Willkommen im Altcoin-Bärenmarkt!
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Willkommen im Altcoin-Bärenmarkt!

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Simeon Koch

Es sieht gar nicht gut aus für Bitcoin. Gestern fiel der Krypto-Marktführer unter 94 000 US-Dollar und schloss seine Wochenkerze unterhalb des 50-wöchigen gleitenden Durchschnitts (50-Week-SMA). Nach den Bullrun-Tops 2013, 2017 und 2021 führte diese Konstellation schnurstracks in den nächsten Bärenmarkt und brachte über die folgenden Monate Korrekturen zwischen 60 und 80 Prozent für Bitcoin. Bisher ist dieses vierte Quartal das schlechteste aller Zeiten – zumindest in Post-Halving-Jahren.

Stand 17. November ist Bitcoin in Q4 2025 mit 16 Prozent im Minus, Ethereum mit mehr als 22 Prozent: das bisher schlechteste Q4 in einem Post-Halving-Jahr.

Schlimmer steht es mal wieder um die Altcoins. Viele kleinere Kryptowährungen sind schon jetzt mehr als 90 Prozent von ihrem letzten Allzeithoch entfernt. Keine Frage, der breite Kryptosektor befindet sich im Bärenmarkt. Allerdings nicht, weil er dort gerade erst angekommen wäre. Sondern vielmehr, weil Altcoins seit 2021 noch gar keinen Bullrun erlebt haben. Nach vier langen Jahren Bärenmarkt scheint sich eine Kapitalrotation von BTC in Altcoins nun endlich abzuzeichnen. Bevor der Altcoin-Bärenmarkt enden kann, müssen aber drei wichtige Bedingungen erfüllt sein.

Bedingung 1: Altcoins müssen gegen BTC Stärke zeigen

Für alle, die mit dem Titel dieses Artikels fremdeln: Ja, Altcoins sind technisch gesehen seit vier Jahren im Bärenmarkt. Nein, der Altcoin-Bärenmarkt hat nicht eben erst begonnen. Und ja, wichtige Indikatoren deuten darauf hin, dass die jahrelange Schwäche kleiner Kryptowährungen gegenüber Bitcoin bald enden und sich ins Gegenteil verkehren könnte. Heißt das, dass eine Altcoin-Season wie 2017 und 2021 kurz bevorsteht? Nicht unbedingt. Lasst uns das erklären. Ach übrigens, bevor wir starten: Dass Altcoins trotz der Bitcoin-Stärke immer noch im Bärenmarkt sind, haben wir schon vor eineinhalb Jahren gepredigt. Unsere These von damals findet ihr hier.

BTC hat erstmals seit 2022 eine Wochenkerze unter dem 50-wöchigen gleitenden Durchschnitt geschlossen. 2017 und 2021 bedeutete das: Bärenmarkt!
Während Bitcoin in den zurückliegenden vier Wochen mehr als ein Viertel seines Kurswerts verloren hat und von seinem letzten Allzeithoch bei rund 126 000 Dollar auf unter 94 000 Dollar zurückgefallen ist, passierte im Kryptomarkt etwas Seltsames. Altcoins hielten sich nach Wochen heftiger Abverkäufe plötzlich besser als der Branchenprimus.

Am Wochenende unterbot Bitcoin sein Tief bei knapp 99 000 US-Dollar, das in der ersten Novemberwoche erreicht worden war, um mehr als fünf Prozent. Gleichzeitig verteidigte der breite Altcoin-Sektor ein höheres Tief. Sowohl die kumulierte Marktkapitalisierung der Top-125-Altcoins (Total3; exklusive Bitcoin und Ethereum) als auch jene der nächstgrößten Kryptos außerhalb der Top-10 (Others) unterbot ihre Tiefs vom 4. November nicht mehr.

