Kommt jetzt die große Rezession, mit der viele Analysten schon seit Monaten rechnen? Anfang letzter Woche sah es ganz danach aus: Unerwartet stieg die Arbeitslosigkeit in den Vereinigten Staaten so stark an, dass ein historisch zuverlässiger Indikator das Rezessions-Signal aussendete. Innerhalb weniger Stunden brachen Top-Aktien wie Nvidia oder Apple um Dutzende Prozent zusammen, der Kryptomarkt erlebte den heftigsten Abverkauf in diesem Zyklus. Die Angst vor einem wirtschaftlichen Abschwung in den Vereinigten Staaten mischte sich mit Panik wegen des scheinbar außer Kontrolle geratenen Yen-Carry-Trade, der Aktien-Abverkäufe in Billionenhöhe zu triggern drohte. Während die Börsenkurse regelrecht schmolzen, fragten sich viele Anleger: Wohin mit dem Ersparten, wenn es wirklich knallt? Die Geschichte zeigt, dass Gold in Phasen der Rezession meistens eine gute Wette war. Auch Silber schlug sich in den meisten Krisen ganz gut, ist aber deutlich abhängiger von der wirtschaftlichen Entwicklung – vor allem in der Industrie. Warum aber gilt Gold als der sichere Hafen schlechthin? Ist dieser Ruf berechtigt? Und könnte auch das digitale Gold, also der Bitcoin, eine solche Stellung erreichen?
US-Dollar -85% – Gold +7500%
In Zeiten wirtschaftlicher Krisen suchen Anleger traditionell nach stetig wachsenden Anlageklassen, um ihr Geld sowohl gegen Inflation als auch gegen allzu heftige Kursschwankungen abzusichern. Gold hat sich dabei über Jahrzehnte als besonders stabil erwiesen, seine Kursentwicklung während vergangener Rezessionen belegt eindrucksvoll die Rolle als Wertspeicher. Besonders wichtig für diese Reputation war die Rezession zwischen 1973 und 1979, nachdem die Gold-Kopplung des US-Dollars aufgehoben wurde und das heutige Fiat-System aus der Taufe gehoben wurde. In den 1970ern betrug die Inflation in den USA im Durchschnitt etwa 8.8 Prozent. In diesem Zeitraum stieg der Goldpreis jährlich um beachtliche 35 Prozent. In Zeiten hoher Inflation und wirtschaftlicher Unsicherheit hat Gold also bereits das Potenzial bewiesen, als Schutzmechanismus gegen Kaufkraftverluste zu wirken. Wegen Inflation wertete der US-Dollar seit 1970 um den Faktor 6.7 ab, verlor also rund 85 Prozent seiner Kaufkraft. Eine Ware, die damals $50 kostete, würde heute rund $340 kosten – Tendenz steigend. Im gleichen Zeitraum hat sich der Goldpreis versiebzigfacht.
Ein weiteres Mal trumpfte Gold in der Weltwirtschaftskrise 2008 als sicherer Hafen für Anleger auf. Während der Aktienmarkt in dieser Krise mehr als 37 Prozent seines Wertes verlor, stieg der Goldpreis um fast 50 Prozent. Diese Performance unterstreicht die Krisenfestigkeit von Gold und verfestigt sein Image als zuverlässiges Investment in Zeiten extremer finanzieller Unsicherheit. Der psychologische Faktor, der Gold in solchen Phasen besonders attraktiv macht, ist die Flucht in Sicherheit. Investoren tendieren dazu, in Zeiten der Unsicherheit auf bewährte Werte zurückzugreifen – und Gold, das über Jahrtausende hinweg als Wertspeicher anerkannt ist, erfüllt diese Rolle aufgrund seiner dauerhaften Wertbeständigkeit. Natürlich führten auch massenpsychologische Dynamiken zur Antikorrelation des Goldpreises mit den Weltmärkten während großen Wirtschaftskrisen. Wenn viele Leute daran glauben, dass Gold sie vor Krise und Geldentwertung rettet, dann ist die Nachfrage nach dem wohl edelsten Metall hoch – und damit auch der Preis.
Gold glänzt in Krisen – was macht Silber?
Dadurch ergibt sich eine Aufwärtsspirale. In Wirtschaftskrisen ist besonders viel Kapital in Bewegung und auf der Suche nach sicheren Assets. Dadurch steigt auch das Wachstumspotenzial für Assets, die von vielen als sicher eingestuft werden – besonders, wenn es nicht viele davon gibt. Auch das trifft auf Gold zu: Kein anderer Rohstoff oder Anlagewert ist so weitläufig als sicherer Hafen bekannt und akzeptiert. Gold profitiert zusätzlich von seiner physischen Knappheit und der traditionellen Wahrnehmung als Wertaufbewahrungsmittel. Diese psychologische Wirkung verstärkt sich durch die Tatsache, dass Gold im Gegensatz zu Papierwährungen und Aktien nicht durch Inflation oder Finanzkrisen beeinflusst wird. Noch ein Beispiel gefällig? Während der Rezession von 2000 bis 2001, die durch die Dotcom-Blase und den folgenden Marktcrash gekennzeichnet war, legte der Goldpreis um mehr als 20 Prozent zu, während der S&P 500 erheblich an Wert verlor. Gold glänzt also nicht nur als langfristige Anlage, sondern auch als relativ kurzfristiger Schutz vor wirtschaftlichen Turbulenzen.
