Ist der Titel dieses Textes Clickbait? Irgendwie schon – aber auch wieder nicht. Vielmehr soll er Sie dazu ermutigen, sich nicht aus der Ruhe bringen zu lassen. Auch, wenn Medien und Influencer gerade mit reißerischen Überschriften um Ihre Aufmerksamkeit buhlen. Leider funktioniert der Kryptomarkt auf diese Weise. In Phasen großer Euphorie (also in Bullenmärkten) handelt der Markt die Emotion seiner Teilnehmer. Dabei wäre es gerade jetzt wichtig, ruhig zu bleiben und die aktuell emotionalste Frage mithilfe nüchterner Daten zu beantworten: Ist diese Altcoin-Korrektur gesund oder nicht?
Natürlich legen wir Ihnen nicht nahe, jetzt all Ihre Altcoins abzustoßen. Das würde unseren Analysen widersprechen. Außerdem ist es nie eine gute Idee, aus Panik zu verkaufen – besonders in gesunden Zwischenkorrekturen. Denn genau das waren laut technischen Indikatoren die scharfen Abverkäufe der letzten Nacht: gesunde Korrekturen, um den Markt emotional wieder auf den Boden der Tatsachen zurückzuholen. Mit der Altcoin-Season war’s das jetzt höchstwahrscheinlich noch nicht. Trotzdem war der kleine Crash letzte Nacht ein Warnschuss.
Haben Sie ein flaues Gefühl?
Eins vorweg: Unsere Texte sind keine Empfehlungen, irgendein Krypto-Asset zu kaufen, zu halten oder zu verkaufen. Trotzdem ein gut gemeinter Appell an alle frisch gebackenen Altcoin-Enthusiasten da draußen: Dieser Markt bietet immenses Potenzial, das haben die letzten Wochen eindrücklich gezeigt. Große Rendite geht aber immer mit hohem Risiko einher. Wer Volatilität nach oben will, muss sie auch nach unten aushalten. Die Korrektur letzte Nacht wurde auch dadurch befeuert, dass viele neue Marktteilnehmer dabei sind, die ihre eben erst gekauften Positionen in Panik abgestoßen haben.
Wenn Sie wegen der scharfen Korrektur der letzten Stunden die Nerven verloren haben, dann sollten Sie darüber nachdenken, ob dieser Markt der richtige für Sie ist. Wer seine Emotionen nicht unter Kontrolle hat, wird im Kryptosektor – und auch an den traditionellen Finanzmärkten – verlieren. Ganz normal ist es wiederum, bei solchen plötzlichen Abverkäufen zumindest leichtes Unwohlsein zu spüren. Schließlich sieht es niemand gerne, wenn das eigene Portfolio und damit hart verdientes Geld plötzlich ein Viertel weniger wert ist als am Tag davor. Dass einem beim ersten Blick auf die roten Zahlen flau im Magen wird, ist also absolut verständlich – selbst mit langer Krypto-Erfahrung.
Spätestens da aber sollte sich die Vernunft melden und daran erinnern, was man über den Kryptomarkt weiß und in den letzten Monaten im besten Fall gelernt hat: Korrekturen gehören zu Bullenmärkten dazu und werden immer heftiger, je fulminanter die Kursanstiege sind. Beruhigend kommt dazu, dass einige technische Metriken klar darauf hinweisen, dass es sich bei den Abverkäufen der letzten Stunden tatsächlich um eine durchaus gesunde Zwischenkorrektur handelt. Diese Annahme deckt sich mit unserer technischen Analyse auf Basis des Elliott-Wellen-Konzepts.
Diese Altcoin-Korrektur sieht gesund aus…
Wann ist eine Korrektur gesund? Dazu gibt es viele Definitionen, mit denen wir Sie hier im Detail nicht langweilen wollen. Am wichtigsten ist aus technischer Sicht, dass grundlegende Strukturen der Preisbewegung nicht gebrochen werden. Das hört sich etwas kompliziert an, ist aber eigentlich ziemlich einfach. Im aktuellen Aufwärtstrend ist es für Altcoins wichtig, wie auf einer Treppe nach oben zu klettern. Erst ein Anstieg, dann eine Konsolidierung oder Korrektur, bevor es weiter gen Norden geht.
