.
Freitag: Tokioter Inflation und US-Industrie
Die Woche endet am Freitag mit weiteren wichtigen Daten. In Japan wird der Tokioter Verbraucherpreisindex veröffentlicht, der als Frühindikator für die landesweite Inflation gilt. Der vorherige Wert für die Jahresrate lag bei 1.40 Prozent, die Kernrate (ohne Lebensmittel und Energie) bei 1.70 Prozent.
Den Abschluss bildet am Nachmittag der ISM Einkaufsmanagerindex (EMI) für das verarbeitende Gewerbe in den USA. Dieser wichtige Frühindikator soll von 52.70 auf 53.20 steigen, was auf eine beschleunigte Expansion im Industriesektor hindeuten würde.