Silber hat sich in wirtschaftlichen Abschwüngen ebenfalls als interessantes Investment erwiesen, wenn auch mit gemischten Ergebnissen. Während der Rezession von 1973, die durch einen Ölpreisschock und eine Inflationswelle geprägt war, stieg der Silberpreis um mehr als 40 Prozent. Im Gegensatz dazu erlebte Silber während der wirtschaftlichen Schwächephase von 1990, die durch die globale Wirtschaftslage und die politische Situation beeinflusst war, einen Preisrückgang. Diese Unterschiede zeigen, dass die Performance von Silber während einer Rezession erheblich von der jeweiligen wirtschaftlichen Situation und der Nachfrage in der Industrie beeinflusst wird. Die wirtschaftlichen Kalamitäten der 1990er Jahre wurden vom Schwarzen Montag 1987 eingeleitet, dem ersten großen Börsen-Crash seit dem Zweiten Weltkrieg. Am 19. Oktober 1987 fiel etwa der nordamerikanische Industrie-Index Dow Jones um 22.8 Prozent und schickte damit die US-Industrie auf Talfahrt.
Wenig verwunderlich ist, dass der Silberpreis simultan ebenfalls unter gehörigen Druck geriet – schließlich wird Silber als wichtiger Industrie-Rohstoff besonders dann nachgefragt, wenn es dem Verarbeitenden Gewerbe gut geht. Die industrielle Nutzung von Silber ist vielfältig, umfasst aber auch die Herstellung von Elektronik und Solarzellen. Nicht umsonst kämpfen China und die USA auf den Weltmärkten um verfügbare Silberbestände. In Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit können sinkende industrielle Investitionen die Silbernachfrage und damit den Preis drücken. Die Silber-Performance während wirtschaftlicher Krisenphasen ist deshalb wechselhaft: In der Rezession von 1981 stieg der Silberpreis um 17.5 Prozent, obwohl die Gesamtwirtschaft durch hohe Inflationsraten und eine restriktive Geldpolitik gekennzeichnet war. Im Gegensatz dazu fiel der Silberpreis während der Weltwirtschaftskrise von 2008 um acht Prozent, obwohl der Goldpreis in dieser Zeit stark zulegte.
Ist der Bitcoin schon jetzt digitales Gold?
Bitcoin hat sich in den letzten Jahren als digitales Pendant zu Gold positioniert und zeigt Potenzial, eine ähnliche Rolle als konjunkturelle Absicherung einzunehmen. Larry Fink, CEO von BlackRock, äußerte sich im vergangenen Herbst während der letzten großen Rallye des Kryptomarkts sehr positiv zur möglichen Rolle des Bitcoins als Gold-Alternative. In einem Interview mit Fox Business wies Fink darauf hin, dass die Bitcoin-Rallye nicht nur auf die damals kursierenden Gerüchte über die Genehmigung eines mittlerweile zugelassenen Spot-ETFs zurückzuführen sei, sondern vielmehr auf eine allgemeine Flucht in sichere und intrinsisch wertvolle Assets. Fink sagte damals: „Ich glaube, dass sich mehr Menschen zu Qualitätsanlagen hingezogen fühlen, einschließlich Staatsanleihen, Gold oder Krypto. Ich glaube, dass Krypto diese Rolle als Flucht in Qualität spielen wird.“ In der Tat bezeichnete Fink Bitcoin als „digitales Gold“ und betonte, dass es als „Alternative“ zu von Regierungen kontrollierten Währungen fungieren könnte.
Wie schützt man sein Geld vor der Rezession?
Ein wichtiges Argument für die Rolle des Bitcoins als digitales Gold ist seine begrenzte Anzahl von 21 Millionen Einheiten und seine deflationäre Struktur, die seinen Wert langfristig stützen kann. Diese Merkmale sind vergleichbar mit den begrenzten natürlichen Ressourcen von Gold. Seit der Zulassung von Bitcoin-Spot-ETFs in den USA im Januar hat das institutionelle Interesse an Bitcoin zugenommen, was den Preis künftig weiter stabilisieren könnte. Der mögliche Image-Wandel vom Hochrisiko-Asset zur sicheren Anlage bei Makro-Turbulenzen dürfte für den Bitcoin aber noch ein Weilchen dauern. So ist etwa hohe Volatilität des Bitcoin-Marktes eine wesentliche Hürde, die ihn für risikoscheue Investoren weniger attraktiv macht. Während Gold in Krisenzeiten durch seine Stabilität überzeugt, kann Bitcoin extreme Preisschwankungen aufweisen, die es schwieriger machen, als verlässlichen sicheren Hafen zu agieren. Die historische Performance von Bitcoin in wirtschaftlichen Abschwüngen ist noch begrenzt, was eine endgültige Bewertung seiner Fähigkeit als Absicherung gegen ökonomische Abschwünge erschwert. Wer aktuell nach Möglichkeiten sucht, sein Geld vor einer möglichen Inflation zu schützen, kann sich in unseren technischen Analysen mit den hier analysierten Anlagemöglichkeiten auseinandersetzen: Updates zur Preisentwicklung von Gold, Silber und Bitcoin sowie explizite Zielzonen für Ein- und Ausstiege bekommen unsere Kunden täglich.