Befindet sich der Kurs in einem Aufwärts-Impuls, so sollte die Zwischenkorrektur nach dem ersten größeren Anstieg nicht den Startpunkt dieses Anstiegs unterschreiten. Chainlink etwa begann die jüngste Rallye Anfang November bei rund 10 US-Dollar, schoss dann auf fast 27 und fiel gestern auf gut 20 Dollar zurück. Aktuell klettert der Kurs schon wieder, der Abverkauf blieb deutlich oberhalb der 10-Dollar-Marke. Auch wenn diese Faustregel natürlich nicht ausreicht, um seriöse technische Analyse zu zeigen, ist sie doch ein deutliches Indiz dafür, dass der plötzliche Altcoin-Abverkauf gestern Nacht eine gesunde Zwischenkorrektur gewesen sein sollte.
Diese zwischenzeitlichen Rücksetzer sind in Bullenmärkten aus mehreren Gründen wichtig und unumgänglich. Wenn ein Kurs stetig steigen soll, muss er neuen Käufern immer mal wieder die Möglichkeit geben, einzusteigen. Schießt der Preis senkrecht nach oben, hat frisches Kapital nicht die Möglichkeit in den Markt zu kommen. Durch Korrekturen greift der Kurs Liquidität auf niedrigeren Preislevels ab und benutzt dieses Geld als Treibstoff für den nächsten Anstieg.
Außerdem ermöglichen Korrekturen dem Markt, in regelmäßigen Abständen wieder emotional abzukühlen. Das ist wichtig, um gravierende Crashes zu vermeiden. Geht es immer nur aufwärts, ist die Panik beim ersten kleinen Rücksetzer groß und entsprechend verheerend die Abverkäufe. Geht es pausenlos nur aufwärts, entstehe eine Blase, die mit einem großen Knall platzt. Dann also lieber schrittweise und mit gesunden Zwischenkorrekturen aufwärts. Steigen die Kurse zu schnell zu steil an, ist das übrigens oftmals ein Warnsignal für ein nahendes Zyklustop. Auch deshalb sollten uns Zwischenkorrekturen eher beruhigen als panisch machen.
… und war technisch vorhersehbar
Völlig überraschend kommt die Korrektur übrigens nicht. Schon in den letzten Tagen deuteten gleich drei Indikatoren darauf hin, dass der Altcoin-Sektor vor einem größeren Rücksetzer stehen könnte. Zunächst war das Volumen der Hebelpositionen im Markt zuletzt sprunghaft angestiegen, wodurch die Funding Rate bei vielen Altcoins heiß lief. Das bedeutet, dass zu viele Spekulanten mit gehebelten Positionen auf steigende Kurse setzen. Problematisch ist dieses Phänomen, weil übermäßiges Long-Volumen bei Korrekturen zu kaskadierenden Abverkäufen, sogenannten Long-Squeezes, führen kann. Das verstärkt die Abwärtsdynamik und war in den letzten Stunden zu beobachten.
Steigt die Funding Rate also in bedenkliche Höhen, ist ein deutlicher Rücksetzer meistens nur eine Frage der Zeit. Das Hebel-Volumen war aber nicht der einzige Indikator, der schon vor gestern Nacht auf einen nahenden kleinen Altcoin-Crash hindeutete. Bei beiden handelt es sich um Kennzahlen, die sich um die Marktdominanz drehen: einerseits die Bitcoin-Dominanz (jener Marktanteil, den BTC nach Marktkapitalisierung am gesamten Kryptomarkt hält) und andererseits die USDT-Dominanz (Marktanteil von USDT, stellvertretend für alle Stablecoins).
Fallende Marktanteile von BTC und USDT signalisieren, dass Krypto-Investoren ihr Geld lieber in Altcoins stecken und ins Risiko gehen. Steigen die BTC- und USDT-Dominanz, so fließt das Kapital aus Altcoins hinaus und in verhältnismäßig sichere Assets wie Bitcoin und Stablecoins. Steigen BTC- und USDT-Dominanz, fallen Altcoins und vice versa. Und weil viele Krypto-Investoren bei ihren Anlage-Entscheidungen die Dominanzen ganz genau im Auge haben, spielen auch hier charttechnische Muster eine große Rolle – in den letzten Tagen zum Nachteil der Altcoins.
