Wenn Altcoins rotieren: Narrative als Krypto-Kursraketen
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Wenn Altcoins rotieren: Narrative als Krypto-Kursraketen

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Simeon Koch

Die dritte Handelswoche der Bitcoin-Spot-ETFs ist in vollem Gange und so langsam scheint nach den Turbulenzen der vergangenen Tage wieder Ruhe am Krypto-Markt einzukehren. Zwischenzeitlich war die Angst umgegangen, der Abgabedruck aus dem Grayscale Bitcoin Trust (GBTC) könnte den Markt überfluten und die größte Kryptowährung nachhaltig nach unten drücken. Die medienwirksame Ablehnung von Kryptowährungen durch Vanguard, den zweitgrößten Vermögensverwalter der Welt, tat ihr Übriges: Kryptowährungen seien „kein Ersatz für Aktien und Anleihen“ und „eher nicht“ als „sinnvolle Ergänzung für ein langfristiges Portfolio“ zu bewerten, schrieb der Finanzdienstleister in einer öffentlichen Stellungnahme. Und dann orakelte Jamie Dimon, der mit JPMorgan Chase einen der wichtigsten Finanzpartner der größten Bitcoin-ETFs führt, noch im nordamerikanischen Fernsehen, dass der Bitcoin-Gründer Satoshi Nakamoto „auftauchen, hysterisch lachen und alle Bitcoin löschen wird“, sobald die im Protokoll gesetzte Ausgabegrenze von 21 Millionen Stück erreicht sei. Im Krypto-Sektor waren die einen genervt, die anderen verunsichert...

Bitcoin-ETF? Laaangweilig!

Mittlerweile scheinen die milliardenschweren Abflüsse aus dem neuen BTC-ETF von Grayscale abzunehmen. Für die Verkäufe der letzten Wochen sollen beim GBTC die Liquidation von FTX-Anteilen verantwortlich gewesen sein, die derzeit von Insolvenzverwaltern zu Geld gemacht werden, um geprellte Kunden und Gläubiger auszuzahlen. Doch der Wind drehte rasch: In den letzten Stunden geisterten fröhliche Ankündigungen über Social Media-Plattformen, dass bei Google ab sofort Werbung für Anlageprodukte mit Krypto-Bezug geschaltet werden darf und auch für Ethereum in den nächsten Wochen Spot-Fonds zugelassen werden könnten. Dabei ist die ETF-Geschichte im schnelllebigen Krypto-Markt eigentlich schon wieder Schnee von gestern. Viel spannender sind gerade das nahende Bitcoin-Halving, der Hype um Künstliche Intelligenz oder sogenannte Ethereum-Killer. Was aber treibt in diesem jungen Sektor eigentlich die Kurse? Und warum sieht es nur auf den ersten Blick so aus, als würden alle Kryptowährungen in ihrer Preisentwicklung korrelieren?

Der Krypto-Markt hat seine eigenen Gesetze – und auch wieder nicht. Eigentlich funktioniert dort alles genauso wie auf anderen Kapitalmärkten. Angebot und Nachfrage bilden den Preis, Kurse profitieren von lockerer Geldpolitik und leiden unter hohen Zinsen. Hüben wie drüben wechseln sich ausgedehnte Bullen- und Bärenmarktzyklen immer wieder ab. Natürlich sind Kryptowährungen hochvolatil und unreguliert, weshalb sie wie Pilze aus dem Boden schießen. Auch den Vorwurf der verhältnismäßig leichten Manipulierbarkeit durch finanzkräftige Investoren, teils stark monopolisierte Anteilsstrukturen oder einen kontroversen Tweet von Elon Musk muss sich der Krypto-Markt gefallen lassen. Und doch gilt auch für Bitcoin und Co. eines der wichtigsten ungeschriebenen Gesetze der traditionellen Börse: Die Emotion der Anleger ist weniger von Dingen geprägt, die gerade passieren, als vielmehr von den Erwartungen für die nähere und ferne Zukunft. Kurz gesagt: Es zählt nicht das, was jetzt ist, sondern das, was die Fantasie der Anleger beflügelt. Und obgleich der traditionelle Finanzmarkt und der Krypto-Markt diese Getriebenheit durch sogenannte Narrative teilt, spitzt sie sich auf letzterem in einer Weise zu, die den klassischen Aktienmärkten fremd ist.

Warum "rotieren" kleine Kryptowährungen?

