Wachstumsbremse China: IEA senkt Prognose für weltweite Ölnachfrage
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Wachstumsbremse China: IEA senkt Prognose für weltweite Ölnachfrage

Die Internationale Energieagentur (IEA) hat am Dienstag ihre Prognose für das Wachstum der weltweiten Ölnachfrage im Jahr 2024 unverändert gelassen, ihre Schätzung für 2025 jedoch nach unten korrigiert. Die IEA geht davon aus, dass die weltweite Ölnachfrage im Jahr 2025 um 950 000 Barrel pro Tag (bpd) steigen wird, das sind 30 000 bpd weniger als in der vorherigen Prognose. Die Wachstumsprognose für dieses Jahr wurde unverändert bei 970 000 bpd belassen. Die französische Agentur, die die Industrieländer berät, weist in ihrem Bericht darauf hin, dass die schwache Konjunktur in China, dem weltweit größten Importeur und zweitgrößten Verbraucher von Öl, die globale Nachfrage dämpfen dürfte. Dagegen erwartet die IEA eine starke Nachfrage in den westlichen Volkswirtschaften, insbesondere in den USA, wo ein Drittel des weltweiten Ölverbrauchs stattfindet. Dem Bericht der IEA war am Montag ein Bericht der OPEC vorausgegangen, die ebenfalls eine Nachfrageprognose nach unten korrigiert hatte. Die Gruppe der Ölförderländer verwies dabei ebenfalls auf die schwächelnde Industrie in China.

China als Nachfragebremse

„Die schwache Wirtschaftsentwicklung in China, die auf den Post-Covid-Aufschwung im Jahr 2023 folgte, dämpft nun die globalen Gewinne erheblich“, erklärte die IEA in ihrem monatlichen Ölbericht.  Laut der Agentur war der Rückgang der Nachfrage nach Gasöl und Naphtha in China besonders ausgeprägt. Dies deute auf einen Rückgang in Schlüsselsektoren wie der Bauwirtschaft und der verarbeitenden Industrie sowie auf eine Pause in der Expansion des petrochemischen Sektors hin. Diese Sektoren sind wichtige Verbraucher von Erdölprodukten, und eine Verlangsamung ihrer Aktivitäten führt unmittelbar zu einer geringeren Nachfrage nach Erdöl. Im Juli kam es zu einer Reihe von Prognosekorrekturen seitens der Ölanalysten, nachdem die Rohölimporte nach China im ersten Halbjahr 2024 bereits um 2.3 Prozent zurückgegangen waren – der stärkste Rückgang seit der Covid-19-Pandemie. Auch die jüngsten Wirtschaftsdaten stützen diese Einschätzung. Zwischen April und Juni wuchs die chinesische Wirtschaft nur um rund vier Prozent, verzeichnete damit das langsamste Wachstum seit dem ersten Quartal 2023 und blieb deutlich unter der Konsensprognose von 5.1 Prozent.

Starke Nachfrage im Westen erwartet

Während der wirtschaftliche Erholungsprozess in China nach der Pandemie an Schwung verloren hat, prognostiziert die Internationale Energieagentur (IEA) eine anhaltend starke Nachfrage in den westlichen Volkswirtschaften, insbesondere in den USA, die für rund ein Drittel des weltweiten Ölverbrauchs verantwortlich sind. Die USA spielen eine zentrale Rolle auf dem Weltmarkt für Brennstoffe – nicht nur wegen ihrer Größe, sondern auch wegen saisonaler Verbrauchsmuster, die die Nachfrage stark beeinflussen. Insbesondere die Sommersaison in den USA ist ein entscheidender Faktor für das Wachstum der Ölnachfrage. In dieser Zeit steigt der Benzinverbrauch in den USA traditionell stark an. Dies ist auf die erhöhte Reisetätigkeit in den Sommermonaten zurückzuführen, wenn Millionen von Amerikanern längere Strecken mit dem Auto in den Urlaub oder zu Familienbesuchen fahren.  Die IEA prognostiziert, dass die diesjährige Sommersaison die stärkste seit der Pandemie sein wird. Gleichzeitig haben die Angebotskürzungen der OPEC+ zu einer Verknappung auf dem physischen Ölmarkt geführt. „Derzeit kann das Angebot mit der Spitzennachfrage im Sommer kaum Schritt halten, so dass der Markt ein Defizit aufweist“, konstatierte die IEA.

IEA und OPEC weiterhin uneins

Dass die OPEC am Montag ihre Prognose für das Wachstum der weltweiten Ölnachfrage im Jahr 2024 nach unten korrigiert hat, ist ebenfalls bemerkenswert – nicht nur, weil sie sich unisono mit der IEA auf die schwächeren Erwartungen für China berufen. Zum ersten Mal seit Juli 2023 senkt die OPEC ihre Jahresprognose, die Erwartung der Organisation ölexportierender Länder liegt jedoch weiterhin über jener der IEA. Die OPEC geht davon aus, dass die weltweite Ölnachfrage in diesem Jahr um 2.1 Mio. bpd steigen wird, im Vergleich zu den 970 000 bpd der IEA ist dies immer noch mehr als 1 Mio. Barrel mehr. Die beiden Institutionen sind sich zuletzt so uneinig wie seit der Finanzkrise 2008 nicht mehr. Ein Dissens besteht darin, dass die IEA von einer stärkeren Adaption sauberer Kraftstoffe ausgeht als die OPEC, die aufgrund der Abkehr einiger Staaten von Netto-Null-Strategien beim Klimaschutz skeptischer ist. Zudem ist die OPEC grundsätzlich zuversichtlicher, was das erwartete Wachstum außerhalb der OECD-Industrieländer angeht. Einige Mitglieder der Ölgruppe werfen der IEA zudem vor, keine unabhängige Behörde (mehr) zu sein. „Die IEA hat sich von einem Prognostiker und Marktbeobachter zu einem politischen Fürsprecher entwickelt“, sagte der saudische Energieminister Prinz Abdulaziz bin Salman im vergangenen September.

Welchen Einfluss die Wirtschaftslage in China auf die globale Ölnachfrage haben wird und welche Prognosen sich als zutreffender erweisen, bleibt eine offene Frage. Im Rahmen unseres Rohölpakets analysieren wir die Ölbenchmarks Brent und WTI auf Basis der Elliott-Wellen-Theorie inklusive Einstiegsmöglichkeiten auf der Long- und Short-Seite.

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