Zwar sind die Marktanteile von Bitcoin und USDT zuletzt deutlich gefallen und haben dabei historische Unterstützungen gebrochen (was sehr bullisch für Altcoins ist) – allerdings erreichten beide Metriken zuletzt wichtige Unterstützungsbereiche und reagierten mit aufwärtsgerichteten Gegenbewegungen. Das ist völlig normal, schließlich gilt in einem Abwärtstrend (wie im Fall der Dominanz-Werte) dasselbe wie in einem Aufwärtstrend (wie aktuell bei den Altcoins): Zwischenzeitliche Gegenbewegungen (im Aufwärtstrend als Rücksetzer, in Abwärtstrends als vorübergehende, korrektive Anstiege) sind wichtig, um einen nachhaltigen Trend zu sichern.
Wie geht’s weiter bei den Altcoins?
Die Bitcoin- und die USDT-Dominanz klettern aktuell, Altcoins fallen folgerichtig. In beiden Fällen handelt es sich aber offenbar um eine Zwischenkorrektur – im Abwärtstrend der Dominanzen von BTC und USDT nach oben, im Aufwärtstrend der Altcoins nach unten. Die Muster passen auch charttechnisch zusammen und werden ergänzt durch die Bereinigung des Marktes von überhebelten Positionen. Allein in den letzten 24 Stunden wurden fast 1.5 Milliarden Dollar an Long-Positionen liquidiert.
Wie aber geht es jetzt weiter? Zunächst einmal braucht man etwas Geduld. Solche Korrekturen können selbst in voll entfalteten Bullenmärkten ein paar Tage in Anspruch nehmen. Ist das Gröbste ausgestanden, ist mit weiteren Verlusten der Bitcoin- und USDT-Marktanteile zu rechnen, was Altcoins erneut Aufwind verleihen dürfte. Am wichtigsten ist, auch bei solchen Abverkäufen einen klaren Kopf zu bewahren. Wer an den Bullenmarkt glaubt, sollte sich von diesen Turbulenzen nicht aus dem Konzept bringen lassen.
Eines aber sollte Ihnen diese Korrektur gezeigt haben: Euphorie und Panik liegen im Kryptomarkt nah beisammen. Altcoins, die an einem Tag ein dickes Plus machen, können die Gewinne in der nächsten Nacht wieder abgeben und sogar noch weiter fallen. Gerade weil es so schnell gehen kann, lohnt es sich, auf dem Weg nach oben Gewinne mitzunehmen. In den letzten Zyklen fuhr man am besten, wenn man vor dem Bärenmarkt die allermeisten Altcoins verkauft hatte, denn viele Projekte werden im folgenden Bullenmarkt schon nicht mehr an ihre Hochs herankommen.
Wenn man keine Gewinne mitnimmt, nimmt sie ein anderer. Also: Legen Sie sich eine Verkaufsstrategie zurecht und lassen Sie sich nicht von reißerischen Headlines verrückt machen. Mit unseren Analysen zu Bitcoin und Ethereum sowie 15 vielversprechenden Altcoin-Projekten haben Sie stets einen emotionslosen Begleiter an Ihrer Seite, der Ihnen dabei hilft, möglichst lukrativ durch den Markt zu navigieren – und zwar sowohl in Bullen- als auch in Bärenmärkten.


Der Altcoinseason-Index ist von 88 auf 63 Punkte gefallen. Vor einer Woche performten 88 Prozent der Top-50 Altcoins besser als BTC, diese Woche sind es nur noch 63.
In der Nacht auf den 6.12. liquidierte Bitcoin Long-Positionen in Milliardenhöhe. Gestern Nacht zogen Altcoins nach.
Besonders bei den Top-Performern der letzten Wochen (XRP, Cardano und Polkadot) lief die Funding Rate in den letzten Tagen heiß (gelb bis orange)!
Die Stablecoin-Dominanz (USDT, oben) hat einen jahrelangen Aufwärtstrend (grüne Linie) gebrochen, sitzt aber auf wichtigem Support.
Auch die Bitcoin-Dominanz (oben) hat ihren Aufwärts-Trend gebrochen, aber auf ein wichtiges Support-Level reagiert – zum Nachteil der Altcoins (Total3, rosa).
Die Abverkäufe bei BTC- und USDT-Dominanz dürften sich bald fortsetzen. Kommt eine ähnliche Altcoin-Season wie 2021 und 2017?