Der nordamerikanische Unternehmer John Templeton, Mitte des letzten Jahrhunderts Gründer einer der weltgrößten Investmentgesellschaften, die später von Franklin Templeton (ebenfalls frischgebackener Bitcoin-ETF-Anbieter) übernommen wurde, sagte einmal: „Die vier kostspieligsten Worte unserer Sprache sind: Diesmal wird alles anders.“ Augenzwinkernd warnte er damit vor einer Wette gegen Zyklen und Regelmäßigkeiten, die sich im Finanzmarkt regelmäßig wiederholen. Das prominenteste und vielleicht auch wichtigste wiederkehrende Phänomen im Krypto-Markt ist – nach Bullen- und Bärenmärkten wohlgemerkt – die sogenannte Altcoin-Rotation oder auch Altcoin-Season, also die große Zeit all jener Kryptowährungen, die es neben dem Bitcoin auf dem stetig wachsenden Blockchain-Markt noch so gibt. Das Prinzip ist sehr einfach: Aufgrund einer deutlich kleineren Marktkapitalisierung, die teils nur ein paar Millionen Euro beträgt, ist die Volatilität in kleineren Krypto-Projekten deutlich höher als in den etablierten Währungen wie Bitcoin oder Ethereum. Entsprechend größer sind auch die Ausschläge der Kurse nach oben und unten, der sogenannte Beta-Faktor, oder weniger mathematisch: die Volatilität. Während diese kleineren Coins in Abverkaufsphasen deutlich mehr an Kurswert verlieren als der vergleichsweise “ruhige” Bitcoin, können die Zuwächse bei einem allgemeinen Aufschwung um ein Vielfaches stärker ausfallen. Eine hohe Marktkapitalisierung verleiht Stabilität – macht aber auch träge.

In einer Altcoin-Season verzeichnen die meisten größeren Krypto-Projekte bessere Renditen als der Bitcoin, wodurch die Marktdominanz der größten Kryptowährung zurückgeht, die aktuell etwa bei etwa 50 Prozent liegt. Fällt diese Marktdominanz ab, ist das häufig ein Zeichen für aufstrebende Altcoins und nachhaltig stärkere Zuwächse bei diesen kleineren Währungen. Nach stark bullischen Bewegungen des Krypto-Markts ist außerdem die Rede von einer Altcoin-Rotation. Damit wird im ersten Schritt das Phänomen des sukzessiven Abflusses erwirtschafteter Gewinne aus den größten Anlagevehikeln im Markt – in diesem Fall Bitcoin und mit Einschränkungen auch Ethereum – beschrieben. Entscheidend für die Rotation ist aber, dass die Gewinne nicht aus dem Markt genommen und damit liquidiert werden, worunter die gesamte Marktkapitalisierung des Krypto-Marktes leiden würde. Vielmehr geschieht im zweiten Schritt die eigentliche Umschichtung, wenn Gewinne aus den großen Assets in die kleinen verschoben werden, um die grünen Zahlen dank der erhöhten Volatilität in den Altcoins noch einmal aufzupolieren.

Was Meme-Coins über den Marktzyklus verraten

In den letzten Krypto-Bullenmärkten war dieses Phänomen wiederholt zu beobachten: Zunächst wächst der Wert des Bitcoins stark an und die Altcoins bleiben zurück, wodurch die BTC-Dominanz nach oben schießt. Durch die Rotation fließen die Gewinne dann in die Altcoins, die dadurch sprunghaft an Wert gewinnen, den Bitcoin in ihren Zuwachsraten deutlich überflügeln und die Dominanz der größten Kryptowährung wieder gehörig nach unten korrigieren – die gesamte Marktkapitalisierung aber trotzdem weiter steigern. Das Volumen sickert anschließend immer weiter abwärts in der Größenordnung der Krypto-Projekte, weshalb eine übermäßige Performance von Coins mit sehr kleiner Marktkapitalisierung häufig als Indiz dafür interpretiert wird, dass der aktuelle Aufwärtstrend ins Stocken kommt. Ein beliebter Indikator dafür sind sogenannte Meme-Coins, also Kryptowährungen, die keine dezidierte Anwendungsmöglichkeit besitzen, sondern einzig als Spekulationsobjekte aufgesetzt wurden.

Als Maskottchen für solche Projekte werden oft bekannte Symbole aus Internet-Memes herangezogen, etwa der schief grinsende Frosch Pepe oder lebhafte Hunde der Rasse Shiba Inu, die sich ihren Weg in den Krypto-Markt bahnten, als sich Elon Musk einen anschaffte. Welcher Altcoin eine besonders gute Entwicklung nimmt, hängt dabei von der jeweiligen Branche ab, der er zuzuordnen ist, denn auch das ist eine oft ignorierte Eigenheit des Krypto-Marktes: Die einzelnen Projekte, die Währungen emittieren, verschreiben sich einer bestimmten Aufgabe auf der Blockchain, ähnlich wie Aktienunternehmen ihr jeweiliges Kerngeschäft ausüben. Da gibt es Ripples XRP-Coin, der Bankgeschäfte erleichtern will, das Projekt ChainLink, das Blockchains miteinander verbinden und damit sogenannte Interoperabilität herstellen will oder auch Währungen wie Fetch.ai, die Künstliche Intelligenz massentauglich machen wollen. Die Marktdynamik wird dabei dominiert von ebendiesen Anwendungsfeldern, deren Prominenz sich in der Krypto-Community regelmäßig und teils auch schlagartig ändert. Anders als in der Regel auf Aktienmärkten ist die übergeordnete Branche mitunter wichtiger als das einzelne Projekt.

