Money doesn’t buy happiness – auf gut Deutsch gesagt: Geld macht dich nicht glücklich. Wir alle haben diesen Spruch mehr als nur einmal in unserem Leben gehört. Doch stimmt er wirklich so, wie er gesagt wird? Macht Geld wirklich nicht glücklich? Das sollten wir uns aus wissenschaftlicher Sicht einmal genauer ansehen. Kleiner Spoiler: So ganz richtig ist diese alte Weisheit nicht.
Warum wir immer mehr wollen und doch selten zufriedener werden
Beginnen wir mit der Gier. Oder besser gesagt: mit dem Wunsch, mehr zu haben. Tatsächlich ist es so, dass Menschen immer mehr wollen. Mehr Geld, mehr Macht, mehr Optionen. Laut der Psychologie ist dieses Immer-mehr-wollen-Phänomen ziemlich normal – also sehr menschlich. Wissenschaftler nennen ein solches Verhalten hedonistische Anpassung.
Sie beschreibt die psychologische Tendenz, dass Menschen nach positiven oder negativen Veränderungen langfristig zu einem stabilen emotionalen Ausgangsniveau zurückkehren. Das bedeutet, dass Glücks- und Unglücksgefühle nach einer gewissen Zeit wieder abklingen und sich das allgemeine Wohlbefinden auf einem gewohnten, persönlichen Grundzustand einpendelt – unabhängig davon, wie stark das Ereignis ursprünglich war.
Stellen Sie sich vor, Sie bekommen eine deutliche Gehaltserhöhung. Die ersten Wochen fühlen Sie sich erleichtert, stolz und zufrieden. Doch nach einiger Zeit gewöhnen Sie sich an das neue Einkommen. Was anfangs begeisternd war, wird bald zur Normalität. Sie empfinden also wieder ähnlich wie zuvor und beginnen, sich nach dem nächsten Ziel zu sehnen.
Die hedonistische Tretmühle versucht unter anderem zu erklären, warum mehr Einkommen die Menschen nicht in der erwarteten Weise glücklicher macht. So ergab eine Studie von Brickman, Coates und Janoff-Bulman, dass Lotteriegewinner im Durchschnitt nicht glücklicher sind als Menschen, die nicht die Lotterie gewonnen haben. Laut diesem Beispiel müsste das Sprichwort „Geld macht nicht glücklich“ ja dann stimmen, nicht wahr? Ganz so einfach ist es aber nicht. Denn die Forschung zeigt ein differenzierteres Bild: Geld kann durchaus einen Einfluss auf das persönliche Wohlbefinden haben – allerdings nur unter bestimmten Bedingungen.
Was Studien wirklich über Geld und Glück verraten
Eine Studie der Princeton University (2010) hat ebenfalls versucht herauszufinden, ob Geld wirklich glücklich macht. Interessant ist, dass hier auch das Jahreseinkommen der Befragten berücksichtigt wurde. Und in der Tat fanden die Forscher heraus, dass mehr Geld tatsächlich mehr Glück bedeutet – allerdings nur bis zu einem bestimmten Punkt. Ab einem Jahreseinkommen von rund 68 000 Euro wird man nicht glücklicher, je mehr man verdient.
Eine neuere Studie aus dem Jahr 2021 hat diesem Ergebnis jedoch widersprochen. Diese Forscher befragten dieselben Personen immer wieder, um ihre Lebenszufriedenheit besser zu verstehen. Was sie herausfanden, war etwas Neues: Je mehr Geld man verdient, desto zufriedener wird man – und zwar ohne Ende. Mehr Geld macht also glücklicher, zumindest aus Sicht der Forschenden. Wenn beide Studien aber etwas anderes sagen – wer hat dann wirklich Recht?
Die Wahrheit ist...
Glücklicherweise haben sich diese Forschungsteams im Jahr 2023 zusammengeschlossen und gemeinsam untersucht, was nun tatsächlich stimmt: Macht mehr Geld glücklich oder nicht? Das Ergebnis zeigt, dass es davon abhängt, wie es den Menschen emotional geht.
Bei Menschen, denen es emotional weniger gut geht, steigt die Zufriedenheit mit zunehmendem Einkommen – allerdings nur bis etwa 90 000 Euro. Bei Menschen, denen es mittelgut geht, nimmt die Zufriedenheit mit dem Einkommen gleichmäßig linear zu.
Und bei Menschen, die sich ohnehin sehr gut fühlen, steigt das Wohlbefinden ab 100 000 Euro Jahreseinkommen dann noch einmal besonders stark an. Millionäre also werden nicht glücklicher, je mehr Geld sie verdienen, wenn sie mit Depressionen zu kämpfen haben. Geld allein kann dieses Problem nämlich nicht lösen.
Wenn Vergleiche das Glück trüben – und Neid zur Falle wird
Dennoch spielt Geld im alltäglichen Wohlbefinden zumindest eine Rolle – schließlich ermöglicht es uns Dinge und Erlebnisse, die Freude bereiten können. Wer mehr Geld hat, kann sich etwa auch Materielles leisten, das einen glücklich macht. Seien es teure Autos, ein neues Haus oder das beste Handy.
Doch Glück entsteht nicht im Besitz allein – es hängt unter anderem auch davon ab, wie wir diesen Besitz wahrnehmen. Besonders spannend wird es, wenn wir beginnen, unser eigenes Einkommen mit dem anderer Menschen zu vergleichen. Werden wir dann unglücklicher mit dem Geld, das wir haben, weil andere etwa mehr besitzen?
Psychologisch gesehen lässt sich dieser Neid dabei in zwei unterschiedliche Formen einteilen: Erstens den positiven Neid – wir sehen, dass jemand mehr verdient, erkennen aber auch, was diese Person dafür tut, und lassen uns motivieren, selbst mehr zu erreichen, zum Beispiel durch eine Gehaltserhöhung.
Die negative Emotion des Neids wäre in diesem Fall Missgunst: wenn wir dem anderen das Geld nicht gönnen und nicht sehen wollen, was diese Person dafür geleistet hat. Spätestens an diesem Punkt wird deutlich, dass Geld nicht isoliert wirkt, sondern immer im Kontext zu unserer Wahrnehmung und Emotionen.
Fazit: Geld kauft kein Glück, aber dafür Freiheit und Sicherheit
Zusammengefasst bedeutet das: Geld kann glücklich machen, aber nicht für jeden und nicht in gleichem Maße. Es kommt immer darauf an, aus welcher emotionalen und sozialen Situation man startet. Für manche bedeutet mehr Geld Freiheit und Sicherheit, für andere nur Zahlen auf einem Konto.
Vielleicht ist das Sprichwort also nicht völlig falsch, aber definitiv unvollständig. Geld allein macht nicht glücklich. Doch es schafft wichtige Bedingungen für glückliche Momente – etwa Stressfreiheit, allgemeine Sicherheit oder auch die Möglichkeit, Neues zu erleben oder nicht so viel arbeiten zu müssen. Am Ende gilt aber: Mit mehr Geld ist man nur glücklich, wenn es einem auch vorher, ohne dieses Geld, gut ging.