Am Wochenende geschah etwas Seltsames: Altcoins hielten sich besser als Bitcoin. Kann sich dieser Trend fortsetzen?
Kam diese relative Stärke kleiner Kryptowährungen gegen Bitcoin überraschend? Nicht wirklich. Schließlich befindet sich der Altcoin-Sektor nach einem schmerzhaften, vierjährigen Bärenmarkt im Bodenbildungsprozess, gemessen an der BTC-Performance. Seit dem Altcoin-Season-Top im Frühjahr 2022 steckt der gesamte Sektor in einem kontinuierlichen Abwärtstrend, der mit den Massenliquidationen vom 10. Oktober seinen zwischenzeitlichen Tiefpunkt erreichte. Schon seit einiger Zeit zeichnet sich aber ein langsamer Trendwechsel ab.

Die größten 125 Altcoins befinden sich vs. Bitcoin im Bodenbildungsprozess. Die bullischen Ausbrüche bei RSI und MACD sprechen für Stärke.
Sowohl bei Total3 als auch bei Others zeigen sich Indizien auf eine fortschreitende Bodenbildung, die in früheren Zyklen zu impulsiven Aufschwüngen (den berüchtigten Altcoin-Seasons) führten. Dazu gehört bei den Top-125-Altcoins etwa ein Ausbruch des monatlichen Relative-Stärke-Indexes (RSI) über seine gelbe Durchschnittslinie sowie eine bullische Kreuzung des Momentum-Indikators MACD auf dem Preischart, der das Verhältnis der kumulierten Marktkapitalisierung (Total3) zu Bitcoin zeigt.

Steigt diese Kurve an, performen Altcoins besser als Bitcoin. Steigt BTC gleichzeitig, steigen Altcoins stärker. Fällt BTC bei steigendem Total3-Chart, so verlieren Altcoins im gleichen Zeitraum weniger. Altcoins befinden sich nur in einem voll entfalteten Bullenmarkt, wenn sie Bitcoin über mehrere Wochen bis Monate übertrumpfen, wie es etwa 2017 oder 2021 der Fall war. Weil das Kapital in solchen Phasen sukzessive in immer riskantere, weil volatilere Assets fließt, kommt dieser Aufschwung bei Smallcaps (Others) für gewöhnlich ganz zum Schluss. Aber auch hier zeichnet sich eine bullische Trendwende ab, wie sie seit 2021 nicht mehr zu beobachten war.

Smallcaps (Altcoins unterhalb der Top-10) haben im Bitcoin-Paar dieselben Preisregionen getestet wie vor der Altcoin-Season 2021,.

Die kumulierte Smallcap-Marktkapitalisierung (exkl. Top-10-Coins) fiel am 10. Oktober im Verhältnis zu Bitcoin auf Preisniveaus zurück, die auch vor der Altcoin-Season 2020 zur Bodenbildung gedient hatten. Gleichzeitig wiederholt sich bei den wichtigen beiden Indikatoren ein sehr ähnliches Muster wie 2017 und 2021: Nach einem Fakeout über die gelbe Durchschnittslinie ist der RSI kurz davor, nach oben hin auszubrechen (auch, wenn dieser Prozess diesmal deutlich länger dauert), der MACD steht kurz vor einer bullischen Kreuzung und könnte schon im nächsten Monat den ersten grünen Momentumsbalken anzeigen.

Bedingung 2: Die Risikofreude muss zurückkommen

Ohne Risikofreude kein Krypto-Bullrun. Bitcoin und vor allem Altcoins werden im breiten Markt weiterhin als Risiko-Assets angesehen. Entsprechend sicher muss sich der durchschnittliche Investor fühlen, bevor er eine derart volatile Anlageklasse überhaupt in Erwägung zieht. Damit die Risikofreude zurückkommt, ohne die eine Altcoin-Season nicht möglich ist, müssen zwei Kriterien erfüllt sein, die sich wiederum gegenseitig bedingen: Einerseits allgemeine wirtschaftliche und konjunkturelle Zuversicht (keine dauernde Rezessionsangst wie zuletzt) und andererseits anhaltend steigende Preise, die selbst im Kryptomarkt Sicherheit suggerieren.