Boom-Branchen als Eintagsfliegen

Erfahren Krypto-Projekte, die an Künstlicher Intelligenz arbeiten, einen Hype, so erstrecken sich die Kursgewinne häufig über den gesamten Sektor, anstatt nur die fundamental vielversprechendsten Projekte auf neue Preislevel zu hieven. Ploppt wieder einmal der Hype um sogenannte Ethereum-Killer auf, also Blockchains, die ähnliche Funktionen wie die zweitgrößte Plattform des Marktes, aber etwa schnellere Transaktionen bieten, pumpt eine ganze Reihe an Coins nach oben, die von dieser Verheißung betroffen sind. Und findet das Prinzip Play to Earn, zu Deutsch also Spielen, um Geld zu verdienen wieder massenhaft Anklang, stürzen sich die Marktteilnehmer nicht nur auf etablierte Gaming-Coins wie Smooth Love Potion aus Axie Infinity (SLP gibt es exklusiv in unserer Videoanalyse), sondern gleich auch auf viele kleinere Projekte, die noch keine vergleichbaren Erfolge vorweisen können. Das hat oft nicht allzu viel mit soliden fundamentalen Daten wie einem renommierten Entwicklerteam, nachweislich aussichtsreichen Innovationen oder technisch ausgefeilten Mechanismen der eigenen Blockchain-Projekte zu tun. Vielmehr leben Narrative im Krypto-Markt – wie auch in abgeschwächter Form im Bereich der traditionellen Aktien – von selbsterfüllenden Prophezeiungen: Sobald eine Sparte von einflussreichen Stimmen, etwa auf Social Media, über den grünen Klee gelobt wird, fließen größere Geldbeträge in die zugehörigen Projekte in der Hoffnung, das eigene Kapital zu vervielfachen. Eine kleine Ausnahme bieten dabei natürlich die größeren und arrivierten Altcoin-Projekte wie etwa Polkadot, Cardano oder auch Solana.

Durch starke Zuflüsse steigen Marktkapitalisierung, Preise und Aufmerksamkeit, was weitere Zuflüsse nach sich zieht und eine Aufwärtsspirale in Gang setzt, die erst endet, wenn die gewichtigeren Teilnehmer dieser Rallye aussteigen. Entsprechend ist im Altcoin-Markt gerne die Rede von Innovationsblasen, also einer Spekulation auf neue Trends, die ihre wahre Bewertung noch nicht gefunden haben und aufgrund der fehlenden Vergleichswerte in der eigenen Historie kaum in Zahlen zu fassendes Potenzial besitzen. Eine Aktie, die seit Jahrzehnten gehandelt wird, hat Aufschwünge und Niedergänge erlebt, Höchststände und Korrekturen können ins Verhältnis gesetzt werden, die Erwartungen sind also im wahrsten Wortsinn gedeckelt. Tritt ein potenziell bahnbrechendes neues Projekt auf den Plan, kann der Kurswert noch nicht abgeschätzt werden, die Preisfindung bringt oft starke Volatilität – nicht nur im Krypto-Markt. Und häufig fließt das Volumen so schnell ab, wie es gekommen ist, und zwar zurück in die großen Assets. Auch schwören viele Kenner des Krypto-Markts darauf, hohe Gewinne aus Altcoins rechtzeitig wieder zurück in Bitcoin zu tauschen. Denn geringere Volatilität macht sich spätestens bei starken Korrekturen bezahlt.

Wie investiert man im Krypto-Markt?

Altcoin-Seasons bieten immense Profitmöglichkeiten, wenn einerseits zum richtigen Zeitpunkt die nötigen Investitionen getätigt und andererseits auf entscheidenden Preisniveaus die erzielten Gewinne realisiert werden. Aufgrund seiner jungen Historie, den geringen Marktkapitalisierungen seiner Projekte und der folglich hohen Volatilität ist es für unerfahrene Marktteilnehmer schwierig, langfristige Prognosen für die Preisentwicklung von Kryptowährungen zu treffen – und genau davon profitiert diese Anlageklasse. Für risikoaffine Investoren bietet sie schwindelerregende Renditemöglichkeiten. Das mag konservativen Börsianern, die auf sicheres, langfristiges Wachstum setzen, abschrecken – zieht gleichzeitig aber Unterstützer potenziell bahnbrechender Innovation und erfahrene Anleger an, die sich intensiv mit dem Markt und seinen technischen Gegebenheiten auseinandersetzen. Für alle, die mit wenig Aufwand tief in den Krypto-Sektor eintauchen und dank jahrelang gesammelter Expertise eines erfahrenen Analystenteams die richtigen Zeitpunkte für Investitionen treffen möchten, bietet sich unser Altcoin-Paket an: tägliche Analysen zu den wichtigsten Altcoin-Projekten und natürlich den etablierten Krypto-Flaggschiffen Bitcoin und Ethereum.

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