Seit Wochen herrscht wegen Trumps Zollpolitik Unsicherheit im Tech-Sektor. An Palantir geht die Angst der Aktionäre aber spurlos vorbei. Während auf großen Tech-Titeln um Nvidia, Apple oder Meta schwerer Verkaufsdruck lastet, jagt der Big Data-Spezialist neue Allzeithochs. Das Unternehmen profitiert von einer Kombination aus neuen Großaufträgen, strategischen Allianzen und einer wachsenden Nachfrage nach sicherheitsrelevanten KI-Lösungen. Selbst die NATO hat eine Bestellung aufgegeben. Trotzdem sieht Geschäftsführer Alex Karp ein alles entscheidendes Problem.
Tech-Titel fallen, Palantir-Aktie wächst
Das zweite Quartal hat für die meisten Tech-Titel katastrophal begonnen: Nach der Bekanntgabe exorbitanter Strafzölle durch US-Präsident Donald Trump rutschte der gesamte Technologie-Sektor tief ins Minus. Von Mitte Februar bis Anfang April rauschte der Top-100-Index der Technologiebörse Nasdaq mehr als 25 Prozent ab, große Tech-Titel verloren teils ein Drittel ihres Börsenwerts. Auch der Big Data- und KI-Shootingstar Palantir kam in dieser Zeit heftig unter die Räder und stürzte von seinem Allzeithoch bei rund 125 Dollar um fast die Hälfte auf 66 Dollar.
Chronologie eines Crashs: Trumps Zollpläne drückten den Nasdaq-100-Index in den letzten Wochen immer weiter ins Minus.
Den Schreck aber verdaute Palantir schnell – und ist seinen Rekordständen wieder deutlich näher als die meisten anderen großen Tech-Titel. Ein wesentlicher Treiber dieses Aufschwungs ist Palantirs Fokus auf sicherheitsrelevante Anwendungen. Die jüngste Partnerschaft mit Google Cloud erweitert die Reichweite der hauseigenen FedStart-Plattform, die anderen Unternehmen den Zugang zu Regierungsaufträgen erleichtert. Mithilfe dieser strategischen Allianz will Palantir sich als Vermittler zwischen Technologieanbietern und staatlichen Institutionen etablieren.
Zudem profitiert Palantir von der zunehmenden geopolitischen Unsicherheit. Die Spannungen zwischen den USA und China sowie die wachsende Bedeutung von Cybersicherheit führen zu einer erhöhten Nachfrage nach Palantirs Lösungen. Erst kürzlich bestellte die NATO ein System für KI-gestützte Gefechtsfeldanalyse und militärische Entscheidungsfindung. Das Wirtschaftsmedium Bloomberg wertete den NATO-Deal als Anzeichen, dass Palantir bei Verteidigungs-KI-Technik deutlich weiter sein dürfte als die globale Konkurrenz.
Palantir-CEO Karp: "Das größte Problem..."
Alex Karp, CEO von Palantir, äußerte sich kürzlich zu den Herausforderungen und Chancen des Unternehmens. Er betonte, dass Palantir lange Zeit von der Wall Street unterschätzt wurde, insbesondere aufgrund seines Fokus auf den Verteidigungssektor. Karp erklärte: „Für die Wall Street waren wir ein Schmuddelkind. Quasi niemand hat an die langfristigen Erfolge der geduldigen und intensiven Investments in die Künstliche Intelligenz geglaubt“.
Die Palantir-Aktie hat sich vom scharfen Abverkauf der grünen Welle [4] deutlich erholt und könnte schon bald neue Allzeithochs erreichen.
Tatsächlich gab es in der Vergangenheit mehrfach öffentliche Proteste gegen Palantirs Engagement für die israelische Armee oder den britischen Gesundheitsservice NHS. Öl ins Feuer des aktivistischen Widerstands gegen Palantirs Geschäft gießt regelmäßig Alex Karp, Geschäftsführer des Big Data-Spezialisten. Immer wieder fällt Karp mit markigen Aussagen auf, im Oktober vergangenen Jahres sagte er, es sei für ihn „kein Problem, wenn Feinde der Vereinigten Staaten sterben“.
Mit Blick auf Palantirs Ruf sieht Alex Karp aber noch ein viel tiefgreifenderes Problem. Angesprochen auf Elon Musk und dessen Beraterrolle für die Trump-Regierung über die umstrittene DOGE-Behörde erklärte Karp, dass mangelnde „Legitimität unserer Institutionen“ das größte Problem westlicher Gesellschaften sei. Karp sieht diesen schleichenden Vertrauensverlust in Regierungen und ihre Behörden als wichtigen Grund für das öffentliche Misstrauen gegenüber Palantirs Produktpalette, die mehrheitlich von Regierungskunden genutzt wird. Mit Kunden wie Mercedes, BMW, Airbus und BP gewinnt Palantir aber auch im zivilen Bereich an Bedeutung.
Palantir-Aktie jetzt kaufen oder nicht?
Vom lokalen Tief am 7. April bei rund 66 US-Dollar hat die Palantir-Aktie satte 75 Prozent zugelegt und notiert nur drei Wochen nahe 115 Dollar. Allein seit dem 21. April ist die Aktie um rund 30 Prozent gestiegen und scheint deswegen kurzfristig etwas überhitzt. Ein kurzfristiger Rücksetzer ist keineswegs ausgeschlossen, schmälert aber nicht die längerfristigen Erfolgsaussichten. Laut unserer Analyse durchläuft Palantir nämlich gerade einen langen Aufwärts-Impuls, der schon zeitnah auf neue Rekordstände führen sollte. Den Abonnenten unserer Analysepakete zu Technologie-Aktien und KI-Unternehmen teilen wir regelmäßig geeignete Kursziele für lukrative Einstiege mit.