Warum ist Bitcoin so als der Aktienmarkt? Weil Risiko-Assets leiden, wenn die Zuversicht fehlt (signalisiert durch Schwäche in der Breite des S&P500).
Wichtig zu verstehen ist dabei, dass anhaltend steigende Preise nur möglich sind, wenn zunächst die breite ökonomische Zuversicht gegeben ist. Andererseits tragen steigende Preise dann aber auch wieder dazu bei, dass sich das Selbstvertrauen der Anleger steigert und sie immer größere Risiken in Kauf nehmen. Zuversicht und steigende Preise sind also eine Art selbstverstärkende Spirale, die seit 2022 im Aktienmarkt zu beobachten ist: Kleinanleger nutzen jeden Dip, um nachzukaufen, große Aktien fühlen sich sicher an und erscheinen mit jedem weiteren Anstieg noch aussichtsreicher.

Im Kryptomarkt gab es dieses Phänomen allerhöchstens phasenweise bei Bitcoin. Bei Altcoins drehte sich diese Spirale um und wurde negativ: Immer mehr Leute verloren nach der ersten großen Rallye im Frühjahr 2024 das Vertrauen in den Altcoin-Sektor und mit jedem weiteren Rücksetzer verkauften mehr Anleger – ein klassischer Abwärtstrend. Wenn man genau hinsieht, ist die Aufwärtsspirale aus Zuversicht und steigenden Preisen aber auch im Aktienmarkt ein Trugschluss.

Das Verhältnis des Kupfer- und Goldpreises ist ein wichtiger Indikator für Risikofreude im breiten Markt. Die braucht auch der Kryptomarkt, um sich positiv zu entwickeln.

Der Anstieg des S&P 500 ist primär auf die Stärke der größten Tech-Aktien (Magnificent Seven) um Tesla, Nvidia, Apple oder Microsoft zurückzuführen, die mittlerweile rund 36 Prozent des gesamten US-Leitindexes ausmachen. Vor zehn Jahren waren das gerade mal zehn Prozent. Die positive Spirale aus Zuversicht und steigenden Preisen gilt also eigentlich nur für die absoluten Top-Aktien, während der Rest ebenfalls schwächelt.

Das ist übrigens auch einer der Hauptgründe, warum das aktuelle vierte Quartal für Bitcoin so schwach verläuft: BTC korreliert weniger mit dem S&P an sich als vielmehr mit der Performance des breiten Aktienmarktes, der aktuell im Vergleich zu den Mag7 schwächelt. Wie aber bringt man Zuversicht und Stärke im breiten Markt zurück? Oder besser gefragt: Wie bekommt man es hin, kleinere Unternehmen und Privatleute wieder so in Sicherheit zu wiegen, dass Produktion, Konsum und Investitionen steigen?

Wie eng die Entwicklung des Kryptomarktes mit der konjunkturellen Erwartung korreliert, zeigt sich am US-Einkaufsmanagerindex PMI.

Spätestens seit der Corona-Krise ist die eindeutige Antwort der US-Notenbank auf diese Frage: billiges Geld. Sinken die Zinsen und wird die Geldpolitik nicht gestrafft (sondern vielleicht sogar gelockert), steigen nicht nur Produktivität kleiner Unternehmen und Löhne, sondern auch die Zuversicht der Verbraucher. Dass die Geldpolitik nun schon seit vier Jahren straff ist, macht sich im breiten Markt bemerkbar: Indikatoren, die auf Expansion hindeuten, sind gemeinsam mit dem Altcoin-Sektor seit 2022 permanent unterdrückt.

Zu den wichtigsten Indikatoren für breite Risikofreude und Zuversicht im Markt zählen der PMI-Einkaufsmanagerindex, der die Zuversicht unter US-Unternehmern zeigt, ebenso wie das Preisverhältnis von Kupfer und Gold. Kupfer steigt als industriell nachgefragtes Metall immer dann im Preis, wenn Anleger bessere konjunkturelle Entwicklung erwarten – wenn der Markt also prognostiziert, dass es der Industrie bald wieder so gut geht, dass sie viel produziert und Kupfer verbraucht. Gold hingegen profitiert in Zeiten der Unsicherheit, wie die historische Gold-Rallye zuletzt inmitten geopolitischer Unsicherheit bewiesen hat.

Risikofreude im Aktienmarkt: Bricht der Russell 2000 auf neue Allzeithochs aus, erreichten Altcoins gegenüber Bitcoin in früheren Zyklen ihr letztes Tief vor der Altcoin-Season.

Größere Zuversicht in die wirtschaftliche Entwicklung – angezeigt durch Expansion im US-Einkaufsmanagerindex PMI – führt dazu, dass defensive Assets wie Gold weniger Nachfrage erfahren und dafür mehr auf industriell benötigte Rohstoffe wie Kupfer spekuliert wird. Die Zuversicht färbt auch auf den Aktien- und Kryptomarkt ab: Gemeinsam mit PMI und der Kupfer-Gold-Ratio steigen in der Regel kleinere Aktien im S&P500, der Smallcap-Index Russell 2000 und Bitcoin gemeinsam mit den Altcoins. Und all diesen Anstiegen liegt ein zentraler Faktor zugrunde: wachsende Risikofreude.

Bedingung 3: Kapital muss in Altcoins rotieren

Wenn Altcoins im Verhältnis zu Bitcoin einen zyklischen Boden erreichen und der Risikoappetit des breiten Marktes sukzessive zurückkehrt, dann braucht es eigentlich nur noch eine Zutat, um den bisher längsten Bärenmarkt für Altcoins zu beenden: eine aktive Kapitalrotation in den Altcoin-Sektor. Damit kleinere Kryptowährungen im Verhältnis zu Bitcoin nicht nur Stärke zeigen, sondern auch aktiv Marktanteile zurückerobern, um zyklische Hochs zu erreichen, die zuletzt 2021 gesehen wurden. Das Zauberwort bei diesem Unterfangen lautet: Bitcoin-Dominanz.

Die Bitcoin-Dominanz hat ihren gleitenden 50-Wochen-Durchschnitt unterschritten und zweimal von unten getestet. 2017 und 2021 führte so ein Setup zur Altcoin-Season.
Stetig steigende Bitcoin-Dominanz ist die unendliche Geschichte in diesem langgezogenen Zyklus. Steigt die BTC.D an, gewinnt Bitcoin gegenüber anderen Kryptowährungen an Dominanz. Das bisherige Zyklustop erreichte die Bitcoin-Dominanz bei rund 66 Prozent im Frühjahr 2025. Seitdem hat sie deutlich an Boden verloren und dabei entscheidende technische Level unterschritten, die eine Fortsetzung des mittelfristigen Abwärtstrends wahrscheinlich machen – sofern sich die Muster der vergangenen beiden Zyklen wiederholen.

Wie 2021 hat die Bitcoin-Dominanz eine mehrjährige Trendlinie nach langem Anstieg verloren. Der bisher längste Altcoin-Bärenmarkt könnte bald enden.
Sowohl 2017 als auch 2021 führte der finale Verlust des gleitenden 50-Wochen-Durchschnitts zur Altcoin-Season, dessen Rückeroberung danach zum Beginn des nächsten Altcoin-Bärenmarkts. Gilt dieses Muster auch in diesem Zyklus, so liegt der aktuelle Altcoin-Bärenmarkt in den letzten Zügen. Dafür spricht auch der Bruch und erfolglose bärische Retest der fast dreijährigen Trendlinie während eines bärischen Crosses im RSI und dem Momentumsindikator MACD – spiegelbildlich zu den bullischen Kreuzungen bei den Altcoin-Charts im Verhältnis zu Bitcoin vom Beginn.

Heißt das, dass die Altcoin-Season sofort startet? Oder genauso läuft wie 2017 oder 2021? Die Antwort auf beide Fragen lautet nein. In den letzten Tagen etwa ist die BTC.D nur weiter zurückgegangen, weil sich die Altcoins weniger stark gefallen sind als Bitcoin. Damit astronomische Preisanstiege kleiner Kryptos wie in vergangenen Zyklen möglich werden, muss Bitcoin zurück in einen Aufwärtstrend finden – zumindest für ein paar Wochen oder Monate.

So oder so bleibt unsere Einschätzung von vor einigen Monaten richtig: Altcoins sind immer noch im Bärenmarkt. Alle, die noch hier sind, heißen wir herzlich willkommen. Gewöhnen sollte man sich daran aber nicht unbedingt. Reimt sich die Geschichte, so könnte der Altcoin-Bärenmarkt schon bald enden.

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